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Neue Gastronomiepläne im Saarbrücker Nauwieser Viertel sorgen für Diskussion

„Wie schön ,dass der ,Kasten' nicht mehr leer ist“, findet Heike Klein. Gemeint ist das ehemalige Canapé-Gebäude. Dass dessen Eigentümer, die Saarbrücker Firma „m&r“ baut das Haus gerade zum Restaurant mit Tagungsräumen und einem Laden für regionale Produkte um (SZ berichtete). Klein erhofft sich wie so mancher, der ein Geschäft in der Nachbarschaft betreibt, dass so „das Viertel auch tagsüber belebt“ wird.

Wie Klein diskutieren viele Viertler auf der Straße, in den Kneipen und in Internetforen über das neue Projekt. Die Begeisterung ist dabei nicht immer so groß. „Die Stadt trägt aktiv zur Gentrifizierung des Viertels bei, indem sie das Kneipensterben aktiv vorantreibt und das Viertel zu dem machen will, was es nie war: ein ruhiges Wohnquartier für Besserverdienende“, schreibt etwa Torsten Haase. Und Jochen Graeser, selbst Wirt am St. Johanner Markt, stellt eine Frage, die sich viele stellen: „Wieso kann hier eine Gastronomiegenehmigung erteilt werden, obwohl das wenige Meter entfernte ,Esszimmer' lange Zeit erfolglos um eine solche gekämpft hat?“

Stadtsprecher Robert Mertes beantwortet die Frage mit Blick auf den Bebauungsplan. 2013, als fürs ehemalige Canapé-Gebäude eine Bauvoranfrage gestellt wurde, befand es sich im „Mischgebiet M1“. Dort seien Gastronomiebetriebe zulässig. Dort wo das ehemalige Theater im Viertel stand und das „Esszimmer“ als neue Kneipe gewünscht wurde, befinde sich ein „besonderes Wohngebiet“. In solchen Gebieten sei Gastronomie nur zulässig, „wo bisher schon Gastronomie betrieben wurde“, sagt Mertes. Im neuen Bebauungsplan, an dem die Stadt gerade arbeitet, sei zwar auch dort, wo das Canapé war, künftig keine Gastronomie mehr möglich, sagt Mertes. Aber man habe eben schon 2013 die Genehmigung erteilt, es bestehe also „Bestandsschutz“.

Aber wieso denn dann die Stadt dem Zwei-Sterne-Restaurant „Le Noir“ den Umzug in das Gebäude verweigert hat, wird in einem Internetforum gefragt. Und der SPD-Stadtverordnete Thomas Kruse antwortet: Die Genehmigung aus dem jahr 2013 sei eigentlich fürs „Le Noir“ gewesen. Das Projekt sei aber dann nicht zustandegekommen.

Und dann ist da noch die Sache mit der Raucher-Lounge im Keller des Restaurants. Diesen Plan, sagte „ „m&r“-Chef Michael Zimmer gestern, habe man aufgegeben. Im Keller werde man Pizza und Flammkuchen servieren .

 

Meinung:
 

Viertel braucht Bewegung

Von SZ-RedakteurMartin Rolshausen

Es ist knapp fünf Jahre her, da sagte der Grünen-Politiker Thomas Brück : „Wir wollen keinen weiteren Arschloch-Magneten.“ Und er erklärte: Es solle möglichst nichts im Viertel entstehen, was „noch mehr Schickimicki“ anzieht. Brück ist vorsichtiger geworden, was die Wahl der Worte angeht, schließlich ist er inzwischen Umwelt- und Rechtsdezernent mit der Ambition, auch das Kulturdezernat zu übernehmen – also Teil einer Stadtverwaltung, die etwas getan hat, was nicht wenige im Viertel als Schickimickisierung betrachten: Sie erlaubt, dass im Haus zwischen Ophüls- und Kinderspielplatz gehobene Gastronomie und Tagungsräume für Firmen entstehen.

Von Gentrifizierung ist die Rede, also davon, dass wohlhabende weniger wohlhabende, womöglich sogar arme Menschen vertreiben. Dieser Prozess wird allerdings nicht durch ein neues Gastronomieprojekt ausgelöst, er läuft seit Jahren. Darüber, ob dadurch, dass nun ein lange leerstehendes Gebäude neu belebt wird, alles noch schlimmer wird, kann man streiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das neue Projekt dem Viertel gut tut, ist hoch. Auf jeden Fall wird das Viertel auch dieses Projekt ganz gut aushalten.

Fatal wäre es allerdings, wenn die Politik nun den Sack zumacht und nichts Neues mehr zuzulässt im Viertel. Wenn die Nauwies nämlich ein kreatives Viertel bleiben will, ein Ort, der spannender ist als andere in der Stadt, dann braucht es Räume, in denen neue Ideen, auch neue Gastronomie-Konzepte, ausprobiert werden können.

Wenn der Plan lautet, möglichst enge Grenzen zu ziehen, anstatt viele neue Möglichkeiten zu eröffnen, dann wird das Viertel an Attraktivität verlieren – mittelfristig auch für die Wohlhabenden.

Und es werden sich Chancen für andere Stadtviertel bieten, zu den spannenden Orten zu werden, an denen Saarbrücken neu erfunden wird.
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