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„Mr. Hit“ liebt das Saarland immer noch: Heute wird Frank Farian 75

Boy you know it's true? Als Frank Farian Anfang der 1960er Jahre im Saarbrücker Schlossgarten-Restaurant seine Lehre machte, konnte keiner ahnen, dass der kleine Kerl mit der Kochmütze mal dereinst so viele Top-Hits anrühren würde. Fotos: Milli Segieth/Frank Farian

Boy you know it's true? Als Frank Farian Anfang der 1960er Jahre im Saarbrücker Schlossgarten-Restaurant seine Lehre machte, konnte keiner ahnen, dass der kleine Kerl mit der Kochmütze mal dereinst so viele Top-Hits anrühren würde. Fotos: Milli Segieth/Frank Farian

Frank Farian spielt nicht Golf, er hat immer noch die Musik. Heute, an seinem Geburtstag, tut er das, was er täglich zwölf Stunden macht, weil es ihm die größte Freude bereitet: In seinem Musikstudio in Miami sich Neues ausdenken. Das Soundlabor hat, wie der Besitzer aus dem Kopf weiß, eine Länge von 37 Metern. Wer hier hin und her wuselt, der hat Sport genug, um fit zu bleiben. Konkretes Projekt derzeit ist eine „weltmusikalische Weihnachtsplatte, nicht das übliche Jingle Bells, sondern 200, 300 Jahre alte Melodien, die wir in ein entsprechendes Gewand stecken“, schwärmt Farian im Gespräch mit unserer Zeitung am Telefon.

 

„Rivers of Babylon“ ist auch so ein großer Song, simpel klingend , aber „tricky“ aufgebaut, ein Rocksteady-Traditional mit einem auf Psalmen basierenden Text. Bob Marley hat ihn ebenso aufgenommen wie kürzlich Hippie-Gitarrist Jorma Kaukonen ( Jefferson Airplane ). Die meisten glauben, das Lied sei von Frank Farian .

 

Über 800 Mal Edelmetall

Er hatte es aber „nur“ für seine von ihm geschaffene Gruppe Boney M. ausgesucht – ein typischer Coup dieses Produzenten, der es versteht, Kompositionen, Sounds, Technik und passende Interpreten mit Beimischung der eigenen Singstimme so zu arrangieren, dass das Endprodukt, das Puzzle, weltweit den Geschmack der Leute trifft. Dass ihm aber globale Verbreitung mit gleich zwei unverkennbaren Bands gelang, nämlich mit Boney M. und Milli Vanilli („Girl you know it's true“), und dass er (mit über einem Dutzend Interpreten) 800 Edelmetall-Schallplatten einstrich und hunderte Millionen Tonträger verkaufte, ist nicht mit Glück allein erklärbar.

 

Gleichwohl hat die Bedeutung des tüchtigen und klugen Frank Farian für die Popmusik der 1970er bis 1990er bislang nicht die Anerkennung gefunden, die Musikhistoriker anderen weißen Pionieren im traditionell schwarzen Disco-Geschäft zugestehen, etwa dem ein Jahr älteren Südtiroler Giorgio Moroder mit seinem „Munich Sound“. Oder dem österreichischen „Supermax“-Erfinder Kurt Hauenstein.

 

Die Beurteilung der Farian'schen Lebensleistung wurde auch durch miserables Marketing bei Milli Vanilli getrübt: Die bloß darstellenden Gruppenmitglieder waren – unnötigerweise – als echte Sänger ausgegeben worden. Das bot Anlass für Betrugsverdächtigungen. Frank Farian , der „Kritiken sowieso nicht oft ernst genommen hat“, darf sich aber mit Fanzuspruch und Millionen Dollar eintragenden Musikrechten trösten: Seine Bands und Titel werden nach wie vor rund um den Globus „von den Menschen begeistert aufgenommen und im Radio gespielt“.

 

Frank Farian , heute vor 75 Jahren in Kirn an der Nahe als Franz Reuther geboren, hat sich seine Karriere selbst aufgebaut. Nach dem Krieg kam er mit der Mutter zur Tante in Spiesen-Elversberg, weil es da was zu essen gab. Er lernte Koch im Saarbrücker Schlossgarten-Restaurant, liebte schwarze amerikanische Musik und schaute sich die Bands an, die Beat und Soul für amerikanische Soldaten spielten. Mit dem ersten Geld kaufte er Gitarre und Verstärker, gründete die Gruppe Frankie Farian und die Schatten, spielte an Tanzabenden auf und brachte 1963 die erste Rock'n'Roll-Single heraus, selbst produziert und vertrieben. „Shouting Ghost“ wurde auch dank „Frau Kaspar beim Saarbrücker Plattengrosso Phoenix-Apparate ein Erfolg“. Sie nahm gleich 100 Stück ab.

 

1964 das erste Gastspiel im Hamburger Star-Club, 1967 Plattenvertrag, 1969 erster Auftritt in der ZDF-Hitparade, Farian war Schlagersänger geworden, um endlich auch mal Geld zu verdienen. 1976 kam mit „Rocky“ der erste Hit. Parallel dazu schlug der von ihm produzierte Benny mit dem Titel „Amigo Charlie Brown“ ein. Und Boney M. ging mit „Daddy Cool“ durch die Decke. Farian hatte drei Titel in der deutschen Top-10-Hitparade – und war ein Star, einer der umsatzstärksten Akteure im Pop-Business, der „Mr. Hit aus Germany“, wie die Londoner „Times“ schrieb. 1982 produzierte Stevie Wonder seinen Welthit „I just called to say I love you“ in Farians Rosbacher Studio, auch Größen wie Meat Loaf und Steve Harley suchten Unterstützung bei ihm.

 

Keine familiären Bande mehr

Farian trat da schon lange nicht mehr selbst auf. 1995 siedelte er endgültig ins warme Florida um. Zum Saarland, wo alles begann und wo er auch mal eine Discothek besaß, das „Rendezvous“ in St. Ingbert, hat er nach eigenen Worten „immer noch eine enge emotionale Bindung“.

 

Die Freunde, die ihm in den frühen Jahren Plakate kleben halfen, kann er noch mit ihren Namen aufsagen. Dass ihm die SR-Radio-Größen Dieter Thomas Heck und Manfred Sexauer wohl gesonnen waren, hat er nicht vergessen.

 

Seit dem Tod von Mutter und Tante gibt es aber keine familiären Bande und Besuche mehr ins Saarland. Nach wie vor gehört Frank Farian aber zu den offiziell bestellten „Saarland-Botschaftern“, Aushängeschildern des Landes aus allen Bereichen. Man ist stolz auf ihn und freut sich, dass er ein gutes Wort für das kleine Land übrig hat, wenn er gefragt wird. Sein Rat an junge Leute: „Wenn man an etwas glaubt und Leidenschaft dafür entwickelt, dann soll man es durchziehen.“
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