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Nach den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht steht Kampfsport wieder hoch im Kurs

Achtung, Faust: Co-Trainer Markus Breit (rechts) ist stets auf spontane Angriffe gefasst. Fotos: Abbas

Achtung, Faust: Co-Trainer Markus Breit (rechts) ist stets auf spontane Angriffe gefasst. Fotos: Abbas

Sie ist gekommen, weil es nicht mehr anders geht. „Als Frauen sind wir mittlerweile nicht mehr sicher.“ Davon ist die Saarbrücker Studentin Nastassja Sirrenberg überzeugt. Vor zwei Monaten habe ihr ein Unbekannter an die Brust gefasst und neulich auf dem Nachhauseweg sei sie von einem Mann verfolgt worden. „Ich bin aus dem Bus gestiegen und er hat auf mich gewartet“, erzählt die 24-Jährige.

Sie neige dazu, in solchen Situationen „total einzuklappen“. Deshalb will sie sich an diesem Abend in der Sporthalle des Landespolizeipräsidiums in der Mainzer Straße informieren. Dort findet jeden Dienstag und Donnerstag das Selbstverteidigungstraining der Akademie AK 8 statt. „American Kenpo“ heißt die Kampfsportart, die Trainer Chris Junge nun schon seit knapp 15 Jahren unterrichtet. Sie beruht auf Verteidigungsstrategien, die keiner körperlichen Höchstleistung bedürfen, und wird deshalb auch von Menschen im fortgeschrittenen Alter betrieben. „Vom Busfahrer bis zum Arzt sind alle vertreten“, berichtet der 30-Jährige, der sich vor einem halben Jahr mit AK 8 selbstständig gemacht hat und weltweit Workshops für Selbstschutz und Gewaltprävention anbietet. Das regelmäßige Training in der Mainzer Straße kostet im Quartal 25 Euro und ist an die Angebote des Polizeisportvereins gekoppelt. Daher auch die Örtlichkeit. An diesem Abend sind es 26 Teilnehmer, die sich erst einmal warmlaufen müssen. Seilspringen sorgt für lockere Gliedmaßen, anschließend fliegen Basketbälle. Links, rechts, links, rechts. Die Kondition muss stimmen. Beim Training mit Schlagpolstern und Boxhandschuhen heißt es: Ordentlich draufhauen! „Auspowern mit Elementen der Selbstverteidigung“ nennt es der Trainer. „Manchmal ist es ziemlich hart“, erzählt Rainer Rohnert, der seit drei Monaten mittrainiert. Der Kampfsport helfe ihm dabei, stets einen kühlen Kopf zu bewahren. Teilnehmer Martin ist viel mit dem Wohnmobil unterwegs und möchte sich nicht ganz auf seinen Hund verlassen: „Der ist ja schon alt.“ Trotz erworbener Kampftechnik gilt für ihn die Devise: „Jeder Kampf, den man vermeiden kann, ist ein gewonnener Kampf.“ Schülerin Florence bereitet sich im Selbstverteidigungstraining auf die Zukunft vor: „Ich mache bald Abi und will dann in die weite Welt. Da ist es wichtig, sich verteidigen zu können.“


Doch wie erkenne ich eine Gefahrensituation? Was tue ich, wenn ich geschlagen werde? Welche Hand muss wo positioniert sein, um im Ernstfall eine Chance zu haben? Die Antworten auf diese Fragen demonstrieren Junge und Co-Trainer Markus Breit mit einigen Handgriffen und Bewegungen, die die Teilnehmer in Zweier-Teams imitieren. Ein schneller Arm von links, ein spontaner Tritt von rechts, einmal schubsen und immer wieder abblocken. „Es geht darum, den Gegner außer Gefecht zu setzen“, erklärt Teilnehmer Philip Marx. Doch er weiß, dass das nicht immer einfach ist: „Im echten Leben kann man die Technik nie zu 100 Prozent anwenden.“ Das weiß auch Julia Weber. Sie war am Silvesterabend mit ihrer Freundin auf dem Kölner Domplatz. „Da waren plötzlich nur noch Männer. Und dann ging das Begrabschen los“, erzählt die Saarbrücker Studentin von ihren Erlebnissen. Fremde Männer hätten sie und ihre Freundin umzingelt und ihnen an den Po gefasst. Eine Armlänge Abstand halten: unmöglich. Stattdessen habe sie ihren Ellbogen eingesetzt. „Als ich dann nach hinten geschlagen habe, gingen sie auf Abstand.“

Selbst Trainer Junge hat für solche Fälle kein Patentrezept: „Es ist schwierig, in solch einer Situation Verhaltenstipps zu geben. Aber Köln zeigt umso mehr, dass es für jede Frau wichtig ist, sich bei Gefahr verteidigen zu können.“

Ein AK-8-Workshop speziell für junge Frauen findet am Sonntag, 31. Januar, statt. Teilnahmegebühr: 35 Euro. Anmeldung und Infos bei Chris Junge unter Tel. (0176) 30 54 06 07 oder unter www.ak-8.de.

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