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Nach Großbrand: Familie bald in neuem zu Hause

Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend: Sachspenden und Spendenaufrufe nehmen kein Ende. Mit so viel Unterstützung binnen kürzester Zeit hat eine Familiengruppe mit sechs Kindern nicht gerechnet. Sie musste wegen eines Feuers ihr zerstörtes Haus räumen.

Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend: Sachspenden und Spendenaufrufe nehmen kein Ende. Mit so viel Unterstützung binnen kürzester Zeit hat eine Familiengruppe mit sechs Kindern nicht gerechnet. Sie musste wegen eines Feuers ihr zerstörtes Haus räumen.

Tholey. Sie haben es sich, so gut es geht, in ihrer Übergangsbleibe behaglich gemacht. Seit dem Brand in ihrem Tholeyer Haus sind Dorothee Schneider-Schäfer und sechs Kinder im ehemaligen Sotzweiler Kindergarten untergebracht. Die Gemeinde hatte die Räume bereitgestellt, weil der Familiengruppe die Obdachlosigkeit drohte. Denn eine rasche Rückkehr ins von Flammen verwüstete Gebäude ist zurzeit nicht möglich (wir berichteten).

Sozialpädagogin Schneider-Schäfer, für die betroffenen Mädchen zwischen 16.Monaten und 16.Jahren verantwortlich, ist von der Hilfsbereitschaft überwältigt. Die 48-Jährige kann kaum in Worte fassen, wie großzügig sich die Menschen aus der Gemeinde um sie kümmern. Sogar darüber hinaus: Schneider-Schäfer: „Willi Maas vom Café Le Journal in St..Wendel hat uns den Erlös eines Konzerts mit einer Country-Band zur Verfügung gestellt.“ Und das sei nicht alles: „Er hat uns zum Essen eingeladen. Uns alle zum Pizza-Essen für nix“, kann es die Betreuerin der Familiengruppe noch immer nicht fassen. Restaurant-Chef Maas äußert sich zurückhaltend, wollte öffentlich mit dieser Hilfsaktion eigentlich gar nicht auftauchen. „Wir haben das nicht gemacht, damit Leute auf uns aufmerksam werden“, reagiert er erst auf SZ-Nachfrage. „Wir haben beim Konzert den Hut rumgehen lassen. Die Band Long Road aus Rodalben verzichtete auf einen Teil ihrer Gage. Dann haben wir noch was draufgelegt und kamen auf 300 Euro.“

Die Aktion soll keine Eintagsfliege sein.  Maas: „Am Samstag haben wir das wieder vor.“ Dann spielt die Saarbrücker Formation Die Konsorten in seinem St..Wendeler Lokal Taparia ab 19.Uhr. Ähnlich wie vergangenes Wochenende sollen die Besucher erneut um Spenden für die Brandopfer gebeten werden.
Zurück nach Sotzweiler: Direkt nach dem Unglück besuchten die Kleinen des Kindergartens Zwergenburg die Opfer in ihrem benachbarten Übergangsdomizil und brachten Spielzeug mit, berichtet Schäfer-Schneider. „Für unsere kleine Vivien kommt noch ein Kinderbett hinzu.“ Dem 16.Monate alten Pflegekind gehe wie der übrigen Truppe gut. „Sie hat sich sehr gut eingelebt“, berichtet die Betreuerin und lacht dabei, weil Vivien unterdessen zufrieden ihren Brei genießt.

Die Unterstützerliste wächst indes weiter. „Im Internet gibt es eine Gruppe, die für uns sammelt“, berichtet Schäfer-Schneider. Bislang seien 4000 Euro zusammen.
Das Geld können die Betroffenen dringend gebrauchen. Denn das eigene Haus soll renoviert werden. Dorothee Schäfer-Schneider gehört der Bau, der vom Dachgeschoss aus durch den Brand ruiniert wurde. „Die Sanierung wird bestimmt ein Dreivierteljahr dauern.“ Denn der Dachstuhl wurde zerstört, die Etage darunter schwer beschädigt. „Wenn wir jetzt schon investieren müssen, dann lasse ich das Dach auch richtig ausbauen“, kündigt die Hausherrin an. Dort waren bisher schon Zimmer für die Mädchen untergebracht, die in der Wohngruppe betreut werden. Was das kostet? Das stehe noch in den Sternen. Denn erstmal müssten sich Statiker und Architekt ein Bild von den Schäden machen.
Bis es so weit ist, ziehen die sechs Mädchen und ihre Mutti, wie sie Schäfer-Schneider liebevoll nennen, in ein Miethaus im Ortsteil Tholey. Das stellte eine Familie bereit, die nicht genannt werden will. Schon einen Tag nach dem Feuer hatte das Angebot im Rathaus vorgelegen, berichtet Bürgermeister Hermann Josef Schmidt.(CDU). Die künftige Bewohnerin Schäfer-Schneider: „Hier haben wir genug Platz. Die Küche ist sogar eingerichtet. Einen Wäschetrockner gibt es auch.“ Für all die bisher schon geleistete Hilfe sei sie überaus dankbar.

Hintergrund
Seit dem Wohnhausbrand am 6..Januar in Tholey kann die Familiengruppe ihr Haus nicht mehr bewohnen. Das Feuer war im Dachstuhl ausgebrochen, möglicherweise durch Unachtsamkeit beim Umgang mit offener Flamme.
Bei dem Unglück wurde ein Feuerwehrmann verletzt, der mit Rauchvergiftung ins Marienkrankenhaus nach St..Wendel kam. Den Bewohnern geschah nichts. Dabei handelt es sich um ein Wohngruppe, die von der Jugendhilfe betreut wird.
Dorothee Schäfer-Schneider.(48) ist die Leiterin. Die Sozialpädagogin lebte bis zu dem Zwischenfall mit ihrer Tochter Sophie.(16) sowie fünf Mädchen.(16.Monate bis 15.Jahre) in dem Haus zusammen, das ihr gehört. Die Pflegekinder stammen aus sozial benachteiligten Familien der Region, unter anderem aus Trier. hgn


Meinung

Einfach beispielhaft
Von SZ-Redakteur Matthias Zimmermann


Menschen müssen Menschen helfen, die in Not geraten sind. Erst recht, wenn sie unverschuldet in die Krise gerieten. Diese Aussage würden die meisten von uns unterschreiben, ohne lang zu überlegen. Doch Worten Taten folgen zu lassen, fällt vielen oftmals schwer. Warum auch immer: Ausflüchte sind mannigfaltig, in der Regel fadenscheinig.
In diesem Fall aber, bei dem eine Familiengruppe mit sechs Mädchen in Tholey nach einem Brand vor den Trümmern ihres Hauses steht, zeigt sich die Gemeinschaft solidarisch. Hilfe wird in einem derart großzügigen Maße geleistet, wie es sich die Betroffenen nicht zu träumen gewagt hätten. Solch eine Unterstützung ist leider nicht immer selbstverständlich, darum umso beispielhafter und lobenswerter.

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