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Modernste Bergbau-Technik: Vollautmatisierter Kohlehobel geht in den letzten Streben in Betrieb

Saarbrücken. Weniger als zwei Jahre vor dem Auslaufen des Saar-Bergbaus hat im Bergwerk Saar noch einmal eine neue Ära begonnen. Gestern ist im Streb 8.6 Ost erstmals ein vollautomatisierter Kohlehobel in Betrieb gegangen. Zwar hatte die Grube Reden vor vielen Jahren auch schon einmal einen Hobel im Einsatz, ansonsten gab es im Abbau an der Saar nur so genannte Walzenschrämlader.

Dass das Bergwerk Saar in den beiden letzten Streben des Feld Dilsburg Ost nun diese Technik nutzt, liegt an der Höhe des Kohleflözes: „Die Mächtigkeit in diesem Feld verringert sich“, sagt Volker Hagelstein, als Markscheider für die Abbauplanung verantwortlich. Während im Streb 8.5 Ost noch Flözhöhen bis 2,40 Meter vorlagen, beträgt die Mächtigkeit jetzt nur noch 1,70 Meter. „Bei solchen Höhen würde ein Walzenlader zu viele Steine mit herausschneiden“, sagt Hagelstein. „Deshalb empfiehlt sich der Einsatz eines Hobels.“



Die beiden Methoden unterscheiden sich erheblich.  Während bei dem Abbau mit dem Walzenlader ein rund 66 Tonnen schwerer Koloss mit einer Geschwindigkeit von fünf bis zwölf Meter pro Minute an dem Kohleflöz entlang fährt und dabei mit seinen riesigen Walzen eine bis zu einem Meter dicke Schicht aus der Wand fräst, gleitet der mit rund acht Tonnen viel leichtere Hobel mit einer Geschwindigkeit von drei Metern pro Sekunde wie ein Käsehobel an der Wand entlang und schält dabei eine vergleichsweise dünne Schicht von dem Kohleflöz herunter.

Im aktuellen Probebetrieb sind es gerade mal 20 Millimeter Kohle, die der Hobel bei jeder Tour aus der Wand schält, später hofft Hagelstein, dass die Hobeltiefe bei rund 80 Millimeter liegen wird.

Neu ist auch, dass der Hobel in Zukunft vollständig von einer so genannten Betriebswarte über Tage gesteuert wird. Hier hat ein Mitarbeiter den kompletten Überblick über die Einstellungen des Hobels, den Stand der Schilde, die hinter dem Hobel den Berg abstützen, und die Position des Kettenförderers, der die abgehobelte Kohle abtransportiert. „Im aktuellen Probebetrieb wird der Hobel noch weitgehend manuell von unter Tage gesteuert“, sagt Bergwerksdirektor Friedrich Breinig. „In drei Wochen soll der Abbau dann aber komplett von über Tage verwaltet werden.“ Insgesamt sollen auf diese Weise noch 2,4 Millionen Tonnen Kohle aus dem Bergwerk Saar gefördert werden.

In den RAG-Bergwerken an der Ruhr wird die Technik bereits seit mehreren Jahren eingesetzt. Hier haben sich die Saar-Bergleute auch ausführlich in Schulungen auf die neue Methode vorbereitet. Wie sich der Hobel aber im Einsatz an der Saar verhält, ist noch unklar: „Die Kohle an der Saar ist sehr viel härter als im Ruhrgebiet“, sagt Hagelstein. Deshalb sei auch sehr spannend, welche Erkenntnisse die aktuelle „Einhobelphase“ bringe.

Der Neuanfang bringt das Bergwerk auch auch wieder seinem Ende ein Stück näher. Mit dem Streb 8.6 haben die Bergleute des Bergwerks Saar den vorletzten Streb in Angriff genommen. Der Streb 8.5 ist bereits zu mehr als der Hälte abgebaut, 8.6 soll Ende 2011 abgebaut sein. Mit dem Streb 8.7, wo ab Februar noch eine zweiter Hobel in Betrieb gehen wird, enden dann 250 Jahre Bergbaugeschichte an der Saar.
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