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Nach Pisa-Schock: Neuerungen im Saarland

Passt die gesamte Staatsschuld Deutschlands in Form von 100-Euro-Scheinen in ein Klassenzimmer? Vielleicht ja, vielleicht nein. Finanzminister Wolfgang Schäuble ahnt es vielleicht, genau wissen es die Schüler von Mathematik-Lehrer Herbert Möser, der solche Probleme schon mal von seiner Klasse lösen lässt. Möser, zugleich Vorsitzender des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, lehrt an der Erweiterten Realschule Saarlouis und legt dabei Wert auf Anschaulichkeit und Praxisbezug.



Seit dem Pisa-Schock des Jahres 2001 hat sich manches – gerade im Mathematik-Unterricht – geändert. „Man hat eine andere Aufgabenphilosophie entwickelt“, sagt Möser. Schüler sollen Probleme lösen anhand von Aufgaben, die ihnen in der Praxis begegnen. Das klassische Schema von richtig oder falsch gelte nicht mehr uneingeschränkt, man lege mehr Wert auf die Förderung der Kreativität der Schüler. Möser gibt ein Beispiel: „Früher hätte man von einer Klasse ausrechnen lassen: ‚Wie viel kostet der Neuanstrich einer Wohnung mit der Fläche x, wenn die Farbe y kostet?' Heute würde man dieselben Informationen geben, aber von den Schülern verlangen, einen Vergleich anzustellen – und zwar anhand eines zweiten Angebots, das ein anderer Malermeister abgegeben hat.“ Die Kinder müssten so abwägen – was ist besser, was schlechter? „Das sieht man schon an der Fragestellung. Da heißt es heute häufig: Vergleichen, begründen, Stellung nehmen. Das sind Begriffe, die nun in der Mathematik Einzug gehalten haben, anstatt der einfachen Aufforderung ,Berechne'.“



Es gehe heutzutage darum, so Möser weiter, dass die Schüler Probleme überhaupt erkennen und eine Lösung anbieten, und nicht etwa einem sturen Rechenweg folgen. Vielen Jugendlichen falle es aber schwer, sich vom klassischen Weg zu lösen. Möser: „Für den Lehrer bedeutet das: Er ist nicht mehr derjenige, der führt und vormacht, sondern derjenige, der begleitet und berät.“

Ein Wermutstropfen aber bleibt bei diesem Ansatz. Je textlastiger die Aufgabenstellung, desto mehr Kinder mit Migrationshintergrund haben Schwierigkeiten, die Aufgabe überhaupt zu verstehen. Zwar hat sich diese Gruppe beim neuen Pisa-Test in der Lesekompetenz verbessert, die Probleme sind jedoch unübersehbar. Das stellt auch Harald Füchsle fest, der an der ERS Saarlouis Deutsch unterrichtet. Doch nicht nur Migrantenkinder haben ihre Schwierigkeiten.

„20 bis 25 Prozent der Fünftklässler stoßen schon bei einfachsten Leseaufgaben an ihre Grenze. Sie lesen, ohne überhaupt zu verstehen, was sie lesen“, sagt Füchsle. Seiner Ansicht nach hat die Lesekompetenz in den vergangenen Jahren sogar abgenommen. Was tun? „Leseübungen in jeder Form“, sagt Füchsle. Übungen, bei denen Kinder sich gegenseitig vorlesen, oder Übungen, bei denen sie Satzteile kombinieren müssen. Das gebe es in dieser Form erst seit 2005 und sei als Reaktion auf die ersten Pisa-Ergebnisse entstanden. Solche Übungen allein reichen jedoch nicht, findet Füchsle. Gerade durch Pisa wisse man, welch entscheidende Bedeutung der soziale Hintergrund für die Entwicklung der Schüler habe. Inge Röckelein, Vorsitzende des Verbandes der Realschullehrer und selbst Deutschlehrerin, pflichtet bei: „Viele Kinder sind sozialen Verwerfungen ausgesetzt, die große Probleme nach sich ziehen. Die kann man mit Schule allein nicht lösen.“

Hoffen wir, dass wenigstens Finanzminister Schäuble seine Probleme allein löst. Falls er sich aber tatsächlich nicht vorstellen kann, wie groß das Loch in seiner Haushaltskasse ist, können ihm die Saarlouiser Schüler ja einen Tipp geben.
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