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Nacht- und Nebelaktion: Polizei holt Flüchtling ab – Pfarrer ist empört

Symbolfoto.

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Der Schock sitzt tief. Bei Mahmoud Alchabous bisherigem Mitbewohner, der gegen drei Uhr in der Nacht auf Mittwoch aus dem Schlaf gerissen wurde. Sechs Polizisten standen vorm Haus in Gronig . Ließen Mahmoud seine Habseligkeiten zusammenpacken und nahmen ihn mit zum Flughafen nach Frankfurt. Von dort ging's am frühen Mittwochmorgen nach Ungarn. Dorthin, wo der syrische Kriegsflüchtling nach seiner Odyssee zum ersten Mal Boden der Europäischen Union betreten hatte. Damit sind die dortigen Behörden für den 45-Jährigen verantwortlich. Getrennt von seiner Ehefrau war Mahmoud 2014 aus seiner vom Krieg zerstörten Heimat geflohen. Während er das Saarland schon Mitte vergangenen Jahres erreichte, kam seine Frau über Irrwege erst vor drei Wochen in Lebach an. Alles deutete auf ein Happy-End.

Und das obwohl der Antrag des 45-Jährigen auf Bleiberecht im Saarland von den Behörden längst abgelehnt worden war. Die Abschiebung kam dennoch für alle Beteiligten völlig überraschend, wie der Saarbrücker Rechtsanwalt Hans Georg Schudell erklärt. Er spricht sogar von einem „eklatanten Verfassungsverstoß“. Der Jurist, der seit Mitte der 80er-Jahre nach eigenen Angaben tausende Asylfälle betreut hat: Das zuständige Landesverwaltungsamt habe gegen den Grundgesetz-Artikel zum Schutz der Ehe verstoßen, als es die Ausweisung durchsetzte. Denn damit sei das Ehepaar auf Dauer getrennt. Schudell: „In der Vergangenheit hat das Bundesverwaltungsgericht in ähnlichen Fällen im Sinne der Betroffenen entschieden.“ Eine Heiratsurkunde liege vor.

Doch nicht nur das bemängelt der Rechtsbeistand. Er habe am 3. Dezember in einem Schreiben an die Landesbehörde erklärt, dass Mahmoud durch die traumatischen Erlebnisse in seiner Heimat sowie während der Flucht gefährdet sei, sich das Leben zu nehmen. Pfarrer Michael Pauken, der sich um Flüchtlinge in den Gemeinden Oberthal und Namborn kümmert, bestätigt, dass der Syrer deswegen bereits zehn Tage in einer St. Wendeler Klinik behandelt worden sei. Rechtsanwalt Schudell: „Auf meinen Brief habe ich bis heute keine Antwort erhalten.“

Er holt noch weiter aus: Üblich sei, nach abgelehnter Aufenthaltsentscheidung den Betroffenen dies mitzuteilen und sie aufzufordern, freiwillig das Land zu verlassen. Auch das sei im konkreten Fall versäumt worden. Wegen all dieser Patzer werde Schudell einen Eilantrag stellen, um Mahmoud wieder ins Saarland bringen zu lassen – auf Staatskosten.

Mittlerweile sei der Ausgewiesene in Ungarn angekommen, berichtet am Mittwochnachmittag eine immer noch sehr verstört wirkende Alice Maurer. Die ehrenamtliche Betreuerin, die mit der Caritas eng zusammenarbeitet: „Er wird die Nacht auf der Straße verbringen. Er hat keine Unterkunft.“ Was Maurer zutiefst bewegt: „Mahmoud war am Abend zuvor bis 18 Uhr noch bei mir und hat gesagt, dass er Angst hat.“ Ironie des Schicksals: Maurer gab ihm die Zusicherung: „Bei uns bist Du sicher“ – dann wurde er mitten in der Nacht abgeholt. Dadurch sei über Monate aufgebautes Vertrauen zwischen Flüchtlingen und Helfern hier vor Ort zunichte gemacht worden, bewertet Pauken. „Wir sagen ihnen, dass wir sie schützen. Dann taucht nachts die Polizei auf. Mahmouds Mitbewohner sagt uns jetzt: ‚Ihr könnt nichts machen.' In einer Nacht- und Nebelaktion ist alles kaputtgemacht worden.“

Unterdessen fuhren Pauken und Maurer zu Mahmouds Ehefrau, die seit drei Wochen in Lebach untergebracht ist und deren Asylverfahren noch läuft. Maurer: „Für sie ist das ein unglaublicher Schock.“

Das fürs Landesverwaltungsamt zuständige Saar-Innenministerium in Saarbrücken ließ am Mittwoch lediglich wissen, den Sachverhalt prüfen zu wollen.
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