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Müll, Bier, Spaß: Vier Tage im Rocco-Camp

 

 Es riecht aus allen Richtungen. Nach feuchtem Ackerboden und zertrampeltem Stroh, nach Bier und Schweiß und Grillfeuer. Meilenweit steht Zelt an Zelt, Pavillon an Pavillon, davor sitzen junge Leute, trinken, unterhalten sich, hören Musik. Die Stimmung auf dem Campingplatz vom Rocco del Schlacko in Püttlingen ist angenehm und entspannt, vor vielen Zelten wird gekocht – Ravioli und „Dosenfraß“ natürlich, das Festivalessen Nummer eins. „Ich nasche zwischendurch immer mal Sonnenblumenkerne“, sagt Simon Kutscher, 20, lachend und nippt an seiner Bierdose. „Man braucht ja auch mal Abwechslung zwischendurch!“ So ist es.

  

Was treibt man eigentlich so den ganzen Tag auf einem Festival-Camp? „Trinken und mit den Kumpels chillen, dazwischen mal was kochen und dann wieder trinken! Und natürlich die Bands aufs Festivalgelände anschauen gehen, aber nur die guten!“, erzählt Daniel Linse, 18. Zwar ist es dieses Jahr sein erstes Camping auf einem Festival, doch er weiß schon genau, was abgeht. „Flunkyball und Bierpong, das spielen wir immer!“ Klingt alles sehr verrückt und beinahe wie aus einer anderen Welt. Ist es auch, Einhörner, Drachen, Krokodile – all das kann einem auf dem Campinggelände beim Rocco schon mal über den Weg laufen.

„Die Leute hier sind echt cool drauf, man hat einfach Spaß zusammen und hilft sich auch gegenseitig“, plaudert Francesco Heden, 19, ein wenig aus dem Nähkästchen. Anstrengend sind die Tage und Nächte im Camp, geruht wird hier erst dann, wenn man wirklich am Ende ist, doch Ruhe herrscht hier nie. Nach der Anreise am Donnerstag, die, ja, man kann sagen mehr als stressig, chaotisch und unübersichtlich war (ewig lange Schlangen am Check-In, Park- und Campingplatz lagen weit auseinander, so dass alles Gepäck querfeldein über Stock und Stein geschleppt werden musste), spürte man doch eine gewisse Erschöpfung. Die sich allerdings nach dem ersten Bier schnell legte.

Und das Festivalleben konnte seinen Lauf nehmen. Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntagmorgen – verkatert und k.o. – Abreise. Freiheit pur, Nichtstun, rumsitzen und Quatsch machen, Spaß haben.

Einen besonderen, nicht zu verachtenden Stellenwert nehmen die Dixiklos auf dem Campingplatz ein. „Bäääh, die sind so eklig!“, verzieht Katharina Fergen, 17, das Gesicht. Doch sie gehören genauso zum Festivalcamp dazu wie das Bier, die Ravioli und der Müll, der sich tonnenweise stapelt.

Ja, eine eigene Welt ist das Rocco-Camp, Leute mit Klopapierrollen in der Hand, aufgeblasenen Einhornschwimmringen und Luftmatratzen – all das gehört dazu, ebenso wie der Hauch Wahnsinn, der sich mischt mit dem Duft der Dixis, des Schweißes und des Staubs. Hier zwischen all den Verrückten vier Tage zu überleben, ist harte Arbeit und macht doch wahnsinnig Spaß. Ein Fazit: „Supergeil und nur was für starke Nerven!“ (Francesco Heden). Drei Tage laute Musik, drei Tage wildes Hin- und Herlaufen zwischen Bühne, Parkplatz und Campingplatz – das Festival Rocco del Schlacko war für die überwiegend jugendlichen Besucher Freude und Anstrengung zugleich. Am dritten Tag sah mancher auch schon etwas gezeichnet aus vom Alkoholkonsum und den wenig erholsamen Nächten im Zelt: Während einige unermüdliche Camper bis in die Morgenstunden den Ghettoblaster aufdrehten, machten zusätzlich nächtlicher Regen und Wind den Schlaf oft unmöglich.
 

Originelle Kostüme

Dennoch: Mit dem Wetter hatten die Veranstalter in diesem Jahr großes Glück. Während des Bühnenprogramms auf dem Sauwasen fiel kein einziger Tropfen auf die bis zu 24 000 Besucher. Das war nicht immer so: In anderen Jahren stand der Schlamm schon knöchelhoch.

Viele der männlichen Besucher übertrafen sich in der Kunst, besonders originell auszusehen. Manche erschienen im Hahnenkostüm, andere liefen im Bademantel umher. Wer nur noch die Unterhose trug, fiel im wilden Treiben nicht mehr groß auf. Der erste Preis in dieser Disziplin ging dabei an jenen oberkörperfreien Zeitgenossen, der seine starke Brust- und Rückenbehaarung bis auf die Form eines Bikini-Oberteils entfernt hatte. Die Maßnahme der Veranstalter, alle Zahlungen über ein System von Märkchen, so genannte Coins, abzuwickeln, beschleunigte den Ablauf an den Kassen; nicht so gut empfanden es manche Besucher allerdings, dass es nicht etwa einen Coin pro Euro gab, sondern sieben für zehn Euro.

Absurde Preise

Das sorgte für absurde Preisabstände: Ein Mineralwasser gab es somit für 1,43 Euro, während eine Cola gleich mit 2,86 Euro zu Buche schlug. Beim Rücktausch erhielten die Gäste pro Coin nur noch 1,40 Euro zurück . . .

Abgesehen von ein wenig Stau bei der Anreise (die Polizei hatte nicht damit gerechnet, dass donnerstags so viele Besucher schon so früh kamen) verlief das Festival reibungslos und vor allem friedlich. Der Köllertaler Polizeichef Wolfgang Schäfer bescheinigte einen extrem ruhigen Verlauf fast ohne Aggressivität unter den Besuchern oder gegenüber den Polizeibeamten.
 

Positive Bilanz

Eine überaus positive Bilanz zog auch das Deutsche Rote Kreuz: Laut Hans-Günther Maus von der Einsatzleitung seien gerade Fälle von Alkoholvergiftungen weniger vorgekommen im Vergleich zum vergangenen Jahr.
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