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Müll-Gebühren: Zoff um volle Windeln in Saarbrücken

Das Gebührensystem bei der
Müllentsorgung in den Kommunen
stinkt förmlich zum Himmel,
meinen Familien mit Windelkindern.

Das Gebührensystem bei der Müllentsorgung in den Kommunen stinkt förmlich zum Himmel, meinen Familien mit Windelkindern.

Saarbrücken. Eltern von Babys und Kleinkindern sind sauer. Dass die Kommunen und der Entsorgungsverband Saar (EVS) ihre neuen Gebührensysteme loben, ist für sie ein Hohn. Belohnt wird nämlich, wer wenig Müll macht. Doch wie soll das gehen mit Windelkindern? Volle Windeln sorgen für viel Müll. Und ob nun über Gewicht oder Anzahl der Leerungen abgerechnet wird – wer Windelkinder hat, wird bestraft, so die Kritik der Eltern, manchmal gar doppelt zur Kasse gebeten. Denn nicht nur im privaten Haushalt steigt durch die Windelentsorgung die Menge an Müll. „Seitdem bei uns der Müll verwogen wird, habe ich ein großes Problem“, sagt Habibeh Darigh, Inhaberin eines Saarbrücker Familien- Cafés. Darigh sah sich gezwungen, auf die Gebührenumstellung zu reagieren, sie verlangt mittlerweile 50 Cent, wenn Eltern die volle Windel im Café entsorgen wollen. „Zwei Drittel meines Mülls bestand aus Windeln, das kann ich mir jetzt nicht mehr leisten“, erklärt sie.

Sieben Kilo Windelmüll pro Woche

Zwar gewährt die Landeshauptstadt einen Windelzuschuss von 25 Euro im Jahr, der gilt allerdings nur für Familien in privaten Haushalten. „Es wird immer über eine kinderfreundliche Stadt geredet, aber getan wird wenig“, sagt Darigh. Einen Windelbonus von bis zu 50 Euro pro Jahr gewähren viele Kommunen. Ein Angebot, das sich auch an Familien mit Angehörigen richtet, die an Inkontinenz leiden. In Saarbrücken wird der Windelbonus ab 2012 rückwirkend für das laufende Jahr gezahlt. Den Bonus von 25 Euro hält Esther Rieder aus Saarbrücken, Mutter eines 15 Monate alten Jungen, für einen Witz, im Vergleich zu dem, was ihrer Meinung nach wirklich anfällt. Rieders Rechnung: Sieben Kilo Windelmüll kommen jede Woche zusammen, also 28 Kilo im Monat und das sei doppelt so viel wie ihr eigentlicher Restmüll ausmacht. Rieder glaubt, am Ende des Jahres wenigstens 120 Euro drauf zahlen zu müssen.

"Gebührensystem ist eine Bestrafung für Familien"

Heribert Gisch, Geschäftsführer des Entsorgungsverbandes Saar (EVS), hält diese Situation für alternativlos. Bei der Festlegung der neuen Gebührenordnung habe es keine Alternative für Familien mit Windelkindern oder aber auch für Menschen, die an Inkontinenz leiden, gegeben. „Das Gebührenrecht sieht keinen Sozialfaktor vor“, so Gisch. Auch das alte Gebührensystem habe die Gruppe von Betroffenen benachteiligt. Ordnungspolitisch gesehen seien diese Kosten über das Kindergeld oder den Kinderfreibetrag abgegolten. Mutter Esther Rieder lässt die Erklärung nicht gelten: „Dieses Gebührensystem ist eine Bestrafung für Familien“, schimpft sie.

Sie befürchtet, dass sich darüber hinaus das öffentliche Leben für Familien mit Kleinkindern verteuert, wie das Beispiel des Familiencafés zeige, das sie öfters besucht. Dass die Café- Besitzerin auf die Gebührenerhöhung mit einer Entsorgungspauschale reagierte, dafür hat Rieder Verständnis. „Sie bekommt keinen Zuschuss und das ist nicht richtig“, sagt sie. Anja Müller hat ähnliche Probleme mit dem neuen Müllsystem. Müller bietet unter anderem bei der Praxis für Familie und Gesundheit in Saarbrücken Kurse für Krabbelkinder an. „Der Müll bei uns besteht zu 98 Prozent aus Windeln“, sagt sie. Sie bittet die Eltern, die vollen Windeln mit nach Hause zu nehmen. „Eine stinkende Windel mitzunehmen ist unangenehm“, sagt sie. Die Maßnahme sei nur als Übergangslösung gedacht.

Ob sie die Kursgebühren anhebt, will sie von der Halbjahresabrechnung abhängig machen. Die neue Gebührenordnung findet die Therapeutin nicht in Ordnung. Den Windelbonus hält auch sie für lächerlich. „Familien mit geringem Einkommen werden hier zusätzlich bestraft“, sagt sie. Sie befürchtet auch, Eltern könnten Druck auf ihre Kinder ausüben, schneller sauber zu werden. Zudem könne die illegale Entsorgung zunehmen.

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