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Nabu: Im Saarland wird es nie mehr Wölfe geben

Saarlouis. Es ist der 1. Mai 1900, der Jakob Bohn einen Eintrag in die saarländischen Geschichtsbücher sichern wird. Der Jagdaufseher aus Wallerfangen ist an diesem Morgen in der Nähe von Lisdorf unterwegs, als vor ihm ein Wolf aus der Fichtenschonung trottet. Direkt vor Bohns Büchse. Der Jäger zögert nicht lange, drückt ab – und trifft. Weitere Details dieser Szene sind nicht überliefert, auch die Saarbrücker Zeitung berichtete mit keiner Silbe über diesen bis heute letzten Abschuss eines Wolfs im gesamten Rheinland.

Danach sollte Isegrim nur noch in Erzählungen auftauchen. Dabei waren die Gebiete an Saar und Mosel im 19. Jahrhundert geradezu berüchtigt für ihre Wolfsrudel. Französische Truppen bezeichneten die Saar-Region sogar als „Land der Wölfe“. Berichte aus dem 17. Jahrhundert erzählen davon, dass Bauern im Herrschaftsgebiet Dillingen nur mit Dreschflegeln und Gewehren bewaffnet aufs Feld durften – um gegen Wölfe gewappnet zu sein. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts ging es den Wölfen an den Kragen, zuerst unter französischer, später unter preußischer Herrschaft. Bis zum Jahr 1885 zahlte die preußische Regierung Prämien für jeden getöteten Wolf. Um 1875 bekam ein Jäger 36 Mark für eine erlegte Wölfin, 30 Mark für einen Wolf und 12 Mark für ein Jungtier. Ein für die Jäger lukrativer Nebenerwerb, der Wirkung zeigte: 2218 Wölfe wurden im Regierungsbezirk Trier binnen 84 Jahren zur Strecke gebracht, davon 278 allein im Kreis Saarlouis. Spätestens ab 1870 zählte der Wolf nicht mehr zum Standwild, nur vereinzelte Exemplare verirrten sich aus Frankreich in das Gebiet zwischen Metz, Trier und Saarbrücken. Auch das 1900 geschossene Tier war wohl ein solcher „Irrwolf“. Heute hört man sie allein Merziger Wolfspark heulen.

Eine neue Wolfspopulation ist hierzulande nicht absehbar – oder doch? Schließlich war jüngst in Rheinland-Pfalz eines der Tiere aufgetaucht. Und gleich von einem 71-jährigen Jäger erschossen worden, der den aus Italien stammenden Wolf für einen Hund hielt und jetzt mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen muss. Dass der Wolf auch im Saarland heimisch wird, ist utopisch, sagt Rudi Reiter vom Nabu Saar. Selbst wenn sich vereinzelte Wölfe bis hierher durchschlagen würden, „ist gar nicht sicher, dass die Tiere hier überleben würden“. Nicht so sehr wegen der Jäger, sondern wegen des Straßenverkehrs.

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