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Nach Kritik: Saar-Uni überarbeitet Medizin-Studium

Was haben das älteste und das jüngste Fach der Saar-Uni gemeinsam? Es ist die ausgezeichnete Bewertung ihrer Forschungsleistungen im Bericht des Wissenschaftsrats zur saarländischen Hochschullandschaft. Doch darüber hinaus unterscheidet sich die Situation der Medizin, dem Oldie, erheblich von jener der Informatik, dem Youngster. Die Informatik, das Boom-Fach der Saar-Universität, erlebt seit Jahren eine beständige Expansion. Die Medizinische Fakultät lebe dagegen, so ihr Dekan Professor Michael Menger, im Grunde bereits unter dem Existenzminimum – jedoch eben nicht so weit, dass sie untergehe. Die Bemerkung ließe sich als interessengeleitete Äußerung eines Fachvertreters abtun, wäre da nicht wiederum dieses Gutachten des Wissenschaftsrats, das neben dem Lob der medizinischen Forschung auch eine Warnung vor weiteren Kürzungen in Homburg enthält. Bei unverändertem Leistungsspektrum könnten sie „letztlich den universitären Status des Standorts in Frage stellen“. Eine Möglichkeit, die für den Dekan der Medizin freilich nicht zur Debatte steht. Er handelt nach der Devise „Jammern bringt nichts“. Es gelte, das Beste aus der Lage zu machen.

Wie schwierig das werden kann, zeigt der Fall Zahnmedizin. Das Vier-Professoren-Fach ist, weil es mit zwei Dutzend Studienanfängern als zu klein eingestuft wurde und die Medizin schließlich auch ihren Beitrag zum Sparprogramm leisten müsse, als verzichtbar deklariert worden, so kürzlich der Generalsekretär des Wissenschaftsrats, Thomas May. Auf der anderen Seite lobt der Rat jedoch die zahnmedizinische Forschung als „erstaunlich“ und erhaltenswert. Ein Widerspruch für den Dekan. Denn bleibe die Forschung erhalten und die Kieferchirurgie, die für ein Uniklinikum verpflichtend ist, seien „die Möglichkeiten gering, hier zu sparen“. Die Zahnmedizin müsse aus Sicht der Fakultät bestehen bleiben, in jedem Fall aber deren Forschung.

Als „erstaunlich“ bewertet der Homburger Dekan seinerseits einen anderen Vorschlag des Gutachtens. Es hat eine „Kooperationsplattform Gesundheit“ im Saarland vorgeschlagen, deren Protagonisten in der Uni-Medizin und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) sitzen sollen. Die Kooperationen mit HTW-Professoren und Fachhochschulen in Rheinland-Pfalz seien zwar „extrem gut“, so Menger, und eine Akademisierung der Gesundheitsberufe sei „auch eine gute Idee“ – doch stelle sich hier sofort die Frage: Wer zahlt? „Wir können da nicht aktiv Geld hineinschieben.“ Die Fakultät werde nun mit der HTW über das Thema reden. „Wir haben da keine Berührungsängste.“

Einiges zu tun hat die Fakultät in jedem Fall an anderer Stelle. Nach der Statistik des Wissenschaftsrats liegen die Schwundquoten der Homburger Studenten über und ihre Prüfungsresultate seit mehreren Jahren unter dem Bundesschnitt. 2011 belegte die Fakultät im ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung Platz 21 und im zweiten Rang 33 von 36. Die Differenzen zu einem Dutzend weiterer Standorte sind mit ein bis zwei Prozent zwar minimal, doch über eine Position im unteren Drittel der Tabelle „kann man schon sehr traurig sein“, räumt Michael Menger ein. Die Studienkommission versuche, diese Ergebnisse nun durch eine neu strukturierte Lehre zu steigern, so Menger. In Homburg, so die Kritik des Wissenschaftsrats, erscheine „das Lehrkonzept sehr traditionell und wenig innovativ“. Bisher gliedert sich die Medizinerausbildung klassisch in einen theoretischen und den anschließenden klinisch-praktischen Teil. Künftig sollen in einem Modellstudiengang auch klinisch-praktische Aspekte im ersten Studienabschnitt behandelt werden, so Menger.

Doch auch hier stoße die Fakultät wie bei der geforderten Verbesserung der Nachwuchsförderung an finanzielle Grenzen. Die Mehrzahl der Hörsäle, die 50 Jahre und älter sind, haben maximal 200 Plätze, viel zu wenig für über 320 Studenten. Und für den verpflichtenden Kleingruppenunterricht wären zusätzlich 50 Seminarräume nötig, so Michael Menger.

Um die Förderung des medizinischen Nachwuchses zu verbessern, werde sich seine Fakultät nun bemühen, externe Geldgeber zu finden und alles daransetzen, die Vernetzung der Medizin mit den anderen Fächern weiter zu verbessern. „Wir wissen, dass das schwierig wird“, so Michael Menger. Aber, wie gesagt: Jammern bringt nichts.
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