A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis Zwischen AS Völklingen-Wehrden und AS Wadgassen Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn (Kantholz) (11:21)

A620

Priorität: Sehr dringend

19°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
19°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Neue Konzepte gegen WC-Not in der Innenstadt

Seit Stunden hat die ältere Dame nichts mehr getrunken. Weil sie gleich einkaufen will – und man in den Läden oft keine Toilette findet. Dabei sei ihre Bekannte mit Mitte 70 eine agile Frau, sagt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen. Doch spontanes Shopping nach Kaffee und viel Flüssigkeit sei für sie nicht mehr denkbar. Dafür gebe es in Fußgängerzonen und Supermärkten zu selten saubere öffentliche Toiletten.

Nach Angeben des Statistischem Bundesamts werden im Jahr 2030 rund 28 Prozent der Bürger Senioren sein. Sie sind zwar so mobil und gesund wie nie zuvor, doch ohne Toilette in der Nähe fühlen sich viele nicht wohl. „Sie können den Urin einfach nicht so gut zurückhalten“, erklärt Lenz.

Die ersten Großstädte haben das Problem erkannt – und erarbeiten Klo-Konzepte. Der Berliner Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel ( SPD ) will neu eröffnende Supermärkte verpflichten, Kundentoiletten einzurichten – und zwar schon ab einer Größe von 300 Quadratmetern, wie sie etwa viele Discounter haben. Bereits jetzt gibt es in Berlin Baugenehmigungen für sie nur mit entsprechender Klo-Planung.

Große Warenhäuser und Supermärkte haben bereits Kundentoiletten – allerdings freiwillig. „Bei einer bestimmten Größe erwarten wir das auch“, sagt Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg. Von den neuen Konzepten ist der Handel aber nicht begeistert: „Die öffentliche Hand lässt ihre eigenen Aufgaben durch andere erledigen“, klagt Busch-Petersen.

Andere Großstädte denken derweil über Aufwandsentschädigungen nach. In München schlägt die SPD vor, dass Wirte von Lokalen, die der Nähe von Spielplätzen liegen, ihre Toiletten für Nicht-Kunden öffnen. „Nette Toilette“ heißt das Konzept – und verspricht eine finanzielle Hilfe von der Stadt. Auch Köln sucht die Zusammenarbeit mit Restaurants. „Statt auf neue Vorschriften und Zwang setzen wir bislang auf Überzeugungsarbeit gegenüber Investoren“, sagt Baudezernent Franz-Josef Höing. Beim Projekt „Happy Toilet“ stellen Restaurants und private Unternehmen ihre Toiletten ohne Kauf- oder Verzehrzwang zur Verfügung.

In der Touristenmetropole Trier ist man ebenfalls dabei, ein neues „Toilettenkonzept“ zu entwickeln. Die Idee, Geschäfte oder Gaststätten einzubinden, wird dabei auch in Deutschlands ältester Stadt erwogen. „Konkret ist die Sache aber noch nicht“, sagt Pressesprecher Hans-Günther Lanfer zur SZ. Ganz anders in Saarbrücken: „Es gibt keine Überlegungen, Wirte und Einzelhändler in der Stadt zu bitten, ihre Toilette nicht zahlenden Gästen zur Verfügung zu stellen“, sagt Pressesprecher Thomas Blug.

Dabei können nicht nur Ältere von mehr öffentlichen Örtchen profitieren. Kinder und schwangere Frauen müssten ebenfalls häufig auf die Toilette, betont Ursula Lenz von der Seniorenvertretung. Und ergänzt: „Den Kaffee spürt doch eigentlich jeder mal.“
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein