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Nach Insolvenz: Viele Schlecker-Frauen haben wieder Jobs

„Mit diesen Fingernägeln kann beim Vorstellungsgespräch nächste Woche nichts schiefgehen“, sagt Petra Lydorf zu ihrer Kundin. Die Nageldesignerin weiß um die privaten Geschichten ihrer Kunden. Sie hat ihr langjähriges Hobby zum Beruf gemacht und ein eigenes Nagelstudio in Großrosseln eröffnet. Doch ganz freiwillig war der Schritt in die Selbstständigkeit nicht, denn Lydorf ist eine von insgesamt 281 sogenannten „Schlecker-Frauen“ im Saarland, die durch die Insolvenz der Kette ihren Job verloren haben.

Mit Tränen zur Arbeit

Elf Jahre lang arbeitete Lydorf in der Filiale in Dorf im Warndt. „Ich war eine Vollblut-Schlecker-Frau, habe meinen Job gerne gemacht“, betont sie. Doch dann blieben die Kunden aus, die Ware verkaufte sich nicht mehr. Gerüchte über die drohende Pleite zehrten an den Nerven der Mitarbeiter. „Wir wussten, was uns blüht. Ich bin nur noch mit Tränen in den Augen zur Arbeit“, so Lydorf. Mit der Insolvenz verlor sie nicht nur den Job, sondern auch die soziale Absicherung für die Familie; die Mutter zweier Kinder ist Alleinverdienerin, ihr Mann krankheitsbedingt in Rente. Auch andere Schlecker-Mitarbeiterinnen traf die Pleite schwer. Im Januar waren noch 145 von den 281 Betroffenen arbeitslos gemeldet, 94 Frauen hatten nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit zu dem Zeitpunkt wieder einen Job.

Die Nalbacher Gesellschaft für Personalmanagement im Strukturwandel (PiS) hatte im vergangenen Sommer im Auftrag des saarländischen Wirtschaftsministeriums und in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur ein auf ein Jahr angelegtes Modellprojekt begonnen – mit dem Ziel, die „Schlecker-Frauen“ wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Nach SZ-Information beteiligten sich daran 113 Frauen. 54 von ihnen konnten mit Hilfe der Arbeitsagentur vermittelt werden, zwölf lassen sich umschulen oder bilden sich anderweitig weiter. Damit ist das Gros der von der Schlecker-Pleite betroffenen Mitarbeiterinnen wieder berufstätig.

Zwei Frauen haben sich wie Lydorf selbstständig gemacht. Einfach sei dieser Weg nicht gewesen, sagt sie. Ein halbes Jahr wartete sie auf die Förderung von der Arbeitsagentur. „Die meinten, sie müssten erst einmal prüfen, ob das überhaupt geht, und haben mich stattdessen zu Vorstellungsgesprächen geschickt“, berichtet Lydorf. Bereut habe sie den Schritt aber bis heute nicht.

Auch für Hella Rittmeier-Rothfuchs war die Insolvenz nach 32 Jahren bei Schlecker „wie ein Schlag“. „Ich dachte, ich bleibe dort bis zu meiner Rente“, sagt sie. Doch dann eröffneten sich ihr schnell neue Möglichkeiten: Zwischen zwei Jobangeboten konnte sie wählen. So kam es, dass die ehemalige Leiterin der Schlecker-Filiale in Wadgassen nur zwei Wochen nach dem Ende von Schlecker im Juli 2012 die Leitung des Schuhgeschäfts Mühlenz in Saarlouis-Fraulautern übernahm. Für die 57-Jährige keine Selbstverständlichkeit: „Obwohl ich wusste, was ich kann, wusste ich auch, wie schwer es für Frauen in meinem Alter ist, einen neuen Job zu finden.“ Rittmeier-Rothfuchs fühlt sich wohl bei Mühlenz. „Anders als in der Schlecker-Filiale arbeitet man hier nie allein, das mag ich ganz besonders“, sagt sie.

Nicht alle ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen hatten so gute Voraussetzungen wie Lydorf und Rittmeier-Rothfuchs. Viele hatten nach der Insolvenz falsche Vorstellungen von der Arbeitswelt – etwa was das Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Gehalt betrifft. „Wir haben ihnen deutlich gemacht, dass ein sicherer Job wichtiger ist als die gleiche Bezahlung wie bei Schlecker zu bekommen“, sagt PiS-Geschäftsführer Theo Bilsdorfer. Das Integrationsprojekt sei deshalb erfolgreich verlaufen, weil alle Frauen den Willen gezeigt hätten, einen neuen Job anzunehmen.

Hintergrund

25.000 Beschäftigte verloren deutschlandweit durch die Pleite von Schlecker ihren Job. Im Saarland waren es 281 Mitarbeiterinnen. 39 Frauen waren zum Jahresbeginn in Rente, im Krankenschein oder Mutterschutz, so die statistische Bilanz der Arbeitsagentur. „Etwa 70 Prozent der Frauen, die wieder arbeiten, haben eine Stelle im Bereich Verkauf bekommen“, sagt Monika Serwe von der Arbeitsagentur in Saarbrücken.

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