L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Priorität: Dringend

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Neuankömmlinge in Lebach: Zwischen Ruhe und Betriebsamkeit

Das DRK-Schild an ihrer Brust wirkt am Montagmorgen wie ein Magnet für viele syrische Flüchtlinge. Und alle, wirklich alle haben hier ein dringendes Anliegen. Im Nu ist Jihan Hamo umringt von besorgt dreinblickenden Männern: Einer braucht wegen eines schmerzenden Beins schnellstmöglich einen Arzt, ein anderer Unterstützung bei der Registrierung, ein Dritter benötigt Übersetzungshilfe bei Formalien. Rund 146 Menschen sind allein seit dem späten Sonntagabend in Bussen angekommen, knapp 100 von ihnen am frühen Montagmorgen. In der Nacht zu heute wurden weitere drei Busse mit insgesamt 150 Syrern erwartet.

Manche Flüchtlinge kommen wiederum per Zug oder werden von Verwandten und Bekannten in München abgeholt. So auch Ismael Hamid (35) und die kleine Roha (10), Mohammed Nassan (41) und Mohammed Habasch (28), die ein Homburger Freund nach Lebach gebracht hat. Wie die meisten Syrer hier haben auch diese Kurden aus Aleppo eine Odyssee über die berüchtigte Balkanroute hinter sich: Eine riskante Fahrt mit dem Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland, von dort aus weiter nach Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich, München und schließlich Lebach. Sie sind nicht die Einzigen, die von Schikanen durch die Behörden in Mazedonien und von Misshandlungen durch die Polizei in Ungarn berichten. „Man hat uns ins Gefängnis gesteckt, und man hat uns geschlagen“, erzählt Bauingenieur Nassan auf Englisch, während er mit seinem Finger über den Hinterkopf fährt. Auch seine Begleiter weisen auf Reste von Blessuren – am Kopf und direkt über der Augenbaue. In Österreich und Deutschland endlich erfuhren die Kurden kompetente Hilfe. In Lebach wollen sie nun ein wenig zur Ruhe kommen.

Das will auch Mazen Mahmoud Al-Ali. Der 25-jährige Sprach-Lehrer erzählt in reinstem Oxford-Englisch, wie er vor einem Jahr aus Syrien geflüchtet ist – zusammen mit seinem Bruder, der an der syrisch-türkischen Grenzen erschossen wurde. Auch Al-Ali hat die strapaziöse Balkanroute hinter sich und steht nun mit einem neuen, leicht vergilbtem Hemd aus dem Kleidercontainer am Rande eines Pulks von jüngeren Männern, die am späteren Morgen vor einem Gebäude auf die Registrierung warten. Und auch er spricht von Schlägen durch die ungarische Polizei , als er sich weigerte, seinen Fingerabdruck zu geben. „Meine Brille ist dabei zu Bruch gegangen“, erzählt er und zeigt einen zerbrochenen Nasensteg. Ein paar Stunden hat er inzwischen geschlafen: „Als wir ankamen, bekamen wir sofort etwas zu essen und einen Platz zum ruhen“, sagt Al-Ali zufrieden.

Ruhen, das wollen viele hier erst einmal. Trotz der großen Betriebsamkeit, die überall herrscht, schlafen einige Neuankömmlinge in einem der großen winterfesten Zelthallen auf doppelstöckigen Pritschen tief und fest. In einer anderen Halle sind syrische Familien untergebracht. Mit Wolldecken vor den Stockbetten versuchen sie, sich einen Rest an Privatsphäre zu sichern.

Am Kleider- und am Hygieneartikel-Container herrscht Gedränge. Mit ihrer Kollegin Heidi Merten gibt Marliese Kany Babyartikel und Schampoo heraus – was eigentlich allerdings erst nach der Registrierung mit einer Ausweis- und Bezugskarte möglich ist. Mit der Verständigung tut sich die freundliche Helferin bisweilen schwer, denn die meisten Flüchtlinge sprechen weder Englisch noch Deutsch. „Wir bräuchten hier einfach noch mehr Dolmetscher“, sagt sie seufzend. Bei allem Bemühen um Professionalität ist eben auch immer wieder mal Improvisation angesagt.

Medizinische Hilfe leisten – neben syrischen Medizinern – auch Ärzte aus der Region: Unter anderem Gynäkologen und Kinderärzte haben einen freiwilligen ständigen Dienst eingerichtet. Auch die Bundeswehr ist an diesem Morgen zur Stelle: Seit sechs Uhr versorgen Rettungsassistenten von der Luftlandesanitätskompanie Merzig den Neuzugang.

Manche Flüchtlinge zeigen derweil ganz offen ihre Dankbarkeit: „Nirgendwo habe ich so viel Lächeln gesehen“, sagt Ghanem Islam (32), der bereits seit längerer Zeit in Lebach ist.

 

Zum Thema:

HintergrundIm Bistum Trier werden derzeit 40 von Kirchengemeinden zu Verfügung gestellte Unterkünfte zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Bistumssprecher Andre Uzulis sagte gestern, die Gemeinden seien aufgefordert, weitere Unterkünfte anzubieten. Papst Franziskus hatte am Sonntag alle Pfarreien, Klöster und religiösen Gemeinschaften aufgerufen, jeweils eine Familie aufzunehmen. Das Bistum wolle für die nächsten fünf Jahre mit dem Caritasverband zusätzlich acht Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung stellen. kna
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