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Mobbing und Cybermobbing: Bedarf an Psychotherapie für Kinder und Jugendliche steigt

. Beleidigungen, Drohungen und Stalking-Aktionen im Internet: das sogenannte Cybermobbing ist unter Jugendlichen zu einem beunruhigenden Trend geworden. Immer mehr Zehn- bis 15-Jährige berichten von Mobbing-Erfahrungen in der digitalen Welt. Oft gehen die Kränkungen von Mitschülern aus, die private Bilder unerlaubt ins Netz stellen oder in sozialen Netzwerken auf „Hass-Seiten“ gegen ihre Schulkameraden hetzen. Beratungsangebote wie die des Diakonischen Werkes können Betroffenen weiterhelfen. In besonders schwerwiegenden Fällen komme auch eine psychotherapeutische Behandlung in Frage, sagt Werner Singer, Landesvorsitzender der Vereinigung analytischer Kinder-und Jugendpsychotherapeuten Saar (VAKJP). „Es ist beängstigend, welche Ausmaße diese Übergriffe annehmen können“, sagt der erfahrene Therapeut. Regelmäßig erfahre er in seiner Praxis von Kindern und Jugendlichen, die online bloßgestellt würden. Auch Andrea Maas-Tannchen, Kinder-und Jugendpsychotherapeutin und Co-Vorsitzende der VAKJP Saar, kann diese Tendenz bestätigen.

Im Saarland gibt es nach Angaben der Psychotherapeutenkammer derzeit 70 niedergelassene Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Eltern und junge Erwachsene bis 21 Jahre können sich bei Bedarf ohne Überweisung eines Hausarztes direkt an einen Therapeuten wenden. Die Kosten für eine psychotherapeutische Behandlung erstattet in der Regel die Krankenkasse. Nach Angaben der kassenärztlichen Vereinigung Saar nahmen im vergangenen Jahr pro Quartal durchschnittlich über 11 000 Patienten Psychotherapie in Anspruch. In der Kinder- und Jugendpsychotherapie seien es im Schnitt 1100 Patienten gewesen.

Der Bedarf an Psychotherapie sei in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Junge Menschen hätten heutzutage nicht nur mit digitalen Übergriffen zu kämpfen, sagt Maas-Tannchen. Sehr häufig litten Heranwachsende auch unter Ängsten und Essstörungen. In Städten gebe es eine größere Auswahl an Therapeuten als auf dem Land. Die ungleiche Verteilung sei vor allem für die Jüngeren ein Problem. „ Kinder und Jugendliche sind nicht so mobil wie Erwachsene“, sagt die Therapeutin. Nach Angaben der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes warten Patienten im Schnitt bis zu drei Monate auf einen Therapieplatz. In einigen Fällen könne es sogar ein halbes Jahr bis zu einem Termin dauern. Die Kammer fordert daher eine bessere Bedarfsplanung auf Bundesebene, die sich an der aktuellen Versorgungslage in den einzelnen Regionen orientiert.

Eine Maßnahme könnte zur Verkürzung von Wartezeiten beitragen: Seit langem fordert die Psychotherapeutenkammer die Einführung von Sprechstunden im Bereich der Psychotherapie . Durch ein direktes und unverbindliches Erstgespräch mit dem Patienten könnte der Therapeut zeitnah klären, ob eine Psychotherapie überhaupt erforderlich ist. Viele Patienten könnten auf diesem Wege direkt an kompetente Stellen verwiesen werden, statt sich unnötigerweise in Wartelisten einzutragen.

psych-info.de
 
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