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Neue Chance für den Kirchgarten

Der Garten liegt mittendrin, fällt aber kaum auf und ist aus dem Bewusstsein vieler verschwunden.

Der Garten liegt mittendrin, fällt aber kaum auf und ist aus dem Bewusstsein vieler verschwunden.

Stell dir vor, in einer großen Stadt wird ein Park geschlossen – und keiner merkt es. Was unvorstellbar erscheint, ist mitten in Saarbrücken geschehen. Seit dem letzten Winter ist der Garten an der Saarbrücker Johanneskirche für niemanden mehr zugänglich. Die sieben goldfarbenen Tore sind mit Schlössern versehen. Bis dahin war der Kirchgarten immerhin tagsüber ein paar Stunden geöffnet gewesen.

 

Dass nach der Schließung ein öffentlicher Aufschrei ausblieb, deutet schon darauf hin, dass der „Paradiesgarten“ aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden sein muss. Da er ohnehin öfter verschlossen als geöffnet war, suchten immer weniger Leute den Weg dorthin. Und die benahmen sich zum Teil alles andere als zivilisiert. Zuletzt wurde die kleine grüne Oase derart massiv durch Fäkalien sowie Drogenspritzen verdreckt, dass den Mitarbeitern des städtischen Gartenamtes die Pflege nicht mehr zumutbar war. Amtsleiterin Carmen Dams stellte sich schützend vor ihre Leute und machte den Garten für die Allgemeinheit dicht. Er gehört zwar der evangelischen Kirche, für die Instandhaltung ist aber die Stadt zuständig. Die Schlüsselgewalt und Aufsicht übten neben Mitarbeitern der Kirche auch engagierte Nachbarn aus. Einige sind inzwischen aber verstorben oder fortgezogen.

 

2003 war der Garten für annähernd 300 000 Euro plus eine ähnliche Summe für die Gestaltung des Kirchenumfeldes in der Cäcilienstraße neu angelegt worden. Er trat zur allgemeinen Erleichterung an die Stelle eines verwahrlosten Grünstreifens, der als Eintrittstor zum Nauwieser Viertel eine Zumutung war. Auch dank bürgerschaftlichen Engagements kam es nicht zu einer Beton-Einfassung mit Pergola, sondern zu dem bis heute noch glänzenden, auch preisgekrönten Entwurf des Büros Wandel-Hoefer-Lorch und der Landschaftsarchitekten Hegelmann + Dutt. Allein die Hoffnung von damals, dass der Garten von jedermann sauber gehalten werde, erfüllte sich nicht. Weder ein bis zuletzt tätiger Wachdienst noch die sporadische Präsenz der Polizei oder die wachen Augen der Nachbarn konnten die Verdreckung verhindern. Es sei nie gelungen, so etwas wie „soziale Kontrolle“ hinzubekommen, bedauert die Bezirksbürgermeisterin Christa Piper. Die SPD-Politikerin will dafür kämpfen, dass der Garten wieder geöffnet werden kann: „Alle Bürger sollten hier verweilen können, und zwar friedlich, ohne sich belästigt und bedroht zu fühlen.“ Pfarrer Herwig Hoffmann wünschte sich das ebenfalls, weiß aber auch nicht, wie das gelingen soll, ohne die Zustände der Vergangenheit erneut heraufzubeschwören.

 

Es hat sich jedenfalls im Rathaus, das in Sichtweite liegt, eine Gruppe auch führender Mitarbeiter gebildet, um über die Zukunft des Gartens zu beraten. Eine öffentliche Diskussion wurde noch nicht angestoßen. Wie zu erfahren war, ist daran gedacht, Mobiltoiletten aufzustellen. Oder könnte man den Garten durch „Bespielen“ mit Getränkeausschank und Kultur so beleben, dass die soziale Kontrolle wieder Einzug hielte? Man darf auf erste Ergebnisse gespannt sein.
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