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Nach 114 Jahren: Kommt der Wolf ins Saarland zurück?

Wie jeden Morgen stand Sylvain Renaudin auch an jenem Morgen im April früh auf, um nach seinen Schafen zu sehen. Doch auf der Weide bot sich dem Bauern aus Nicey-sur-Aire im Département Meuse ein Bild des Grauens. Zehn tote Schafe, vier davon ausgewachsene Böcke – alle gerissen von einem Wolf.

Nun sind Angriffe von Wölfen auf Schafe und Ziegen in Frankreich längst keine Seltenheit mehr. Mehr als 5000 Attacken soll es laut französischen Schafzüchtern 2013 gegeben haben. Doch so weit in den Norden, nahe Metz und gerade einmal 100 Kilometer von der saarländischen Grenze, hatte sich bisher noch keiner der 250 bis 400 französischen Wölfe vorgewagt. Und die Population in Lothringen und im Elsass nimmt zu. Vergangenen September gab es in den Vogesen sogar die ersten Welpen. In ein bis zwei Jahren werden sie ihr Rudel wohl verlassen und sich ihr eigenes Revier suchen. Womöglich kommen sie auf ihrem Weg dorthin auch durchs Saarland, vermutet man im Umweltministerium. Einst galt das Land sogar als Paradies für Wölfe, französische Soldaten raunten ehrfürchtig vom mystischen „Land der Wölfe“ an der Saar. Doch mit Beginn des 20. Jahrhunderts war ihre Zeit abgelaufen. Am 1. Mai 1900 erschoss der Jagdaufseher Jakob Bohn nahe Lisdorf den letzten ihrer Art in ganz Südwestdeutschland. Jetzt, 114 Jahre später, scheint eine Rückkehr nur mehr eine Frage der Zeit.

Doch wie soll das dichtbesiedelte Saarland mit den Rückkehrern umgehen? Ein Blick nach Sachsen lohnt. Seit 2000 leben dort wieder Wölfe. Zehn Rudel mit rund 50 Tieren sollen es mittlerweile sein. Auch dort war die Aufregung anfangs groß, als die ersten Wölfe aus Polen in den Freistaat kamen. „Das lässt sich auch nicht vermeiden, wenn ein Raubtier in eine Kulturlandschaft einwandert“, sagt Helene Möslinger vom Kontaktbüro Wolfsregion in Görlitz: „Aber die Aufregung hat sich im Laufe der Zeit gelegt.“ Auch weil es seit 2004 das „Kontaktbüro für Informations- und Aufklärungsarbeit zum Thema Wolf“ gibt. Denn entscheidend sei, so Möslinger, „dass die Bevölkerung, aber auch die Tierhalter aufgeklärt werden“. Angriffe auf Schafe ließen sich nicht vermeiden – Wölfe sind nun einmal Raubtiere. Aber wenn die Behörden schon früh auf die Halter zugingen, könnten sie viele Missverständnisse und viel Ärger vermeiden. Das legen auch die Statistiken zur Zahl der gerissenen Schafe nahe. Die Zahl der Angriffe hat nicht in dem Maße zugenommen, in dem die Wolfspopulation wuchs. Auch weil Tierhalter ihre Herden längst mit Elektrozäunen sichern. Denn nur dann ersetzt ihnen das Land den Wert der gerissenen Schafe.

Dass sich der Wolf auch andernorts weiter ausbreitet, stehe außer Frage, erklärt Möslinger: „Grundsätzlich kann in ganz Deutschland jederzeit ein Wolf auftauchen.“ In Frankreich wandern die Wölfe aus den Alpen stetig gen Norden. Auch Richtung Saarland. Damit sich Wölfe dauerhaft an der Saar wohlfühlen, dazu sei das Land aber zu dicht besiedelt und habe zu viele Straßen. Einzelne Tiere könnten sich aber sehr wohl hierher verirren. „Wenn das Rudel keine Nahrung mehr findet, machen sich einzelne Wölfe als Kundschafter auf die Suche“, sagt Tatjana Schneider, die seit dem Tod von Werner Freund den Merziger Wolfspark leitet. Deshalb will das Umweltministerium die Rückkehr mit einem „geeigneten Wolfsmanagement begleiten“. Und die Bevölkerung aufklären: „Um unbegründeten Ängsten vorzubeugen und Tierhalter und Jäger auf die Ankunft des Wolfes vorzubereiten, ist eine Informationskampagne vorgesehen.“

Und wenn man doch einmal einem Wolf im Wald begegnen sollte? Tatjana Schneider hat eine einfache Grundregel: „Ruhig bleiben und keine hysterischen Bewegungen. Das reicht eigentlich schon. Der Wolf hat nämlich überhaupt kein Interesse an uns Menschen.“

Information scheint also der Schlüssel zum unaufgeregten Umgang mit dem Wolf zu sein. Auch, um Fälle wie 2012 in Rheinland-Pfalz zu vermeiden. Damals hatte ein 71-jähriger Jäger im Westerwald einen Wolf einfach erschossen. Es war der erste seit 120 Jahren.

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