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Neubau von Fechinger Talbrücke wahrscheinlich

Die Fechinger Talbrücke auf der A 6 hätte laut Saarländischem Landesbetrieb für Straßenbau jederzeit einstürzen können. Foto: Becker&Bredel

Die Fechinger Talbrücke auf der A 6 hätte laut Saarländischem Landesbetrieb für Straßenbau jederzeit einstürzen können. Foto: Becker&Bredel



Nach der Sperrung der Fechinger Talbrücke auf der A 6 trifft sich heute erstmals eine von der saarländischen Verkehrsministerin Anke Rehlinger ( SPD ) gebildete „Taskforce Brücken “. Sie soll die Verkehrsumleitungen koordinieren und die vorerst provisorische Verstärkung der Brückenkonstruktion planen. Die Talbrücke, die zuletzt täglich mehr als 40 000 Fahrzeuge passiert hatten, war am vergangenen Donnerstag wegen statischer Mängel voll gesperrt worden (wir berichteten).

Die provisorische Instandsetzung könnte bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, wie Ministeriumssprecher Wolfgang Kerkhoff gestern der SZ mitteilte. Bis dahin sollen auch Planungen für einen Ersatzneubau der Brücke vorangetrieben werden. Ob dieser am Ende tatsächlich nötig ist oder ob bereits die instand gesetzte Brücke eine langfristige Verkehrsbelastung aushält, ist noch offen. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Neubau wahrscheinlicher“, sagte Kerkhoff. Ein Neubau würde jahrelange Umleitungen und Verkehrsbehinderungen nach sich ziehen. An dem von Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke ( SPD ) geleiteten Treffen der „Taskforce Brücken “ sollen Experten des Landesbetriebs für Straßenbau (LfS) und der Obersten Straßenbaubehörde sowie Polizei und Verkehrsplaner teilnehmen.

Weshalb die Fechinger Talbrücke nicht auf einer Liste aufgeführt wird, die das Bundesverkehrsministerium im Jahr 2010 zur (unter anderem) statischen Überprüfung von älteren Brückenbauwerken erstellt hatte, beherrscht weiter die Diskussion. Denn die in der „Strategie zur Ertüchtigung der Straßenbrücken im Bestand der Bundesfernstraßen“ genannten Prüfkriterien des Bundesverkehrsministeriums betreffen auch die Fechinger Talbrücke. Allerdings, so hieß es gestern von Seiten des Ministeriums, sei die Talbrücke nach diesen Kriterien und einem entsprechenden Punktesystem der Priorisierung „nicht als problematisch, also als ,vorrangig zu untersuchen' eingeschätzt worden“. Aufgenommen worden waren in die Liste 43 Brückenbauwerke im Saarland.

Aufgefallen waren die statischen Mängel der Brücke nur deshalb, weil das Saar-Verkehrsministerium jenseits der Prüfliste des Bundes „glücklicherweise zusätzliche Untersuchungen an anderen Autobahnbrücken veranlasste“, wie Ministeriumssprecher Kerkhoff erklärte. Für die unter Denkmalschutz stehende Fechinger Talbrücke wurden so im vergangenen Jahr zwei Gutachten in Auftrag gegeben. Als deren (identische) Ergebnisse am vergangenen Donnerstag Verkehrsministerin Rehlinger präsentiert wurden, „veranlasste diese knapp 20 Minuten später die Vollsperrung“, so Kerkhoff. Den Gutachten zufolge hätte ein Brückenpfeiler ohne Vorankündigung einknicken und die Brücke einstürzen können.

Statisch überprüft werden sollen nun auch hunderte andere Autobahnbrücken im Saarland, die vor 1985 gebaut wurden und nicht auf der Prüfliste des Bundes stehen. Laut Ministerium „gibt es davon im Saarland eine dreistellige Zahl“. Diese Brücken würden nun nach und nach untersucht – zuallererst diejenigen, bei denen es Hinweise auf Risiken gebe. Dass es auch bei diesen Brücken aufgrund der Prüfergebnisse zu einer Vollsperrung kommen könnte, sei nicht auszuschließen.

Rehlinger mahnte an, die bestehenden Prüfkriterien des Bundes für Brückenbauwerke in Deutschland zu überdenken. Es sei fraglich, ob alle Brückenbautypen im Bewertungskatalog des Bundes ausreichend berücksichtigt werden. Oppositionspolitiker forderten derweil von der Landesregierung Aufklärung darüber, weshalb die statischen Mängel an der Fechinger Talbrücke so lange unentdeckt bleiben konnten. „Es darf nicht sein, dass durch den Sanierungsstau infolge der leeren öffentlichen Kassen die Sicherheit der Autofahrer in unserem Land bedroht ist“, erklärte Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine . FDP-Landeschef Oliver Luksic teilte mit, die Landesregierung müsse erklären, wieso es jetzt zu einer Vollsperrung durch statische Mängel ohne Vorwarnung komme.

Die Grünen forderten die Landesregierung dazu auf, „schnellstmöglich die planerischen, rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für einen Ersatzneubau zu schaffen“. Generalsekretär Markus Tressel forderte Bund und Land zudem auf, andere Baumaßnahmen, die Aufschub duldeten, zurückzustellen. Die planerischen und finanziellen Mittel müssten nun auf die Fechinger Talbrücke konzentriert werden.



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