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Nabu gegen Bioerdgas-Anlage in Merzig-Fitten

Gegen eine Biogas-Anlage bei Merzig hat der Naturschutzbund Protest eingelegt. Das Projekt könne keine organischen Abfälle der Region nutzen. Vielmehr sei es auf den Anbau von energiereicher Biomasse angewiesen. Dadurch verkehre sich die Ökobilanz ins Negative, sagt der Nabu.

Merzig. Der Naturschutzbund Saar (Nabu) lehnt die geplante Bioerdgas-Anlage nahe der früheren Deponie des Entsorgungsverbands Saar (EVS) bei Merzig-Fitten ab. Wie Karl-Rudi Reiter, stellvertretender NABU-Landesvorsitzender, mitteilt, hat der Verband dies in einer Stellungnahme auch in das laufende Planungsverfahren für das Projekt eingebracht. Die Offenlegung der Planungen lief bis zum vergangenen Freitag, bis zu dieser Frist konnten Einwände dagegen vorgelegt werden.

Bewertungsgrundlage falsch

Der Naturschutzbund begründet seine ablehnende Haltung folgendermaßen: "Die geplante Biogasanlage ist nach Beurteilung der vorliegenden Planungsunterlagen keine nachhaltige regenerative Energienutzung im Sinne von CO2-neutraler Energieerzeugung sowie von erheblicher negativer Auswirkung auf die biologische Vielfalt (Biodiversität)."

Bei der Bewertung der Umweltwirkung sei nur die Fläche für die Baumaßnahme bewertet worden. Nicht beachtet worden seien hingegen die Landwirtschaftsflächen, die zur Versorgung der Anlage Biomasse zuliefern. "Die Betriebsflächen können nur im Gesamtzusammenhang mit den Produktionsflächen in ihrer Umweltwirkung bewertet werden", findet der Nabu.

Das in der Anwendung geplante Vergärungsverfahren sei für Gewinnoptimierung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausgelegt. Das Gärverfahren, das in der Anlage zum Einsatz kommen soll, erfordere energiereiche Biomasse in Form von Maissilage und Wiesengrünschnitt (Silage), um eine maximale Methanproduktion zu erzielen.

Organischer Abfall ungenutzt

Die Verwendung von Biomassen in Form von organischen Abfällen (Stroh, Mist, Grünschnitt, Grünabfälle sowie Klärschlamm) aus der Region sei hingegen hier aus technischen Gründen ausgeschlossen.

Die Versorgung der Anlage soll nach Berechnungen des Nabu mit bis zu tausend Hektar Maisanbauflächen gewährleistet werden, ergänzt durch Grünschnitt aus intensiver Wiesennutzung. "Diese Biomassen sind nicht per se klimaneutral. Beim Maisanbau werden erhebliche Mengen von fossilem CO2 und auch Lachgas, das noch deutlich klimaschädlicher ist, infolge der Mineraldüngung freigesetzt." Je nach Bodenverhältnissen können beim Maisanbau mehrere Tonnen Kohlenstoff pro Hektar in einer Anbauphase freigesetzt werden. Der Nabu sieht das so: "Da durch den großflächigen Maisanbau diese Ackerflächen für Ernährung und Viehfutter-Beschaffung ausfallen, kommt es zwangsläufig zur Inanspruchnahme von Grünland." Grünlandflächen wie Blumenwiesen, Viehweiden, Pflegeflächen und Nasswiesen seien jedoch "sehr wichtige CO2-Senken zur Dauerbindung von Kohlenstoff".

Rückgang der Artenvielfalt

Ein weiterer Negativ-Effekt: Infolge der Futtermittelverknappung würden noch mehr Futtermittel aus Drittländern importiert. Für deren Anbau würden in tropischen Regionen große Urwälder vernichtet, die als unverzichtbare CO2-Senken verloren gingen. In der Region um Merzig bewirke der Maisanbau einen massiven Rückgang der Artenvielfalt, befürchtet der Verband. Die Maiskultur beeinträchtige die Landschaft und verursacht erhebliche Verluste in der biologischen Vielfalt.

Eine zustimmungsfähige Biogasproduktion muss aus Sicht des Nabu mehrere Kriterien erfüllen: So muss die eingesetzte Vergärungstechnik die Verwendung regionaler Bioabfallstoffe ermöglichen. Zudem dürfe der Maisanteil bei der eingesetzten Biomasse nicht höher als 20 Prozent liegen. Stattdessen solle Biomasse aus organischen Abfällen aus der Region zum Einsatz kommen, ebenso Grünmasse, die durch bodenschonende und der biologischen Vielfalt förderliche Anbauverfahren erzeugt wurde.

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