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Narren gestoppt: Charlotte Britz rückt Rathausschlüssel nicht heraus

Erfolglos belagert: Am Fetten Donnerstag scheiterte eine bunte Narrenschar beim Putschversuch im Rathausfestsaal. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz behielt die Oberhand - und den Rathausschlüssel.

Erfolglos belagert: Am Fetten Donnerstag scheiterte eine bunte Narrenschar beim Putschversuch im Rathausfestsaal. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz behielt die Oberhand - und den Rathausschlüssel.

Saarbrücken. Zoff gab’s gestern im Rathaus-Festsaal. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz lieferte sich ein Rededuell mit dem Sprecher der Narren, dem Nassauer-Ehrenpräsidenten Axel Dumont. Es ging um die Macht im Rathaus. Drei mal elf Jahre alt wird die Groß-Saarbrücker Karnevalsgesellschaft „Die Nassauer“ 2013 – deshalb sprach Dumont für die Narren: „Noch thronst Du ja im Rathaus- Saale, hier in Saarbrigges gudder Stubb. Heut’ sollst die Rechnung Du bezahle für Dich und Deine Hausmannschaft. Da ist es eh’ schon schlecht bestellt, Ihr passt doch nett mehr in die Landschaft. Haut ab und gebt jetzt Fersengeld.“

Doch auch Britz feierte närrisches Jubiläum: Zum mittlerweile elften Mal – anfangs als Sozialdezernentin später als Oberbürgermeisterin – verteidigte sie das Rathaus: „Ich bin perplex, dieselbe Chose, die ich erlebt im letzten Jahr, das ging schon damals in die Hose. Ich bin Regentin, bleibe da. Nä, nä, do ist gar nix zu mache. E Tanzmariechen, wenn auch scheen, doch da braucht es ganz annere Sache, bis ich aus meinem Amt mol gehn.“

Darbietungen, wie die der Tanzmariechen Klara Stänicke (Holzäppel Bübingen) und Selina Schank (Nassauer), des Tanzpaares Natascha und Alexander Hanauer (Eule Rußhütte) sowie der Juniorengarde der Molschder Narrekäpp konnten Britz genauso wenig ins Wanken bringen, wie etliche Schunkelrunden. Britz rückte den Rathausschlüssel nicht heraus, die Narren mussten wieder abziehen. Am Samstag aber soll das Rathaus fallen. Dann sammeln sich die Karnevalisten ab 9.30 Uhr am St. Johanner Markt, um gegen 11 Uhr gut eingestimmt und unterstützt von vielen Saarbrücker Bürgern erneut zum Rathaus zu ziehen.




„Bekannt wie ein bunter Hund“

„Sein Repertoire ist riesig. Er kann stundenlang erzählen“, berichtet die 63-jährige Gaby Vogel über ihren Vater, den 83-jährigen Burbacher Karnevalisten Werner Germesin. Seit 59 Jahren geht er in die Bütt.

Burbach. Nächstes Jahr feiert Werner Germesin (83) sein 60- jähriges Jubiläum als Büttenredner. „Ach“, winkt er ab, „das bedeutet mir nichts. Es zeigt ja nur, wie schnell die Zeit vergeht.“ Seit 1954 ist er Mitglied der Burbacher Karnevalsgesellschaft „Mir sin do“ (MSD). Wie oft er schon in der Bütt stand, kann er nicht sagen – „aber es war sehr oft“. Mittlerweile tritt er „nur noch bei den Senioren-Kappensitzungen im Burbacher Bürgerhaus auf“. Da kommen je rund 600 Besucher.

Auf Germesins Kopf thront die orangefarbene Mütze, die er bei seinen Auftritten als „Burbacher Werner“ trägt: „In Burbach bin ich bekannt wie ein bunter Hund. Ich habe hier auf der Hütte gearbeitet und lebe schon immer hier. Onkel Werner nennen mich die Burbacher Kinder.“ Vor sieben Jahre starb seine Frau Gertrud. „Wir waren 57 Jahre verheiratet. Sie fehlt mir.“ Tochter Gaby Vogel (63) wohnt nur ein „paar Häuser weiter“ und sieht „immer nach dem Rechten“.

Germesin schiebt die Mütze hoch und tippt sich an die Stirn: „Hier drin habe ich die ganzen Büttenreden abgespeichert“, schmunzelt er. Wie viele denn? „Ach, 50 bestimmt und viele, viele Lieder!“ Man müsse sein Gedächtnis einfach nur trainieren, sagt er bescheiden. Heute schreibt Germesin keine neuen Büttenreden mehr. Nicht, weil ihm die Ideen ausgehen, sondern „weil die Schreibhand nicht mehr so mitspielt“. „Sein Repertoire ist riesig. Er kann stundenlang erzählen“, strahlt Tochter Gaby: „Früher hatten wir keinen Fernseher. Es gab keine Computer. Die einzige Unterhaltung für meinen Bruder und mich war unser Vater. Wir waren immer sein erstes Publikum. Jeden Tag hatten wir Fastnachtsspaß.“

In seiner Burbacher Wohnung sind liebgewonnene Erinnerungsstücke verteilt: An der Wand hängen Fotos, die ihn als „Burbacher Werner“ zeigen; auf dem Küchentisch liegt seine höchste Auszeichnung: der Verdienstorden vom Bund Deutscher Karnevalisten. „Der ist aus Gold, und das, was da glänzt, sind kleine Brillanten“, sagt der 83-Jährige und schiebt den Orden beiseite. Mehr ans Herz gewachsen scheinen ihm aber 12 dicke Ordner voller Erinnerungsstücke: unzählige Fotos, die meisten schwarz-weiß, Zeitungsausschnitte und kleine Notizen. Die Fotos zeigen ihn beim Rosenmontagsumzug, „als der noch so groß war, dass er sich in den Schwanz gebissen hat“, in der Bütt und auf der Bühne im Tutu beim „ersten Burbacher Männerballett“ sowie bei seiner Wahl zur „Miss Burbach“.

Dann zeigt er auf einen Zeitungsausschnitt und wirkt traurig. Oskar Lafontaine, damals Oberbürgermeister, überreicht Germesin und dessen „bestem Freund“ und mittlerweile verstorbenen Karnevalskollegen Willi Decker im Rathaus den „Narrenschild“. Die Büttenrede, die sich Germesin für dieses Jahr ausgesucht hat, entsprang der Feder seines Freundes. „Willi hat mir die Unterlagen nach seinem Tod überlassen, und ich will an ihn erinnern.“ Dann rezitiert er mit leiser, aber fester Stimme. Sein Zeigefinger und Oberkörper wiegen sich im Takt. Die Büttenrede ist ein Loblied auf den Straßenfußball, „der uns irgendwann mehr Spaß bereitete, als der FC Saarbrücken“. Er nimmt den Zuhörer mit auf einen Bolzplatz: „Mensch, schäler Mingo, gebb doch riwwer. Eh grummer Dackel, gebb doch ab. Hach, langes Laster, wie der kimmelt, gleich grischde mal ins Kreiz getappt.“ Jedes Lachen, das er erntet, lässt seine Augen strahlen. Das hat sich nicht geändert: „Ich freu’ mich immer, wenn ich Menschen zum Lachen bringe.“ ceg
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