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Musikfestspiele Saar 2013: Das kommt

Sharon Kam (links oben), Gerd Albrecht  mit der Deutschen Radio-Philharmonie (links unten), Peter Maffay (rechts unten) , Chanson-Grande Dame Ute Lemper (rechts oben) - und noch drei weitere Pop-Knaller werden laut Organisator Robert Leonardy bei den Musikfestspielen Saar 2013 mit dabei sein.

Sharon Kam (links oben), Gerd Albrecht mit der Deutschen Radio-Philharmonie (links unten), Peter Maffay (rechts unten) , Chanson-Grande Dame Ute Lemper (rechts oben) - und noch drei weitere Pop-Knaller werden laut Organisator Robert Leonardy bei den Musikfestspielen Saar 2013 mit dabei sein.

Saarbrücken. Ja, ist das jetzt tatsächlich noch ein Klassikfestival? Peter Maffay und die Scorpions, Chanson-Grande Dame Ute Lemper – und noch drei weitere Pop-Knaller, die Musikfestspiel-Chef Robert Leonardy gestern zur Programmvorstellung noch nicht zünden wollte; die Tinte unter den Verträgen trocknet noch. So poppig jedenfalls waren die Saar-Festspiele noch nie wie in der 2013-Edition, die frankophil „Bonjour Deutschland!“ grüßt und vom 20. April bis 2. August dauert. Exklusive eines frühen Vorspiels: Die Berliner Philharmoniker sind bereits am 12. Januar im Saarbrücker E-Werk zu Gast. Was für ein Paukenschlag zu Beginn!

Nur, was kann danach noch kommen? So viel Saarländisches wie noch nie. Das Collegium Vocale Blieskastel etwa, das Ensemble 83, der Saarbrücker Oratorienchor, der Landesjugendchor, eine Lesung von Alfred Gulden (mit eigenen Texten und welchen von Ludwig Harig im Merziger Fellenberg- Museum) und sogar Kabarettist Detlev Schönauer. So viel Pop und Heimisches irritiert dann schon – just, wenn man das Mutterland der Klassik zum Nationenmotto kürt. Und war es bislang doch Leonardys Maxime, Spitzenqualität von draußen zu holen. Diesmal aber, sagt Leonardy, wolle er bewusst zeigen, was es „Hervorragendes im Saarland gibt, und das auch via Festival nach außen tragen“. Schön, schön. Dass sich das Gewicht bei insgesamt rund 30 Veranstaltungen (davon etwa die Hälfte mit stark regionalem Anteil) zu sehr ins Land verschieben könnte, fürchtet Leonardy nicht. Doch bestünde nicht die Möglichkeit, dass sich das Publikum rar macht, weil es Ensembles sind, die dennoch ihre normalen Konzerte hier auf dem Jahresplan haben? Die Chöre und Orchester setzten sich für das Festival „besondere Herausforderungen“, entgegnet der nimmermüde 72-Jährige.

Wenn sich beispielsweise der Oratorienchor Saarbrücken des „Moses“-Oratoriums von Max Bruch – genau, der mit dem berühmten Violinkonzert und was noch? – annimmt, darf man das Außergewöhnliche in der Region erwarten. Genauso wie bei der Aufführung des Klarinettenkonzerts Philipp Jakob Riottes mit der israelischen Solistin Sharon Kam. Der St. Wendeler Komponist war ein Zeitgenosse Beethovens und damals ein Großer, wenn auch heute fast vergessen.

Auch die Landeskunstausstellung im kommenden Jahr umarmt der höchst vernetzungsfreudige Festspielmacher. Man plane gemeinsame Aktionen, sagt Leonardy. Der SR, ohnehin Gesellschafter der Festival-gGmbH, ist natürlich mit seinem Orchester auch dabei. Kapellmeister-Legende Gerd Albrecht wird mit der DRP Brahms’ vierte Sinfonie auflegen – der eigentliche Festivalstarter am 20. April. Und SR-Moderator und Countertenor Roland Kunz steuert sein „Meister Eckhardt“-Oratorium bei, Seite an Seite mit Counter- Star Andreas Scholl.

Doch nochmal retour zu den rüstigen Rockern, die Leonardy wohl als nicht ganz ernst gemeinten Versuch der Musikfestspiele vorstellte, „ein jugendlicheres Publikum zu gewinnen“. Wie das? Deutschrocker Maffay ist schließlich bloß noch vier Jahre von der Rente mit 67 entfernt. Und die hannoverschen Altmetaller Scorpions wissen wohl mittlerweile selbst nicht mehr, das wievielte „letzte“ Konzert sie spielen. Auf jeden Fall dürften sie Garanten voller Hallen sein, meint Leonardy.

Und sie stehen auch für den Kurs des Festivals weg von reinen Klassik- Spielen hin zu einem Musiksommer, der möglichst viele im Land ansprechen soll. Für das – im guten Sinne – Populäre steht auch, dass Marguerite Donlon mit ihrer Company eigens ein Tanzwerk fürs Festival kreiert. Auf die Musik von Beethovens Oratorium „Christus am Ölberg“. Am 7. Juli wird es in der Alten Schmelz in St. Ingbert uraufgeführt (mit dem Münchner Bach-Chor und Orchester). Die Balletchefin des Staatstheaters freut sich da insbesondere auf die alte Industriehalle. Da gebe es, so Donlon, für die Tänzer auch Möglichkeiten zu klettern, einen Parcours durchs Publikum zu legen. Da kündigt sich wohl eines der attraktivsten Projekte des Festivals an.

Dessen klassische Bedeutung vor allem von den großen Orchester kommt. Eben mit den Berliner Philharmonikern und Riccardo Chailly am Pult. Sie verstehen ihren Auftritt in Saarbrücken auch als Solidaritätsadresse mit dem Förderverein Saarphilharmonie, der im E-Werk einen Konzertsaal implantieren will, sagt Leonardy. Fast hätte man dieses Konzert nach Luxemburg verlegen müssen, weil das Spitzenorchester akustische Bedenken beim E-Werk bekam. Ein Brief von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer an die Berliner und akustische Maßnahmen in der Halle hätten die Berliner aber umgestimmt.

Weitere Orchester-Höhepunkte: Am 2. August gastiert das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks mit Dirigent Mariss Jansons ebenfalls im E-Werk. Das WDR-Orchester unter Marek Janowski wird im Wagner-Jahr – logisch – reichlich Wagner spielen.

Gute zwei Millionen Euro beträgt der Festival-Etat diesmal, ähnlich hoch wie 2011. Die Hälfte soll aus Eintrittserlösen kommen, so Leonardy, die andere Hälfte sind Sponsorengelder und Fördermittel (das Land gibt alle zwei Jahre 300 000 Euro). Das Geld von der Landesregierung werde übrigens „bestens verzinst“, meint der Festspielchef. Rund 650 000 Euro aus der Festivalkasse gingen diesmal an Ensembles und Künstler in der Region. Ganz zu schweigen von der schönsten Rendite der Musikfestspiele: den Konzerten, die ab 12. Januar 2013 anstehen.

AUF EINEN BLICK

Die Musikfestspiele Saar laufen vom 20. April bis 2. August 2013. Den Prolog spielen die Berliner Philharmoniker am 12. Januar im Saarbrücker E-Werk. Das Eröffnungskonzert bestreitet die DRP am 20. April in der Congresshalle. Peter Maffay gastiert am 12. Mai in der Saarlandhalle, die Scorpions am 17. und 18. Mai im St. Wendeler Bosenbachstadion. Ute Lemper gastiert am 27. Juni in der Merziger Stadthalle. Symphonieorchester und Chor des BR beschließen das Festival am 2. August im E-Werk. Zunächst haben Förderer der Festspiele Gelegenheit, Karten zu kaufen. Am 5. November startet der allgemeine Vorverkauf. Karten unter Tel. (06 81) 97 61 00. Infos im Internet: www.musikfestspiele-saar.de

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