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Monowheel-Test: Blutige Hände und sau viel Spaß

„Affe auf dem Schleifstein.“ Vermutlich kommt genau das den Spaziergängern in den Sinn, als sie mich bei dem kläglichen Versuch beobachten, auf einem Monowheel – ein mit einem Elektro motor betriebenes Einrad – zu fahren. Wobei von fahren noch keine Rede sein kann. Denn zunächst muss ich auf dem Ding erst mal stehen, was die Gesetze der Schwerkraft ein ums andere Mal zu verhindern wissen. „Wenn man mal den Punkt raus hat, an dem man nicht mehr kippt, geht's eigentlich ganz einfach“, sagt Chantal Sacksteder.

 

Sie hat mich eingeladen, das Monowheel der Marke Ninebot zu testen und kennt sich gut damit aus, denn die Sacksteder GmbH, der Saarlouiser Familienbetrieb, in dem sie arbeitet, verkauft diese Einräder.

 

Gekonnt steigt sie mit einem Fuß auf, stellt den anderen dazu, holt kurz Schwung und rollt elegant davon. Mit etwa 20 km/h könnte sie jetzt gut 20 Kilometer die Saar entlang düsen, denn das gibt der Akku dieses 14 Kilo leichten Rads her. Nett, wie Chantal ist, kommt sie aber nach ein paar Metern zurück, um mir eine neue Chance zu geben. „Hingefallen bin ich noch nie“, macht sie mir Mut, gibt aber zu, dass es nicht schadet, die ersten Steh- und Fahrversuche in unmittelbarer Nähe zu einem Geländer oder einer Mauer zu machen.

 

Blutiger Bremsvorgang

Also auf ein Neues: Unter Schweißausbrüchen, mit voller Konzentration und höchster Anstrengung wuchte ich mich irgendwie auf das Ding, bin stolz wie Boateng nach dem Sieg gegen Italien und koste diesen Triumph erst mal gebührend aus. „Willste jetzt vielleicht mal noch versuchen, damit zu fahren?“, fragt Chantal nach ein paar Minuten, in denen ich ganz bestimmt wie ein professioneller Monowheel-Fahrer gewirkt habe, der sich eine kleine Pause gönnt.

 

Aber sie hat ja recht. Also auf geht's: Ich fasse all meinen Mut zusammen, stoße mich von der Wand ab, und: FAHRE LOS! Und zwar gut und gerne 1,50 Meter weit. Was dann passiert, habe ich nur noch nebulös in Erinnerung. Aus unerfindlichen Gründen – es muss wohl eine Unebenheit im Boden gewesen sein – gerate ich ins Trudeln, wodurch es meine Beine nach links zieht, den Rest meines Körpers hingegen nach rechts. Ich könnte jetzt einfach absteigen, und gut wär's, aber mit all meiner Ungeschicktheit suche ich sofort Kontakt zur Wand, was dazu führt, dass das Rad die Schnauze voll hat, alleine weiterfährt, und meine Hände an der Mauer einen blutigen Bremsvorgang einleiten. „Siehste, es geht doch“, sagt Chantal, die offensichtlich Mitleid mit mir hat. Aber es gilt die alte Regel: Wenn man vom Pferd fällt, soll man ja gleich wieder aufsteigen.

 

Also noch einmal: Stehen klappt mittlerweile einigermaßen, da kann das mit dem Fahren ja nicht so schwer sein. In dem festen Willen, die magische Drei-Meter-Marke zu knacken, rolle ich los, und kann einen weiteren Sturz nur dank der blitzschnellen Reaktion Chantals verhindern. Wagemutig und selbstlos wirft sie sich gegen meine ganze kippende Masse und verhindert so, dass meine Hose in Sachen Loch-Mode mit ihrer gleichzieht.

 

Auf ähnliche Art und Weise folgen noch rund 20 weitere solcher Versuche, bis ich ihren Rat endlich beherzige, und nicht vor mir auf den Boden starre, sondern beim Fahren einen festen Punkt in der Ferne anvisiere. Und siehe da, es klappt! „Ich fahre, ich fahre“, rufe ich voller Freude und bekomme einen Eindruck davon, wie sich die Gebrüder Montgolfier bei ihrem ersten Abheben im Heißluftballon gefühlt haben müssen.

 

Polonaise der Glückshormone

Ich rolle und rolle, lasse Meter um Meter hinter mir und erblicke voller Furcht das Ende der Mauer. Der richtige Moment, um die berechtigte Frage zu stellen: „Wie bremst man denn?“ „Einfach den Hintern nach unten und zurücklehnen“, sagt Chantal.

 

Motorisch vollkommen mit diesem Rat überfordert, wähle ich erneut die Blutbremse an der Mauer. „So kann man's auch machen“, sagt Chantal und fragt, ob die Schürfwunden an den Händen arg schmerzen. Tun sie nicht, was vermutlich an den Glückshormonen liegt, die in meinem Körper gerade 'ne Polonaise machen.

 

Ich bedanke mich bei Chantal dafür, dass ich das Monowheel mal testen durfte, und konnte einen Eindruck davon gewinnen, warum vor allem in Großstädten immer mehr Leute damit unterwegs sind: Das Mono wheel lässt sich überall hin mitnehmen, man lernt relativ schnell, damit zu fahren, und: Es macht tierisch viel Spaß.

 

Nummernschild oder Helmpflicht gibt's dafür zwar nicht, aber rund 1000 Euro muss man schon hinblättern. Sollte ich demnächst den Lotto-Jackpot knacken, wird ein Monowheel meine erste Anschaffung. Allerdings mit Handschuhen, denn ganz unter uns: Die Schürfwunden taten doch weh.

 

ninebot-deutschland.de

 

 
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