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Nach Schulbus-Unfall: Saarbrücker Schüler allein gelassen

Saarbrücken. Es ist wohl ein Horrorszenario für alle Eltern: Ein Schulbus verunglückt, und das eigene Kind sitzt darin. Tanja und Alwin Schronen aus Güdingen mussten dies am Morgen des 8. Februar erleben – im Nachhinein mit glücklichem Ausgang: Es gab keine Verletzten. Doch zunächst war den beiden ein gehöriger Schrecken in die Glieder gefahren, als ihre elfjährige Tochter an jenem Morgen um kurz vor acht Uhr von ihrem Handy aus angerufen und von einem Unfall berichtet hatte.

Der Schulbus der Linie 823, mit dem das Kind jeden Tag zur Gesamtschule Saarbrücken- Bellevue fährt, war wenige Minuten zuvor auf glatter Fahrbahn ins Rutschen geraten und gegen einen Laternenmast geprallt. Dabei zersplitterte die Frontscheibe des Busses – am Unfallort herrschte Konfusion, mit folgender Konsequenz: „Nach dem Unfall hat sich niemand um die Kinder gekümmert“, empört sich Alwin Schronen. Weder Busfahrer noch -betreuer hätten nachgefragt, ob den Kindern etwas passiert sei, ob es ihnen gut ginge oder jemand verletzt sei.

Auch hätten die Kinder selbst den Notschalter zum Öffnen der hinteren Tür betätigen müssen, berichtet der Vater der Fünftklässlerin. Damit nicht genug: Auch außerhalb des Busses hätten sich weder Begleiter noch Fahrer um die Kinder gekümmert, zudem seien keinerlei Informationen über den Einsatz eines Ersatzbusses rausgegeben worden. „Viele der Kinder hatten mittlerweile per Handy die Eltern kontaktiert, unsere Tochter auch.“ Doch da das Mädchen nicht wusste, wo der Unfall passiert war, beziehungsweise die Örtlichkeit nicht beschreiben konnte, „konnte ich sie nicht sofort abholen“, erzählt Schronen. Indem er seine Tochter per Handy zu einem Straßenschild lotste, fand er schließlich doch noch ihren Standort heraus und holte sie ab. „Mittlerweile stand sie über eine halbe Stunde bei eisigen Temperaturen geschockt vom Unfall alleine am Straßenrand.“

Die Saarbahn GmbH sucht für das Fehlverhalten ihres Personals keine Ausflüchte, sondern bekennt: „Wir waren über diesen Unfall sehr erschrocken, jedoch waren wir noch mehr bestürzt, dass die Betreuung der Schulkinder in dieser Ausnahmesituation völlig versäumt wurde“, heißt es in einem Schreiben an die Familie, das der Saarbrücker Zeitung vorliegt. Demnach bestätigten Fahrer und Busbegleiter, auf ihr Verhalten angesprochen, den von Schronen geschilderten Ablauf der Geschehnisse. Dem Busfahrer tue seine „im Nachhinein völlig unverständliche Reaktion sehr leid“, und er lasse sich vielmals entschuldigen. Er sei jetzt noch „fassungslos über sein unglaubliches und verantwortungsloses Verhalten“, heißt es in dem Schreiben.

Auch Sarah Schmitt, Pressesprecherin der Saarbahn GmbH, kann sich „nur entschuldigen für den Vorfall. Es gibt genaue Richtlinien, wie sich Busfahrer und -begleiter im Notfall zu verhalten haben, wobei das Wohl der Fahrgäste oberste Priorität hat. Diese Kette wurde nicht eingehalten“, sagt Schmitt. Auch die umgehend alarmierte Leitstelle der Saarbahn, die bei einem Unfall Feuerwehr oder Polizei anfordert, habe nicht nachgefragt, was mit den Fahrgästen sei. Das werde nicht mehr vorkommen, versichert Schmitt: „Wir nehmen diesen Vorfall zum Anlass, in Schulungen noch einmal ausdrücklich darauf hinzuweisen, wie sich unsere Mitarbeiter bei einem Unfall zu verhalten haben.“

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