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Neonazis sollen Schwule in Merziger Supermarkt angegriffen haben

Symbolfoto.

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Eine Hetzjagd von mutmaßlichen Rechtsextremen auf ein schwules Paar hat sich am ersten Mittwoch im Februar im Merziger Supermarkt „ Kaufland “ abgespielt. Wie Klaus N. (Name von der Red. geändert) und sein Lebenspartner in ihrer Anzeige bei der Polizeiwache in Merzig, die der SZ vorliegt, schildern, sind sie am 4. Februar nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr beim Einkaufen von einem Neonazi auf ihre Sexualität angesprochen worden. Dieser war mit einem weiteren Mann und einer Frau im Supermarkt, einer der beiden habe eine Bomberjacke mit der Aufschrift „Sturmdivision Saar“ getragen. „Sie folgten uns durch das ganze Kaufland , beleidigten und bedrohten uns, auch lautstark an der Kasse“, heißt es in der Anzeige. „Wir gehörten vergast, er würde mir am liebsten den Schwanz abschneiden und so weiter“, gibt N. die Angriffe des Neonazis wörtlich zu Protokoll. N. stellte den Angreifer demnach zur Rede und fragte ihn, was er ihm getan habe. Der Rechtsextreme sagte demnach nur, das Paar sei „widernatürlich und gehöre vergast“. „Das gesamte Personal bekam das mit und niemand tat etwas“, beklagt das Opfer in der Anzeige.Die drei Neonazis hätten das Paar bis ans Auto auf dem Supermarkt-Parkplatz verfolgt und dabei begonnen, ihre beiden Opfer „herumzuschubsen“. „Ich lenkte sie ab, während mein Partner das Auto aufschloss und den Motor startete“, beschreibt einer der beiden Betroffenen die dramatische Situation. „Als man mich wieder schubste, nutzte ich den Schwung, um die Autotür aufzureißen, mich ins Auto zu schmeißen und abzuschließen.“ Hinter dem Auto habe noch der Einkaufswagen gestanden. Die Angreifer hätten im Häuschen, wo die Einkaufswagen gesammelt werden, gewartet, in der Annahme, ihre Opfer würden den Einkaufswagen dorthin zurückbringen. Doch die beiden Männer zogen es vor, mit dem Auto den Einkaufswagen zur Seite zu schieben und direkt davonzufahren. „Es war mehr als offensichtlich, dass sie uns ernsthaft verletzen wollten. Wir fürchteten beide um unser Leben“, schildern die Anzeigensteller ihre verzweifelte Lage.

Wie Irene Portugall vom Vorstand des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD), Sektion Saarland, der SZ mitteilte, habe der LSVD zusätzlich Strafanzeige gegen unbekannt wegen Volksverhetzung und wegen unterlassener Hilfeleistung gestellt. Gleichzeitig bat Portugall die Staatsanwaltschaft darum, die Namen der Opfer nicht öffentlich zu nennen, „da Racheakte zu befürchten sind“.

Isabelle Michels, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, sagte der SZ auf Anfrage, dass momentan noch die polizeilichen Ermittlungen in diesem Fall liefen. Das Verfahren sei jedoch noch nicht von der Polizei an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden. „Dies ist in Anbetracht der Kürze der verstrichenen Zeit seit Anzeigenaufnahme jedoch nicht ungewöhnlich“, erklärte Michels. Ob die Anzeige des LSVD vom 26. Februar bei der Staatsanwaltschaft registriert ist, konnte Michels nicht beantworten. Eine Kopie der LSVD-Anzeige bei der Saarbrücker Staatsanwaltschaft , unterschrieben von einer Rechtspflegerin aus der Rechtsantragsstelle, liegt unserer Zeitung jedoch vor.
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