A8 Saarlouis Richtung Neunkirchen Zwischen AS Heusweiler und Kreuz Saarbrücken Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn, Gefahr durch defektes Fahrzeug totes Tier auf der Überholspur (21.11.2017, 23:34)

A8

Priorität: Sehr dringend

9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Neue Sexualkunde im Saarland: Das sagt die Elternvertretung

Wie beurteilen Sie den Entstehungsprozess der neuen Richtlinien für die Sexualerziehung an saarländischen Schulen? Wurde die Gesamtlandeselternvertretung (GLEV) dabei eingebunden, welche Vorschläge oder Veränderungswünsche hat die GLEV dabei unterbreitet? Wurden diese Vorschläge auch berücksichtigt? Iversen: Die GLEV wurde vor Erlass der Richtlinien angehört. Die LEV Gemeinschaftsschulen hat sich des Entwurfes angenommen und Änderungsvorschläge unterbreitet. Diese beinhalteten in erster Linie sprachliche Klarstellungen, eine Stärkung der elterlichen Einbindung sowie eine Verschiebung der Themen innerhalb der Klassenstufen. Teilweise wurden diese Vorschläge umgesetzt, gerade was die elterliche Einbindung angeht.

Wie beurteilen Sie die neuen Sexualerziehungs- Richtlinien? Was ist gelungen, was fehlt, was findet nicht Ihre Zustimmung? Iversen: Angesichts geänderter Moralvorstellungen war eine Anpassung der Richtlinien unausweichlich, insbesondere hinsichtlich der Präsenz der Sexualität in den Medien und der Toleranz gegenüber jeglicher sexuellen Orientierung. Über einzelne Punkte kann man inhaltlich immer streiten, insbesondere in welchem Alter welches Thema besprochen wird. Man muss da aber auch Gelegenheit geben, eine Entwicklung abzuwarten und dann gegebenenfalls zu korrigieren. Insgesamt beinhalten die Richtlinien ein umfassendes Spektrum, dem im Grunde jeder in der Sache zustimmen kann. Persönliche Präferenzen müssen da auch mal zurückstehen.

Der Kinderschutzbund rät dringend dazu, dass die Schulen Sachverständige von außen etwa von Pro Familia einladen, damit die Lehrer nicht in der Vermittlung des Sexual-Themas in einen Rollen-Konflikt geraten. Stimmen Sie dieser Sichtweise zu? Iversen: Bei Sexualität von Sachverständigen zu sprechen ist begrifflich schon äußerst unglücklich, es geht hier schließlich nicht um die Ermittlung eines Kfz-Restwertes. Grundsätzlich ist die Mitwirkung sachkundiger Stellen wünschenswert, aber nicht unbedingt im direkten Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern. Sexualität ist etwas sehr Individuelles, das mag man nicht mit jedem besprechen. Lehrerinnen und Lehrer genießen gegenüber Außenstehenden doch etwas mehr Vertrauen seitens der Schülerschaft, insofern sollte dieses Thema auch durch diese Vertrauenspersonen besprochen werden. Wichtig ist aber eine Mitwirkung dieser Stellen in den entsprechenden Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer und deren Bereitschaft, auf Anregungen seitens der Eltern und sachkundigen Stellen einzugehen und diese auch zu transportieren.

Der Lesben- und Schwulenverband im Saarland will selbst Vertreter in die Schulen entsenden, um Ängste, Vorurteile oder Aggressionen gegen andere als heterosexuelle Lebensweise abzubauen. Wie beurteilen Sie dieses Angebot des LSVD Saarland? Iversen: Denjenigen, gegenüber denen diese Vorurteile bestehen, gelingt es selten, diese Vorurteile abzubauen. Auch hier gilt, dass außerhalb der Schule stehende Personen nicht dieses Vertrauen genießen. Abgesehen davon, Toleranz beweist sich im Alltag, nicht in abgeschlossenen Klassenräumen. Wenn die Schülerinnen und Schüler diese Toleranz im Alltag nicht vorgelebt bekommen, nützt die Vermittlung in der Schule wenig. Außerdem könnte ja dann jeder Interessenverband einen entsprechenden Anspruch geltend machen. Schule soll möglichst neutral und objektiv sein und das sind Interessenverbände, egal welcher Art, eben nicht.

Dass Hetero-, Bi-, Homo-, Trans- und Intersexualität gleichwertige Ausdrucksformen menschlichen Empfindens sind, wie die Richtlinien sagen, kann zu Konflikten mit andersdenkenden Eltern, Lehrern und Schülern führen. Wie soll sich eine Schule in einem solchen Konflikt verhalten? Iversen: Die Frage ist nicht, wie sich die Schule verhalten soll, sondern wie sie sich verhalten kann. Sie kann nur einwirken und berücksichtigen, die Sexualerziehung ist klassisches Elternrecht. Da stehen die Eltern auch in der entsprechenden Verantwortung. Dass da unterschiedliche Sichtweisen kollidieren ist abzusehen, aber es gibt keine allgemeinverbindliche Lösung. Das muss in jedem Einzelfall auf kommunikativem Weg gelöst werden. Gegen erkannte Diskriminierungen muss die Schule natürlich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten einschreiten.

Sexualerziehung soll laut Richtlinien zur Liebes- und Lustfähigkeit führen und Einstellungen fördern, die zur Entwicklung einer verantwortlichen Partnerschaft auch im Hinblick auf Fragen der Familienplanung führen. Sind die Lehrer nach Ihren Erfahrungen auf die Aufgabe bestens vorbereitet? Iversen: Es ist kaum vorstellbar, dass die Lehrerschaft angesichts immer weiter wachsender im Grunde schulfremder Aufgaben gerade hier „bestens“ vorbereitet werden kann. Auch hier stehen die Eltern in der Pflicht. Es gibt ja auch noch das Kerngeschäft Unterricht, das sollte nicht vernachlässigt werden. Was die Familienplanung angeht, wird dies sicherlich Bestandteil des bereits stattfindenden Unterrichts sein, ob Liebesund Lustfähigkeit Gegenstand des Schulunterrichts sein kann, darf eher bezweifelt werden. Das selbst zu erfahren und zu entwickeln ist Bestandteil des Erwachsenwerdens. Und erwachsen wird jeder für sich.
 

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein