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„Mit allen Vorurteilen aufgeräumt“: Vor 30 Jahren begannen erstmals Frauen ihren Dienst bei der saarländischen Polizei

Polizei im Blut: Vor 30 Jahren war Karin Lang (links) eine der ersten Frauen bei der saarländischen Polizei. Nun tritt Tochter Sabrina in ihre Fußstapfen. Foto: Becker&Bredel

Polizei im Blut: Vor 30 Jahren war Karin Lang (links) eine der ersten Frauen bei der saarländischen Polizei. Nun tritt Tochter Sabrina in ihre Fußstapfen. Foto: Becker&Bredel

Für Sabrina Lang geht im kommenden Monat ein lange gehegter Traum in Erfüllung. „Am 1. September werde ich als Polizeibeamtin vereidigt“, erzählt die 19-Jährige stolz. Schon seit ihrer Kindheit wollte sie Polizistin werden. Ein Berufswunsch, den sie mit vielen anderen jungen Frauen teilt. Fast 50 Prozent der im Saarland neu eingestellten Polizisten waren in den vergangenen Jahren Frauen. Dass das heute so ist, ist auch ein Verdienst von Sabrina Langs Mutter. Karin Lang war vor 30 Jahren eine der ersten Frauen, die im Saarland ihren Dienst bei der Schutzpolizei antreten durften und damit die Männerbastion Polizei kräftig durcheinanderwirbelten. Gestern wurde mit einem Festakt in der Polizei-Kaserne am Saarbrücker Wackenberg an diese kleine Revolution erinnert.

 

Auch für Karin Lang stand ihr Traumberuf früh fest: Polizeibeamtin. Doch als sie mit der Schule fertig war, lag das für die heute 49-jährige Polizeikommissarin zunächst in weiter Ferne. Das Land stellte noch keine Frauen ein. Sie machte eine Lehre als Tischlerin. Erst 1986 öffnete sich die Polizei in allen Bereichen für Frauen. Lang bewarb sich begeistert.

 

„Eingestellt war die Polizei auf uns Frauen aber in vielen Bereichen nicht“, sagt Kriminalhauptkommissarin Katja Müller, die am 1. August 1986 ihren Diensteid ablegte. Als sie und ihre 16 Kolleginnen damals mit ihrer neuen Dienstbekleidung ausgestattet wurden, war das Gelächter groß. „Wir bekamen lange grüne Unterhosen mit Eingriff“, erzählt die heute 51-Jährige. „Die Röcke waren an der Taille weit geschnitten, dafür waren sie im Kniebereich sehr eng. Wenn ich im Rock einen Verbrecher hätte verfolgen sollen, hätte ich den Rock raffen müssen.“

 

Noch während ihrer Ausbildung stellte Müller die Polizei vor ein Problem, das es so vorher noch nicht gab: Sie wurde schwanger. „Die Verwaltung war total überfordert und wusste nicht, was sie mit mir machen sollte“, so Müller, „mir wurde nichts mehr erlaubt und ich musste um Arbeit bitten.“ Bei einer Versetzung verheimlichte sie sogar ihre Schwangerschaft, um wieder an der Ausbildung teilnehmen zu können. „Das flog später auf. Aber immerhin bin ich Wasserwerfer gefahren“, erzählt Müller.

 

Sowohl Karin Lang als auch Katja Müller berichten von anfänglichen Problemen mit einigen Machos unter ihren Kollegen. Es fielen Sprüche wie: „Mit einer Frau fahre ich nicht in den Einsatz.“ Doch nach Ansicht der Polizistinnen währten diese Probleme nicht lange. Die Kritiker in den Inspektionen verstummten und die neuen Kolleginnen wurden rasch akzeptiert. Ein weitaus größeres Problem war es, Polizeiarbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. „Durch den Schichtdienst war es für mich schwierig, die Kinder in den Kindergarten zu bringen, und am Wochenende war ich oft zwölf Stunden weg“, sagt Lang. Ohne die Hilfe ihres Mannes sei ein geregeltes Familienleben nicht möglich gewesen. „Ich habe deshalb auch weniger Karriere gemacht“, so die Kommissarin.

 

Auch heute noch sind Frauen im saarländischen Polizeidienst eine Minderheit. Ihr Anteil liegt bei 18,5 Prozent. In Führungspositionen sind sie noch schwach vertreten. „Das soll sich ändern“, wünscht sich Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ( CDU ). „Es muss uns gelingen, dass mehr Frauen bei der Polizei Karriere machen.“ Gelingen soll dies durch neue Dienstzeit-Modelle, wie Polizeipräsident Norbert Rupp erklärt: „Wir wollen flexible Arbeitsmodelle vorantreiben, die es erlauben, Arbeit und Familie besser zu vereinen.“ Denn in einem Punkt ist sich der Polizeipräsident sicher: „Die damalige Entscheidung, auch Frauen einzustellen, war völlig richtig. Es ist heute selbstverständlich, dass alle Beamten denselben Job machen. Mit allen Vorurteilen haben wir aufgeräumt.“
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