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Nein zur Mehrarbeit bei Smart

Knapp zwei Jahre vor der nächsten Präsidentschaftswahl in Frankreich hat Premierminister Manuel Valls (PS) eine Reform des Arbeitsrechts angekündigt. Viele Arbeitgeber möchten die 35-Stunden-Woche abschaffen. Das hatte auch Daimler vor, der Eigentürmer der lothringischen Automobilfabrik Smart in Hambach , mit seinem sogenannten „Pakt 2020“. Damit Smart kein Präzedenzfall für die Abschaffung der 35-Stunden-Woche wird, haben jetzt zwei Gewerkschaften ihr Veto gegen diese Pläne eingelegt und sie damit zunichtegemacht.

D er Pakt 2020 sah vor, dass die Arbeitszeit der 850 Beschäftigten in Hambach innerhalb von fünf Jahren von 35 auf 39 Wochenstunden steigt. Bezahlt werden sollten aber lediglich 37. Im Gegenzug bot Smart-Eigentümer Daimler eine Jobgarantie bis 2020 und eine einmalige Prämie von 1000 Euro. Möglich ist diese Ausnahmeregelung in Frankreich aber nur, wenn sie von den mehrheitlich im Betriebsrat vertretenen Gewerkschaften mitgetragen wir d.

„ Durch diesen Pakt wollten wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Hambach erhöhen“, sagt Smart-Sprecher Jean-Yves Schmitt. In der Automobilbranche herrsche ein hoher Wettbewerbsdruck, und es sei wichtig, sich langfristig auf eine solide Basis zu stellen und den Mitarbeitern Jobsicherheit zu geben. Nicht nur der Daimler-Standort in Lothringen steht auf dem Prüfstand. Auch in Sindelfingen, Untertürkheim, Bremen, Berlin und Rastatt haben ähnliche Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Betriebsräten stattgefunden, wie die Konzernzentrale in Stuttgart mitteilt. Dabei sind „Kostenentlastungen, je nach Standort im bis zu dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, wichtige Bestandteile der Vereinbarungen“, sagt Sprecherin Sofia Stauber .

Bereits im September hatte die Hambacher Belegschaft über den Pakt 2020 abgestimmt. 56 Prozent stimmten zwar zu. Unter dem Strich lehnten aber die meisten Beschäftigten in der Produktion die Verlängerung der Arbeitszeiten ab (wir berichteten). „Die Mitarbeiter im Schichtdienst würden am meisten darunter leiden. Für sie würde diese Vereinbarung 27 zusätzliche Arbeitstage im Jahr bedeuten“, erklärt Samir Boualit von der Gewerkschaft CGT, warum seine Gewerkschaft das Projekt abgelehnt hat.

Der angebotenen Jobgarantie traut Boualit nicht ganz. Wenn es dem Unternehmen wirklich schlecht ginge, würde dieses Versprechen die Schließung des Standortes nicht verhindern – auch vor 2020. Die Jobgarantie verpflichte den Konzern, die Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, aber nicht unbedingt in Hambach , sondern in einem Radius von 150 Kilometern. Dass das lothringische Werk aktuell gefährdet sei, glaubt Samir Boualit nicht, auch wenn „uns gesagt wird, dass die Verkaufszahlen mäßig sind“.

In der Tat sprechen die jüngsten Absatzzahlen von Smart dafür, dass der City-Flitzer sich zurzeit großer Beliebtheit erfreut. Im Oktober wurden weltweit 10 517 Smart verkauft. Wegen eines Modellwechsels waren das im Vergleich zum Vorjahresmonat mehr als doppelt so viele. Von Januar bis Oktober 2015 wurden 98 535 Autos verkauft – rund 36 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2014.

Doch nicht alle Smart, die weltweit verkauft werden, werden in Hambach gebaut. Der Viersitzer „Smart Forfour“ wird im Auftrag von Daimler in Slowenien montiert. Jetzt fürchtet Mario Mutzette von der Gewerkschaft CFE-CGC, dass der Konzern auf die Idee kommt, sein nächstes Modell dort zu niedrigeren Lohnkosten zu produzieren. Seine Organisation hatte für den Pakt 2020 geworben. „Mit einem konstruktiven Verhältnis zum Mutterkonzern Daimler hätten wir Hambachs Chancen erhöht, gegebenenfalls in ein paar Jahren ein neues Modell zu bauen“, meint Mutzette. Für ihn seien die Verhandlungen daran gescheitert, weil der Streit bei Smart eine nationale Dimension angenommen habe. Bei Continental in Saargemünd seien vor ein paar Jahren ähnliche Vereinbarungen getroffen worden, ohne Aufsehen zu erregen. Bei Smart sind die Fronten dagegen verhärtet. Nächste Woche will die Geschäftsführung in Hambach die Belegschaft über die Folgen der Ablehnung unterrichten.
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