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Museum wird immer teurer

Saarbrücken. Nun ist es kein Gerücht mehr: Der Museums-Neubau der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz (Vierter Pavillon) wird mindestens 30 Millionen Euro teuer. Das ist die Zahl, die Interims-Vorstand Meinrad Maria Grewenig gestern dem Kulturausschuss des Landtages mitteilte. Die Landesregierung hatte zuletzt 25 Millionen Euro als Baukosten genannt – nach mehreren kräftigen Sprüngen, die einst bei einem Neun-Millionen-Euro-Ursprungs-Level begannen.

Welche Gründe gibt es für die Steigerung? Grewenig nannte gestern Umplanungen, weil Räumlichkeiten den Voraussetzungen für ein Museum nicht entsprächen, nicht kalkulierte Bau-Nebenkosten wie Umfeldgestaltungs-Kosten, lückenhafte Planungen für die technische Ausstattung (Licht, Smartphone-Vorrichtung) sowie Doppelbeauftragungen von Firmen, die zu Regressansprüchen führten. Auch rechnet Grewenig mit Zusatzkosten durch Rechtsstreitigkeiten, etwa mit dem Projektplaner, dessen Vertrag die Stiftung einseitig gekündigt hat. Dieser habe nicht geschlampt – das setze Fahrlässigkeit voraus –, sondern sei offensichtlich mit der Aufgabe überfordert gewesen, sagte Grewenig vor dem Ausschuss.

„30 Millionen ist eine Tendenzzahl“, sagte er anschließend der SZ. Das „Finanzdelta“ sei erst in drei, vier Wochen korrekt zu beziffern, wenn das mit einer Bestandsaufnahme beauftragte Büro seinen Bericht vorlege. Grewenig wies den Verdacht von sich, er selbst sei durch optimierende Eingriffe in die Vor-Planungen seines suspendierten Vorgängers Ralph Melcher ebenfalls für Mehrkosten verantwortlich: „Durch meine Veränderungswünsche ergeben sich marginale Summen. Wir füllen lediglich Planungslücken.“ Grewenig hob noch einmal hervor, dass bereits jetzt, in der Rohbauphase, alle durch den Haushalt gedeckten Mittel verausgabt seien. Trotzdem bemühe er sich, ein achtbares, zukunftsfähiges Museum zu gestalten. Womöglich, so Grewenig, werde man Ende 2012 „in Tranchen“ eröffnen, also Neubau und Moderne Galerie nacheinander.  Zudem verwies er auf die gewachsene Dimension des neuen Hauses: Den Mehrkosten stünde ein „Gegenwert“ gegenüber. Statt der 2700 Quadratmeter Fläche, wie von twoo Architekten vorgesehen, würden 4700 realisiert.  So ergebe sich annähernd eine Verdoppelung der Modernen Galerie, die oberirdisch rund 4300 Quadratmeter misst. Grewenig wirbt für einen politischen Konsens: „Verträge sind geschlossen, die Kostenexplosion können wir nicht ungeschehen machen. Wir alle müssen das Finanzdelta tragen und sollten, statt Fehler zu addieren, zusammenstehen.“

Derweil nahmen SPD und Linke die Ausschuss-Sitzung zum Anlass, erneut „Fehlplanung, Misswirtschaft und Günstlingswirtschaft“ anzuprangern. Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Isolde Ries kritisierte gegenüber der SZ die „Untätigkeit“ der Landesregierung. Ebenso die kulturpolitische Sprecherin der Linken, Barbara Spaniol: Der Landesrechnungshof habe bereits vor Monaten den Projektsteuerer als Fehlbesetzung angesehen. Damals hätte man schon die Reißleine ziehen können, erklärte Spaniol.

Derweil mehren sich im Land Stimmen, die weniger die Kostenexplosion beklagen als die angeblich schüttere architektonische Qualität des Baus. Das Saarland investiere 30 Millionen in den fünften Wettbewerbspreis eines Nobody-Büros, hört man, während sich andere Städte für dasselbe Geld Weltklasse-Leute geholt hätten: Baden-Baden etwa Richard Meier, Herford Frank Gehry.

Meinung
Skandalös verpasste Chance
Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus


Die 30 Millionen lösen einen Schock aus. Und der muss erst bewältigt sein, bevor es zu dem kommen kann, wofür Grewenig wirbt: die ins Positive gewendete Bewältigung eines Riesen-Problems. Was heißt: Der Weiterbau muss jetzt so erfolgen, dass auch tatsächlich ein Kultur-Gewinn über Generationen erfolgt. Ansonsten müsste jetzt der Ruf nach einem Baustopp oder einem Abriss ertönen, was einer vorsätzlichen Vernichtung von rund 20 Millionen Euro Steuergeld gleich käme. Wer kann das wollen? Gleichwohl darf man zornig sein. Auf eine vertane Chance. Mit 30 Millionen Euro hätte man ein wirklich herausragendes Gebäude planen können und nicht den schlichten Kubus, der hinter dem Bauzaun sichtbar ist.
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