B41 Saarbrücken Richtung Idar-Oberstein Zwischen Kreuzung Niederlinxweiler und Kreuzung Oberlinxweiler Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn, Gefahr durch defektes Fahrzeug (10:35)

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Nach dem EM-Erfolg des deutschen Teams gegen Italien stand Neunkirchen über Stunden Kopf

22.48 Uhr: In der nur dünn besuchten Brasserie auf dem Stummplatz läutet einer der Kellner die „warme Runde“ ein. Aber keiner der 13 Gäste, von denen die meisten auf den Großbildschirm oben an der Wand blicken, will einen Kaffee trinken. Dann kann der Vollautomat ja gereinigt werden. Hier rechnet niemand mit einem langen zähen Unentschieden.

 

In der 90. Spielminute sieht Mats Hummel gelb. „Naja, ok, gegen die Franzosen ist das halb so wild“, entscheidet einer der drei Weisen am Nachbartisch mit Blick auf ein mögliches Halbfinale. Die Nachspielzeit verstreicht. Abpfiff. Feuerzeug und Kippen in der Hand, schlendert man raus in die so ruhige, friedliche Neunkircher Nacht. Auch die Verlängerung verstreicht. Wieder Raucherpause. Richtig Leben kommt erst beim Elfmeterschießen auf, welches mit wechselndem Aufstöhnen oder enthusiastischem Jubel der italienischen und deutschen Fans einhergeht. Emotionen beginnen hochzuköcheln: „Mensch Müller, du Sackarsch, bei Bayern schießt du alles rein“, wütet der bauchigste der Weisen nach dem verpatzten Schuss.

Sein Kumpel erklärt, dass die in Tormitte gezielten Elfmeter die cleversten sind. Für ihn ist klar: Die Italiener „haben die Hosen voll jetzt“. Manuel Neuer wird nach gelungenem Halten zum „besten Tormann der Welt“ gekürt. Die Vorschusslorbeeren für den Mannschaftskapitän verpuffen: Dem „Schweini, komm, hau ihn rein“ folgt blankes Entsetzen: „Neiiin. Ach, das ist doch nicht wahr ….“

 

Irgendwann ist auch dieser Krimi Geschichte und ein saarländischer Held geboren: Jonas Hector schießt Deutschland ins Halbfinale. „Das war verdammt noch mal Zeit“, entlädt sich am Nachbartisch kiloweise angestauter Frust. „Jede Serie endet mal. Da mussten wir 50 Jahre drauf warten.“ Noch besser wäre natürlich ein Sieg ohne das depperte Elfmeterschießen gewesen: „Aber das ist mir scheißegal.“

 

Das sieht die Welt draußen ähnlich. Zunächst gurken nur ein paar vereinzelte Autos über die Lindenallee, wild hupend. Erste Böller werden gezündet, Trillerpfeifen kommen zum Einsatz. Deutschlandbanner flattern im Fahrtwind. Ein mittelalter Mann tänzelt, seine drei mal fünf Meter überlebensgroße Fahne erstaunlich anmutig durch die Luft windend, über den verwaisten Stummplatz. Die Autos wenden in Höhe Saarpark-Center und Gesundheitsamt auf die jeweils andere Spur der Lindenallee, um rund zu fahren.

Bald schon funktioniert das nicht mehr, zu viele Wagen drängen in die Feiermeile der einstigen Hüttenstadt. Details verschwinden im Qualm, dieser Sieg stinkt gewaltig nach abgefahrenen Pneus. Menschen mit gehörnten Kappen treffen ein, manche kommen auf Fahrrädern gefahren. Auf der Straße tuckert es Stoßstange an Stoßstange, manche Mitfahrer sitzen im geöffneten Kofferraum oder hängen aus den Fenstern. Viele haben schnell ihre Kinder ins Auto gepackt, der ohnehin nicht sehr hohe Altersdurchschnitt fällt zwischenzeitlich rapide ab.

 

Auf dem Mittelstreifen der Lindenallee hat jemand Stühle gestellt, zwei Kerle tanzen, andere winken die Fahrzeuge einzeln durch eine per Riesen-Banner simulierte La-Ola-Welle. Was nervt, sind die Böller. In die Gullys geworfen, detonieren sie so laut wie Bomben. Raketen werden gezündet und entfalten ihren Sternenregen überm Fußweg. Später meldet die Polizei drei Vorfälle: Eine Körperverletzung, zu der es wohl kam, als sich eine Frau beschwerte, dass jemand an ihrem Auto rüttelte. Ein Böller flog durch die Seitenscheibe eines Wagens, der Airbag öffnete sich und verletzte eine Frau leicht. Und dann ging auch noch eine Heckscheibe während des Korsos zu Bruch.

 

Ob sich wirklich 1000 Pkw an dieser motorisierten Qualmparty beteiligten, ist schwer zu sagen, aber Schätzung der Polizei . Sie spricht von 2000 Menschen in der Innenstadt. Und die feierten bis in die Morgenstunden.  
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