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Musik-Spektakel in der Völklinger Hütte: 10.000 Menschen feiern beim Electro Magnetic-Festival

Spektakuläre Licht- und Videoinstallationen auf der wabenartigen Projektionsfläche an der Hauptbühne.

Spektakuläre Licht- und Videoinstallationen auf der wabenartigen Projektionsfläche an der Hauptbühne.

Vor der Bühne unter den bunten Kronleuchtern am Schrägaufzug hüpft ein Pappschild auf und nieder. „Jawoll, immer weida!“ steht drauf. Bässe wummern in der Magengegend. Gut gelaunte Menschen überall. Eins, zwei, eins, zwei schiebt sich die Menge auf die Tanzfläche, um zu den neuesten Tracks angesagter DJs aus Berlin zu tanzen. Immer wieder hat man irre Ausblicke auf ausgelassen feiernde Menschen in rostiger, bunt beleuchteter Stahlkulisse, denn das Industriedenkmal ist eben kein platter Festival-Platz, sondern ein geheimnisvolles Labyrinth aus Stahl und Eisen mit unzähligen Nischen, dunklen Ecken, Treppen und Plattformen. Übers Schrottgleis geht es weiter, immer weiter zum nächsten Dancefloor, einem von insgesamt fünf.

 



Erfahrene Raver sieht man mit Ohrstöpseln. Das lindert den Schmerz und man hält es damit auch direkt vor den Boxen aus. Reicht ja, wenn die Bässe in den Bauch fahren – alles vibriert, zappelt, dröhnt. Es ist, als hätte man die Hütte nach 25 Jahren wieder hochgefahren. Eins, zwei, eins, zwei . . . der Rhythmus bleibt angenehm monoton – die Masse bewegt sich harmonisch dazu. Entspannt und entspannend zugleich. Immer weida, immer weida, Jawoll! Wir lassen uns mit der Menge in Richtung Erzplatz treiben, dort wo die Top Acts auftreten. Es ist gegen 22 Uhr. Ein fantastisches Zwielicht legt sich über die Hütte. „Bunte Farben“ legt dort auf, es regnet bunte Papierschlangen, Lichtbänder krabbeln den Hochofen am Erzplatz hoch. Die Laser-Show beginnt. Schnell wird es voll, sehr voll. Eins, zwei, eins, zwei, bummbummbumm . . . Die verspiegelten Sonnenbrillen braucht man jetzt eigentlich nicht mehr, aber sie gehören genauso dazu wie die Plastik-Blumenkränze, die viele junge Frauen im Haar tragen. Ein bisschen Woodstock – ohne Worte, weitestgehend. Hier wird nicht gequatscht und getextet wie es die Rapper beim HipHop-Festival tags zuvor ohne Luft zu holen taten. Im Gegenteil: Die Kommunikation ist auf das Allernötigste reduziert, Beats und Bässe statt Schlagworte. Nicht denken, nicht reden, nur bewegen, zappeln, wippen. Eins, zwei, eins, zwei, weida, immer weida feiert sich die Masse selbst – das Leben, die Liebe, Sorglosigkeit. „Electro Magnetic“, ein Baby des Püttlinger Konzertveranstalters Thilo Ziegler, ist ein Fest für die Sinne, eine riesige Party von Hedonisten – meist Mitte Zwanzig –, die sich hier ganz bewusst einer komplexen, komplizierten, gewalttätigen Welt entziehen. Sorglos-nihilistische Techno-Kultur als Gegenprogramm zu Problem-HipHop. Konfetti statt Konfliktbewältigung.

 



Eins, zwei, eins, zwei . . . Arm hoch, Handy raus. Mal filmen – und teilen. Seht her, die Welt ist schön, die Welt ist bunt. Wer mittendrin ist, gehört vermeintlich dazu. Noch einen Gin-Tonic drauf. Wem der Alkohol auf dem Festival zu teuer ist, hat sich möglicherweise schon in der Einlasswarteschlange betrunken. Hier und da duftet es aromatisch nach Cannabis . . . Drogen sind hier ohne Zweifel unterwegs, Ausfälle aber zumindest nicht sehr wahrnehmbar. Gegen Mitternacht sitzen viele aus dem Techno-Volk zum Verschnaufen im Schotter an den Laufwegen. Die VIPs auf der Terrasse am Erzplatz können es sich auf Klappliegen bequem machen – und haben noch dazu eine tolle Aussicht auf die Hauptbühne.

 



Um halb Drei morgens dann endlich der Top Act: Robin Schulz, der vergangenes Jahr kurzfristig absagen musste, legt auf. Die doch sichtlich ermüdete Menge reißt er immer wieder aus ihrer Lethargie. Eins, zwei, eins zwei. Arme wieder hoch . . . Ein Top-Hit jagt den nächsten. Und endlich gibt es auch mal was zum Mitsingen. Denn Schulz arbeitet mit Text, mischt Pop-und Rockklassiker mit Techno-Beats, eine unwiderstehliche Mischung. Eins, zwei, eins, zwei bewegen wir uns wippend und mit dröhnenden Köpfen gegen vier Uhr zum Ausgang. In der Hütte geht die Party derweil weiter. Weida, immer weida. Jawoll!




 

Die Hütte bebt

Zweites Urban Art HipHop-Festival mit rund 7000 Besuchern


Von SZ-Mitarbeiter David Lemm


Die zweite Runde des Urban Art-Festivals überzeugte mit aktuellem deutschen HipHop – auch aus der Region. Das junge Publikum feierte am Freitag bis in die Nacht bei lauen Temperaturen in der Völklinger Hütte.

In der Handwerkergasse geht es hoch her. Auf der Bühne liefern sich saarländische Rapper mit so klangvollen Namen wie Johnny Darko, Skureal und Authentix ausgefeilte Wortgefechte. Bei der so genannten Rap-Battle treten zwei Kontrahenten gegeneinander an, um sich mit Worten zu beharken. Ziel ist es, den Gegner mit ausgefallenen und witzigen Textzeilen (Punchlines) zu treffen. Das Publikum entscheidet und der DJ liefert den Sound für das Duell.

 



An diesem sonnigen Nachmittag ist das zur Freude des überwiegend jüngeren Publikums garantiert nicht immer jugend- und gewaltfrei. Für „deine Mutter bekommt nicht mal Mindestlohn“, gibt es viel Szenenapplaus. Auch von den vielen 14-und 15-Jährigen, die eben nur mit „Muttizettel“ das Festival besuchen dürfen. Auch die immer wieder unterstellten sexuellen Beziehungen mit Familienangehörigen, werden fleißig beklatscht. Das Finale gewinnt Skureal, der mit tiefer Stimme und rauen Texten den vorderen Teil der Menge für sich begeistert. Dagegen ist der hintere Teil eindeutig für Johnny Darko, der mit kühnem Wortwitz das präpotente Gehabe seines Gegners aufs Korn nimmt – und dennoch denkbar knapp verliert.

 



Am Schrottgleis beeindrucken die beiden saarländischen Breakdance-Formationen „The Fusion“ (Mädchen) und „B-Boys-KingSize“ (Jungs) mit ihren artistischen Einlagen die dort versammelte Menge. Obwohl lediglich eine ausgebreitete Plastikmatte die Tänzer vor dem steinigen Untergrund schützt, gibt es wagemutige Salti und Handstandüberschläge zu bestaunen. Von der Hauptbühne schallt es unterdessen „Schützt die Dealer“. Die Saarbrücker Hiphop-Kombo „2 Zimmer Gefüge“ setzt auf die bewährte Gangsta-Pose. Ebenso die Magdeburger von „Plusmacher“, die sich als sympathisch-tiefenentspannte Waffenträger auf der Straße inszenieren. Und dafür mit den typischen ausgestreckten Armen vom textsicheren Publikum gefeiert werden. Dass es im HipHop-Zirkus anscheinend auch einen Sinn jenseits von Macht, Gewalt und Sex gibt, beweisen die Auftritte von Motrip und Megaloh, die beide die Grenzen der Sprache jenseits der Klischees auszuloten wissen.

 



Höhepunkt ist der Auftritt von „K.I.Z.“. Die Berliner werden ihrem Ruf als einer der besten Live Acts absolut gerecht, bringen das Industriedenkmal zum kollektiven Beben. Obendrein gibt's Konfetti aus der Kanone und eine ausgefeilte Licht- und Pyroshow, die das Areal in eine riesige Freiraum-Disko verwandelt. Um Mitternacht singt die Menge zum Abschluss: „Hurra, diese Welt geht unter“. Es lebe die Hütte!  
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