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Neuanfang für Beckinger Schraubenfabrik

Symbolfoto

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Die Whitesell-Firmenschilder sind bereits weg. Die Mitarbeiter der Beckinger Schraubenfabrik sind im Hof versammelt und blicken auf ein weißes Tuch auf der Fassade einer Halle. Allen steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Dann ziehen Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger ( SPD ) und Nedschroef-Chef Mathias Hüttenrauch das Tuch weg und enthüllen das Logo des niederländischen Konzerns. Auch die Nedschroef-Fahne wird an der Einfahrt zum Werksgelände hochgezogen. Signale für den Neuanfang – nach dem Drama unter der Regie der US-amerikanischen Whitesell-Gruppe, das beinahe im Aus für die Schraubenfabrik geendet hätte.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde „die Eigentumsübertragung abgeschlossen“, sagte Hüttenrauch. Die Beckinger Traditionsfirma gehört damit nun einem der weltweit größten Schraubenhersteller, der im Saarland bereits in Fraulautern ein Werk mit zurzeit 260 Mitarbeitern hat. Mitte August war der Kaufvertrag mit dem Insolvenzverwalter unterschrieben worden. „Das ist ein guter Tag für Beckingen : der erste Tag ohne Whitesell, der erste Tag mit Nedschroef“, sagte Rehlinger gestern. Guido Lesch, 2. Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall , nannte den „1. Oktober ein historisches Datum für Beckingen “.

Hüttenrauch versprach, „Ruhe reinzubringen“ in das Beckinger Werk. Danach sehnt sich die Belegschaft nach drei Insolvenzen innerhalb von sechs Jahren und dem Desaster mit Whitesell. Das US-Unternehmen hatte die Schraubenfabrik zusammen mit drei weiteren Standorten der früheren Ruia-Gruppe Anfang 2014 aus der Insolvenz übernommen und dann mit drastischen Preiserhöhungen in kurzer Zeit Millionen herausgepresst, aber auch alle wichtigen Kunden verprellt. Die Folge war die erneute Pleite. Die Auslastung in Beckingen lag nur noch bei 15 Prozent.

Hüttenrauch präsentierte gestern als Kontrast eine Langfriststrategie: Er versprach Investitionen „in Anlagen und Köpfe, damit das Werk da hinkommt, wo es hingehört: an die Weltspitze“. Beckingen soll ein eigenes Kompetenzzentrum werden und von der Entwicklung bis zur Serienfertigung Produktlinien betreuen. Die Auslastung, die inzwischen wieder bei „unter 30 Prozent“ liege, soll innerhalb der kommenden drei Jahre auf 90 bis 95 Prozent steigen. Gespräche mit Autoherstellern über neue Aufträge verliefen vielversprechend, sagte Hüttenrauch. Er machte auch Hoffnung auf Neueinstellungen. Rund 250 Beschäftigte nannte er als Zielmarke – bei Vollauslastung. Derzeit hat die Schraubenfabrik laut Werksleiter Jörg Bosch inklusive der Azubis etwa 145 Mitarbeiter, Ende 2013 seien es einschließlich Leiharbeiter noch 400 gewesen. Das Beckinger Werk wird, so Hüttenrauch, eine eigenständige GmbH als Schwesterfirma des Standorts Fraulautern. Die Geschäfte führen der dortige Nedschroef-Chef Stefan Tils, der langjährige Beckinger Werksleiter Bosch und als Finanzchef Wolfgang Schäfer. Gerade auch die Einbindung von Jörg Bosch in die neue Geschäftsführung wertet Gewerkschafter Lesch als Beleg dafür, dass Nedschroef es mit einem langfristigen Engagement ernst meint.

In der Belegschaft ist der Optimismus jedenfalls groß: „Jeder freut sich, dass wir zu Nedschroef gekommen sind“, beschreibt Konstruktionsleiter Jürgen Doerfert die Stimmung.
 

 

Meinung:
 

Endlich ein seriöser Besitzer

Von  Volker Meyer zu Tittingdorf

Endlich hat die Beckinger Schraubenfabrik einen langfristig orientierten Eigentümer. Nedschroef ist von anderem Kaliber als die dubiosen Investoren, die die Belegschaft erdulden musste. Jeder investierte nur das Nötigste und zog Geld raus. Die schlimmste Heuschrecke war Whitesell. Deren Misswirtschaft hatte einen enormen Verlust an Arbeitsplätzen zur Folge, der zum Glück dank des Einsatzes von Land und Gewerkschaft abgefedert werden konnte. Ned schroef dagegen ist zuzutrauen, die Schraubenfabrik wieder zu einem Top-Standort zu machen.

 

Zum Thema:

Der niederländische Nedschroef-Konzern hat aus der insolventen Whitesell-Deutschland-Gruppe neben dem Beckinger Werk auch den Standort Schrozberg (Baden-Würrtemberg) mit 140 Mitarbeitern übernommen. Nedschroef gehört zur chinesischen Shanghai Prime Machinery Company, hat nach eigenen Angaben 2014 einen Umsatz von 551 Millionen Euro erzielt und beschäftigt weltweit rund 2000 Mitarbeiter, davon die Mehrzahl in Deutschland. mzt
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