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Model von der Saar missverstanden? SZ-Leser hält Busplakat für fremdenfeindlich

Nachrichten aus der Region Saarlouis.

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Saarlouis. Oben die Böse, die mit ihren Tüten Sitzplätze im Bus blockiert und einer alten Dame verwehrt, Platz zu nehmen. „Falsch.“ steht darüber. Die Gute unten zeigt – „Richtig.“ –, wie es sein soll: Sie bietet der alten Dame freundlich den Sitzplatz an. Mit diesem Plakat wollte der saarländische Verkehrsverbund (SaarVV) in seinen Bussen und Bahnen für freundliches Miteinander werben. Die Böse und die Gute sind zwei saarländische Models. Einem Leser unserer Zeitung, der jüngst im Bus von Fraulautern nach Saarlouis unterwegs war, ist das Plakat aufgefallen. Ein „dunkelhaariges Mädchen mit Kopftuch“ sah er auf dem Falsch-Foto. Er sei alles andere „als ein Freund des radikalen Islamismus“, schreibt er der SZ. Aber das Plakat findet er nicht in Ordnung, denn es reize „sichtlich zu einer Diffamierung der Muslime“. „Völlig erschüttert“ über diese Sichtweise ist der Mann, der mit seiner Agentur für den SaarVV das Plakat gemacht hat. „Ich kann es gar nicht nachvollziehen, wie man das so missverstehen kann“, sagt er der SZ. Beide Models seien Saarländerinnen und vor allem: „Die Dunkelhaarige trägt kein Kopftuch, das ist ein modisches Band, das sie im Haar hat“. Peter Gentes, beim SaarVV zuständig für Marketing und eben auch für die Falsch-richtig- Plakat-Aktion, kann die Kritik ebenfalls nicht nachvollziehen. Hier würden nicht zwei Frauen unterschiedlicher Herkunft gegeneinander gesetzt, sondern die eine affektierte, unfreundliche gegen die andere natürliche, freundliche. Er bedauert es, wenn jemand das Bild missverstehe. Keiner der Beteiligten habe vor dem Aufhängen der Plakate im Entferntesten an so etwas gedacht. Bei der Kritik handele es sich außerdem bestimmt nicht um ein Massenphänomen. In zwei Monaten (Mai und Juni), die das Plakat im Saarland in Bussen und Bahnen hing, habe es außer dem Brief an die SZ nur zwei weitere kritische Hinweise gegeben. Dass die Plakate zurzeit ausgetauscht werden, habe laut Gentes nichts mit jener Kritik zu tun. Das entspreche dem üblichen Wechselrhythmus.

MEINUNG

Von SZ-Redakteur Mathias Winters

Eher eine Frage der Sympathie Verständlich, dass ein SZLeser die vermeintliche Gegenüberstellung von Kopftuchträgerin mit deutschem Mädel für einen Fehlgriff hält. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich aber: Die Schwarzhaarige, die bestimmt eine Zicke ist und deshalb die alte Dame stehen lässt, hat ein breites Band im Haar, kein Kopftuch. Hätten die vom SaarVV ahnen müssen, dass die Falsch- Frau als – wie es so gestelzt heißt – eine mit Migrationshintergrund gesehen werden könnte? Nein. Politisch korrekt ist es nämlich, ohne Ansehen etwaiger Herkunftsmerkmale zu schauen. Und dann haben wir hier die Unsympathische auf dem Falsch- und die Sympathische auf dem Richtig-Foto. Wenn es alle so verstehen, sind wir integrationsmäßig einen Schritt weiter.
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