L 365, Vollsperrung für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen in der Ortsdurchfahrt Sitzerath, aufgrund eines liegengebliebenen Schwertransportes Für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen besteht keine Vollsperrung. (01:43)

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Nationale Ehre für Camphausen

Der Hammerkopfturm (erster Stahlbetonförderturm der Welt) der alten Grube Camphausen in Fischbach.

Der Hammerkopfturm (erster Stahlbetonförderturm der Welt) der alten Grube Camphausen in Fischbach.

Eng war's auf dem Gelände der Grube Camphausen (1871-1990). 1908 fehlte für den Doppelschacht IV genügend Platz, um die Fördermaschinen seitlich vom Gerüst aufzustellen – es wäre die herkömmliche Lösung gewesen. Stattdessen kam es 1911/1912 zu einer „epochalen Leistung“, wie es der saarländische Industriekultur-Experte Delf Slotta ausdrückt. Ingenieure verlegten die Maschinenausstattung nach oben, in einen 40 Meter hohen, trutzig wirkenden geschlossenen Eisenbeton-Turm. Seitlich in den beiden Erkern saßen die Maschinisten. Es war dies nicht nur deutschlandweit der erste Eisenbeton-Förderturm, sondern auch weltweit eine Innovation. Und das ist auch der Grund, warum die Bundesingenieurkammer heute in Camp hausen zu einer Feier einlädt: Der Camphauser Hammerkopf-Förderturm wird in die nationale Liste der „Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“ aufgenommen, übrigens als erstes Bergbau-Denkmal überhaupt. Eine Ehre, zweifelsfrei. Aber was bringt's, wird mancher fragen. Aufmerksamkeit, womöglich Besucher-Interesse. Und nur das, sagt die Erfahrung, sorgt dafür, dass auch die Politik sich für Industriekultur-Denkmäler stark macht. „Camphausen braucht Kümmerer“, sagt auch Slotta. Nicht, weil der Turm gefährdet wäre, nein, er stehe immer noch „wie eine Eins“, throne wie eine Art Schloss in der Landschaft. Überhaupt hält Slotta die Geländesituation in Camphausen mit enormen Höhenunterschieden bis hinunter zum Fischbach für die „wohl spannendste, die das Land in Zusammenhang mit Industriekultur zu bieten“ hat.

Nicht von ungefähr zählt die frühere Grube Camphausen zu den vier von der Landesregierung als besonders förderwürdig und entwicklungsfähig definierten „Zukunftsstandorten“, auf denen es Denkmäler aus der Bergbauzeit zu erhalten gilt. Doch während etwa auf den Standorten Itzenplitz oder Velsen Vereine Dynamik in die Entwicklung bringen, „schläft“ das Bürger- und Investoren-Engagement in Camphausen, und die Umnutzungs-Debatte steckt noch ganz in den Anfängen. Immerhin hat Ende 2015 ein Ideenwettbewerb stattgefunden. Heute findet bei der Ehrentafel-Verleihung auch die Wettbewerbs-Preisvergabe statt. Die Sieger – das Saarbrücker Team Detzler/Brandolini/Ospelt – sehen den Hammerkopf-Förderturm als Zentrum der Erlebniskultur, wollen ihn akustisch und optisch als Landmarke inszenieren.

Doch bis dahin wird der Weg wohl noch sehr lang werden. Das Gelände muss zuerst aus der Bergaufsicht entlassen werden. Doch in Camphausen laufen noch RAG-Wasserpumpen und es wird Methangas gefördert. Das Areal ist gesperrt, der Turm für Begehungen nicht zugänglich. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Initiative der Ingenieurkammer Brisanz. Denn wer ein nationales Ingenieurkunst-Wahrzeichen im Land hat, sollte die Erschließung anpacken.

 

Zum Thema:

Die Bundesingenieurkammer hat bereits 17 Bauwerke mit dem Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“ gewürdigt, darunter der Hamburger Alte Elbtunnel, der Flughafen Berlin-Tempelhof oder der Stuttgarter Fernsehturm. Zum Hammerkopfturm erscheint eine Broschüre (9,80 Euro, über www.bingk.de/order-hw). ce
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