A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis AS Saarlouis-Mitte Baustelle, Ausfahrt gesperrt bis 22.12.2017 16:00 Uhr (13.11.2017, 11:43)

A620

Priorität: Dringend

10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Mutmaßlicher Wallerfanger Heckenschütze muss 13 Jahre in Haft

Der Angeklagte (Mitte) bestreitet, auf den Polizisten geschossen zu haben.

Der Angeklagte (Mitte) bestreitet, auf den Polizisten geschossen zu haben.



Saarbrücken. Genau acht Jahre nach dem heimtückischen Angriff auf einen Polizisten bei einer Verkehrskontrolle in Wallerfangen hat das Landgericht gestern den mutmaßlichen Täter wegen versuchten Mordes zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Am Ende des zweimonatigen Strafprozesses waren die Richter überzeugt, dass der heute 44 Jahre Schrotthändler in der Nacht des 4. Februars 2005 aus Hass auf die Polizei von einem Waldstück aus mit einem Kleinkalibergewehr auf einen Polizeioberkommissar geschossen hatte, der gerade mit Kollegen mehrere Autos kontrollierte.

Der Beamte wurde von einer Bleikugel des Kalibers 22 im Rücken getroffen und schwer verletzt. Der Angeklagte muss dem 55-Jährigen deshalb nun 50 000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der mutmaßliche Heckenschütze und seine Verteidiger werden gegen dieses Urteil, das den Anträgen von Oberstaatsanwalt und Opferanwalt entspricht, Revision einlegen. Die Anwälte hatten Freispruch gefordert und in ihren Schlussplädoyers zwar ausdrücklich den heimtückischen Angriff auf den Polizisten verurteilt, aber gleichzeitig betont: Sie seien überzeugt, „dass der Angeklagte nicht der Heckenschütze ist“.

Und: „Dass der tatsächliche Heckenschütze noch nicht gefunden wurde und noch frei draußen herumläuft.“ Dieser Sichtweise folgte das Schwurgericht nicht. Sein Urteil: „Der Angeklagte hat die Tat begangen.“ Begründung: Der 44-Jährige sei am frühen Abend jenes Tages in Polizeigewahrsam genommen worden, weil er auf einer Faschingsfeier randaliert habe. Dabei habe er den Beamten gedroht, dass sie dies noch bereuen würden. Stunden später sei der Mann entlassen worden und mit dem Taxi nach Hause gefahren. Unterwegs habe er auf die Polizei geschimpft. Das Schimpfen sei richtig heftig geworden, als er auf dem Heimweg die Verkehrskontrolle sah. Zu Hause habe der Waffennarr ein Kleinkalibergewehr geholt. Mit der Waffe in der Hand habe er sich in der Küche mit seiner Frau gestritten.

Dabei habe sich ein Schuss gelöst, der in den Kamin ging. „Papa, erschieß’ nicht die Mama“, habe die neunjährige Tochter des Paares gesagt, die wach geworden war und auf der Treppe stand. Darauf sei der Mann mit der Waffe aus dem Haus gegangen. Nach seiner Aussage setzte er sich ins Auto und schlief ein, bevor er später die Waffe wegwarf. Das Gericht war anderer Ansicht. Danach ging der Mann in das Waldstück und schoss den Polizisten nieder, den er nicht kannte und der noch nie mit ihm zu tun hatte. „Er wollte die Institution Polizei treffen“, so die Richter. Tags darauf hörte die Frau des Angeklagten von dem Heckenschützen im Radio. Darauf sagte der 44-Jährige zu ihr, dass ihm die Sache Leid tue, dass er sie aber nicht mehr rückgängig machen könne.

Die Frau schloss daraus, dass ihr Mann auf den Polizisten geschossen habe. Aber sie behielt dies über Jahre und bis zur Trennung des Paares für sich, gab ihrem Mann sogar lange Zeit ein Alibi für die Tatzeit. Der Angeklagte dagegen betont bis heute: Er habe seine Entschuldigung am Morgen nach der Tat auf seinen Schuss in den Kamin bezogen. Mit dem Schuss auf den Polizisten habe er nichts zu tun.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein