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Negativ-Rekord bei Getreideernte im Landkreis St. Wendel

Landwirte, wie hier in Alsweiler, eggen derzeit die Felder. Foto: B&K

Landwirte, wie hier in Alsweiler, eggen derzeit die Felder. Foto: B&K

Vom schlechtesten Jahr seiner Laufbahn spricht Peter Scherer, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes St. Wendel , als er der SZ-Redaktion einen Besuch abstattet. Jedes Jahr kurz vorm Erntedankfest ist es für ihn Zeit, Bilanz zu ziehen. An diesem Sonntag ist Erntedankfest – und die Bilanz sieht erschreckend aus. Eine Getreideernte so schlecht wie seit 30 Jahren nicht – Scherer ist besorgt. „Einige Kollegen suchen Alternativen außerhalb der Landwirtschaft“, spricht er die mangelnde Motivation an, die so ein Jahr, „in dem wir quasi umsonst gearbeitet haben“, mit sich bringe.

 

Etwa 100 Haupterwerbs-Betriebe gebe es im Landkreis, jedes Jahr würden es drei bis vier Prozent weniger. „Im Moment verstärkt dieser Trend“, sagt Scherer.

 

Schuld an der schlechten Ernte sind zwei Extreme: die heftigen Regenfälle im Frühsommer mit nur wenigen Schönwetter-Perioden und dann die trockne Hitze im August.

 

Ersteres erschwerte es den Bauern , ihre Pflichtaufgaben zu erledigen. Die Trockenheit machte dann den Boden hart, was die Aussaat des Wintergetreides beeinträchtigte. Scherer: „Man musste mehr Kraft aufwenden, und der Verschleiß an den Geräten war größer.“ Einige Bauern verzichteten sogar darauf, im August Winterraps auszusäen. Die Folge: „2017 werden wir weniger Raps zur Verfügung haben.“ Dabei sei im Frühjahr noch alles normal gelaufen. „Die Getreidebestände entwickelten sich gut.“ Die Bauern erwarteten eine gute Ernte. „Doch die Wahrheit kam ans Licht, als die Mähdrescher liefen“, sagt Scherer. Die Enttäuschung war dann groß: Viele Ähren waren nur halb oder gar nicht gefüllt. Damit lag die Getreideernte 30 bis 50 Prozent unter dem langjährigen Schnitt und sogar noch unter dem des schon schlechten Vorjahres. Hinzu komme, so Scherer, dass die Getreidepreise in Deutschland um 20 Prozent gefallen sind. Schlechte Ernte und niedrige Preise – „uns hat es doppelt erwischt“. Nimmt man es genau, hat es die Bauern sogar dreifach erwischt. Denn: „Wir haben auch ein Qualitätsproblem.“ Oft seien die Körner so klein gewesen, dass sie gar nicht an die Bäckereien verkauft werden konnten; sie werden nur als Futtergetreide verwendet.

 

Glücklicherweise gebe es im Landkreis nur etwa eine Handvoll reine Getreidebauern. Die meisten Landwirte haben Mischbetriebe. Aber: „Im Viehbereich sieht die Situation nicht besser aus.“ Der Grund: der extrem niedrige Milchpreis. Der liegt seit April bei 21 Cent. „Ein kostendeckendes Arbeiten ist nicht möglich“, sagt Scherer. Allerdings sieht er in Sachen Milchpreis einen „leichten Hoffnungsschimmer“. Die Produktionsmenge in Europa sei gesunken, die Nachfrage gestiegen. Daher rechnet er mit leicht steigenden Preisen Ende des Jahres. Er spricht von zwei bis drei Cent. „Wir wären dann immer noch weit weg von einem kostendeckenden Preis, aber die Richtung stimmt.“

 

Sein größter Wunsch fürs kommende Jahr ist daher, neben einer ausgeglichen Wetterlage, ein bewussteres Verhalten der Verbraucher. Scherer: „Wir brauchen bessere Preise.“ Und diese könne nicht die Politik regeln, sondern nur der Kunde. Auch da sieht er eine leichte Verbesserung: „Es gibt einen wachsenden Anteil an Verbrauchern, der bewusst regionale Produkte kauft und bereit ist, dafür mehr zu zahlen.“ Auch die Milch-Zapfstellen, unter anderem in Selbach, würden sehr gut angenommen.

 

Futtervorräte sind gesichert

 

Etwas Gutes kann Scherer dann doch dem Jahr 2016 abgewinnen: Wegen des feuchten Jahresbeginns wuchs das Gras schnell und hoch. Die Ernte war so gut, dass die Silos nun voll sind. Die Futtervorräte fürs kommende Jahr sind gesichert.  
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