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Müller und Lafontaine: Wort-Duell in der IHK

  Saarbrücken. Ludwig und Christel Müller, Vater und Stiefmutter des Ministerpräsidenten, nehmen als Erste im überfüllten Sitzungssaal der Industrie- und Handelskammer (IHK) Platz. Über 300 Interessenten wollen das Streitgespräch verfolgen zwischen Ministerpräsident Peter Müller (CDU) und demjenigen, der ihn Ende August bei der Landtagswahl beerben und wieder an die Hebel der Macht will: Linken-Chef Oskar Lafontaine.

Das Medieninteresse ist riesengroß: Fernsehteams und Journalisten aus der gesamten Republik sind vertreten: von der ARD über Phoenix bis hin zu RTL. Obwohl eher öffentlichkeitsscheu, strahlt Christel Müller: „Wenn es möglich ist, sind wir bei Veranstaltungen meines Stiefsohnes dabei“, sagt sie unserer Zeitung. Vater Ludwig wünscht sich vor allem eine sachliche Diskussion mit dem politischen Kontrahenten Oskar Lafontaine. Die Gastgeber des Abends, die Familienunternehmer, haben etwas geschafft, was bisher keinem anderen im Wahlkampf so gelungen ist: Müller und Lafontaine in einem direkten Duell. Manfred und Wolfgang Herges als Mit-Organisatoren versichern, die Familienunternehmer agierten überparteilich. Deshalb sei es wohl eher gelungen, beide zum Streitgespräch zu bewegen.

Oskar Lafontaine erscheint als Erster: Punkt 18.50 Uhr. Er wirkt locker, gelassen: „Ich weiß, dass ich heute vor einem Publikum spreche, das nicht meines ist.“ Dennoch lächelt er, setzt noch eins drauf: „Sie brauchen doch nur hier bei der IHK aus dem Fenster zu schauen, dann können Sie meine Wirtschafts- und Strukturpolitik sehen.“ Auch Peter Müller wirkt gelassen. Er habe an diesem Abend eine gute Politik gegen eine schlechte zu verteidigen, sagt er.

Ein freundlicher Händedruck mit dem Kontrahenten, dann geht es los. Erwartungsgemäß streiten beide sofort um die Frage, wer sich welche Erfolge im Saarland zuschreiben darf. Der Ton bleibt trotz aller Unterschiede sachlich, fast ruhig. Dennoch schenken sich in der Sache beide nichts. So wirft Lafontaine Müller vor, das Groß-Kraftwerk-Projekt in Ensdorf in den Sand gesetzt zu haben. Die Landesregierung vernichte zudem ohne Not zahlreiche Arbeitsplätze in der Industrie, was auch das beschlossene Ende des Bergbaus zeige. Lafontaine hält diese Entscheidung für falsch.

Müller verteidigt das Ende des Bergbaus. Der Reichtum des Landes liege nicht mehr unter der Erde, sondern in den Köpfen der Menschen. Deshalb müsse man heute auf andere Wirtschaftsbereiche setzen. Die Erderschütterungen im Bergbau hätten zuletzt auch das Leben vieler Menschen gefährdet. Das sei nicht mehr zu verantworten. Müller glaubt zudem nicht, dass in der Energiewirtschaft an der Saar in den kommenden Jahren viele Arbeitsplätze entstehen werden. Das bleibe überschaubar. Man müsse sich auf die Weiterentwicklung der Autoindustrie, ihrer Zulieferer und weiterer Unternehmen in der Informationstechnologie (IT) konzentrieren. Lafontaine widerspricht: Insbesondere eine Konzentration auf erneuerbare Energien bringe neue Arbeitsplätze an der Saar. Eine vorausschauende Energiepolitik bleibe mit entscheidend für eine gute Zukunft des Saarlandes. So geht es munter weiter: von der Bildung über die Steuerpolitik bis hin zur Frage, wie man die Schulden des Landes senkt. Am Ende des Abends gibt es keinen erkennbaren Sieger. Beide punkten jeweils in Einzelthemen. Insgesamt wenig Neues. Aber nett war`s. Und beide gingen fast so entspannt miteinander um wie bei einem Kaffeeklatsch. Thomas Sponticcia  
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