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Mysteriös: Grabdiebe suchen Dudweiler Grab immer wieder heim

Dudweiler. „Ich gehe nur noch mit dem Handy auf den Friedhof.“ Das sagt Anneliese Neu. Gemeinsam mit ihrer Tochter Susanne Rupp hat die Seniorin diese Woche die SZ-Redaktion aufgesucht – aus einem triftigen Grund. Der 74-jährigen Frau aus Dudweiler ist gar nicht wohl in ihrer Haut. Sie ist unruhig und grübelt ein ums andere Mal nach – über mysteriöse Geschehnisse, die sie und ihre Familie belasten.
Es war vor 15 Jahren, als ihr Mann Erhard zu Grabe getragen wurde. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Gottesacker an der Neuweiler Straße, in Feld 26, im oberen Bereich gleich unterhalb der Wasserstelle.

In den Grabstein ließ Anneliese Neu vom Steinmetz eine Einbuchtung machen. Dort hinein kam passgenau eine schöne und wertvolle Figur aus Bronze: eine Gottesmutter mit Kind. Erhard Neu hatte sie zu Lebezeiten geschenkt bekommen. Doch die Figur war schon kurze Zeit später verschwunden. Was Anneliese Neu gefühlsmäßig sehr mitnahm. Doch bei diesem Ereignis sollte es nicht bleiben. Gespenstischerweise verschwand in den 15 Jahren seit der Beerdigung des Ehemannes alles, was Anneliese Neu aufs Grab gestellt hat. Üppige Gestecke, Engelsfigürchen, kleine Blumenvasen – einfach alles. „Sie glauben gar nicht, was wir schon alles da hingestellt haben“, sagt Tochter Susanne und ihre Mutter nickt. Was allerdings beide Frauen sehr, sehr rätselhaft erscheint: Die Sachen werden nicht einfach gestohlen, sondern tauchen stets wieder auf – bis auf die verschwundene Gottesmutter aus Bronze. Auf anderen Gräbern, vor allem aber im Gebüsch rings umher landen sämtliche Gegenstände. „Einmal“, sagt die 74-jährige Witwe, ,,habe ich nach einem Jahr den Jesus am Kreuz wieder gefunden, der auf dem Grab lag – er schaute aus einer Hecke heraus.“ Noch heute läuft es Anneliese Neu eiskalt über den Rücken, wenn sie an diese Szene denkt.

Doch wer, um des Himmels Willen, tut so etwas? Wer vergreift sich am Grabschmuck einer Familie? Und vor allen Dingen: warum? Darüber können beide Frauen nur vage spekulieren. Einmal, so erzählt Susanne Rupp, sei auf dem Grab der Abdruck eines Schuhes deutlich zu erkennen gewesen. Kleine Größe, mit Absatz. Vielleicht steckt eine Frau dahinter? Niemand weiß es. Bisher. Denn viele Menschen, die um die seltsamen Geschehnisse rund um die Ruhestätte wissen, halten seit langem die Augen offen. Sie hoffen, jemanden zu erwischen, damit Anneliese Neu endlich erfährt, was das dreiste Versteckspiel denn soll.

Im Übrigen, so erzählen Mutter und Tochter, sei über Jahren immer an Allerheiligen eine Kerze auf das Grab des Verstorbenen gestellt worden – von Unbekannt. Auch in diesem Fall sind bisher keine brauchbaren Beobachtungen gemacht worden. Und so muss Anneliese Neu leben mit dem Gedanken an eine Person, die nicht nachvollziehbare Gründe hat für das, was sie tut. In fünf Jahren, sagt die Witwe, werde das Grab eingeebnet – „diese Zeit stehe ich auch noch durch.“ Die Bronzefigur, die zu Anfang verschwand, ist übrigens später neu angefertigt worden. Weil ihr Verschwinden so schmerzlich war. Nun steht sie aber nicht mehr auf dem Grab, sondern zu Hause bei der Dudweiler Seniorin. Für die SZ-Fotografin hat Susanne Rupp sie ausnahmsweise mit auf den Friedhof genommen.
Anneliese Neu hofft noch immer, dass der Mensch gefunden wird, der sich so pietätlos, so schamlos verhält. Damit sie endlich zur Ruhe kommt. Und sich nicht mehr so aufregen muss.
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