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NK: Firma Treofan will 120 Stellen streichen

Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

Neunkirchen. Bein Neunkircher Folienhersteller Treofan sollen 120 der rund 600 Arbeitsplätze abgebaut werden. Das wurde der Belegschaft gestern mitgeteilt. Mit dieser Maßnahme soll der Standort „zukunftssicher gemacht werden“, sagte Treofan-Geschäftsführer Boris Trautmann gegenüber unserer Zeitung. Manche Erwartungen an neue Produkte und Produktionen hätten sich noch nicht erfüllt. So verzögere sich die Großserien-Fertigung von Folien, die in Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt werden sollen. Diese Batterieform gilt als Schlüssel-Technologie für das Elektro-Auto der Zukunft. Doch die Nachfrage nach solchen Autos „entwickelt sich nicht so, wie wir uns das anfangs vorgestellt haben“, sagt Trautmann. Es seien aber bereits zehn Millionen Euro in diese Fertigung investiert worden.

In anderen Bereichen seien Wettbewerber kostengünstiger. Bei den Folien für Zigarettenpackungen spürt Treofan nach Angaben des Geschäftsführers „stark die Konkurrenz aus Osteuropa“. Die Folien, die in Elektro-Kondensatoren eingebaut werden, müssten sich einer heftigen asiatischen Konkurrenz erwehren. Großen Marktdruck spüre man außerdem im Bereich Lebensmittel-Folien, mit denen vor allem Süßigkeiten (Kekse, Riegel oder Schokolade) verpackt werden. Hier kämen Wettbewerber mit spürbar weniger Personal aus. Trautmann sagte, „dass die Geschäftsführung den Standort langfristig auf wirtschaftlich gesunde Beine stellen will“. Neunkirchen sei das größte Werk der Treofan-Gruppe und dort sei auch die Produktentwicklung angesiedelt. Ein weiteres Werk befindet sich in Mexiko, zwei stehen in Italien.

Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG.BCE) und der Betriebsrat wollen „zunächst zusammen mit dem Saarbrücker Info-Institut die aktuelle wirtschaftliche Situation des Unternehmens prüfen, bevor wir über diesen Arbeitsplatz-Abbau verhandeln“, sagte gestern Gewerkschaftssekretär Ulrich Schacht gegenüber unserer Zeitung. Denn es existiere bereits seit einem Jahr eine Standortsicherungs-Vereinbarung, die Anfang 2012 in Kraft getreten und bis Ende 2017 gültig sei. Darin sei unter anderem vereinbart worden, dass die Mitarbeiter auf Entgelt verzichten müssen und dass die Arbeitszeit gekürzt werden kann. Dies zusammen bringe es mit sich, dass die Beschäftigten auf 9,1 Prozent ihres tariflichen Einkommens verzichten müssen, so Schacht.

„Ich wundere mich schon sehr darüber, dass Arbeitgeberseite jetzt schon wieder Sanierungsforderungen stellte, kaum dass die Tinte unter der bestehenden Standortsicherungs-Vereinbarung trocken war“, sagte Schacht. Denn die Geschäftsführung hätte bereits wieder im vergangenen Juli Gesprächsbedarf angemeldet.

Treofan war ursprüngliche eine Tochter der Saarbergwerke. Heute gehört die Gruppe mit rund 42 Prozent dem italienischen Private Equity Fonds Management & Capitali. Weitere Anteile halten der US-Fonds EBF und die US-Investmentbank Goldman & Sachs.

 
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