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Neue Technik sichert ZF-Jobs im Saarland

Weltpremiere für das neue Acht-Gang-Automatgetriebe von ZF Saarbrücken: Gestern lief die Serienanfertigung an. Bis Ende 2010 sollen schon 200.000 der neuen Getriebe vom Band laufen. Erster Kunde: BMW. Europaweit gibt es schon weitere Interessenten.


Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Saarbrücken. Nach knapp fünfjähriger Entwicklungszeit ist gestern auf dem ZF-Gelände an der Goldenen Bremm das erste Acht-Gang-Automat-Getriebe in Serienfertigung vom Band gelaufen. Nach Angaben des Vorsitzenden der Saarbrücker ZF-Geschäftsführung, Gerhard Wagner, handelt es sich um eine Weltneuheit. Das Getriebe senke den Kraftstoffverbrauch um mindestens sechs Prozent und den Schadstoffausstoß von C02 erheblich. Gleichzeitig werde mehr Fahrkomfort und Dynamik erreicht.
Das Getriebe wird zunächst in den BMW 760 I Zwölf-Zylinder eingebaut. Bereits 2010 folgten eine ganze Reihe von Mittelklasse-Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller, so Wagner. Das neue Produkt werde bei allen Kunden eingeführt, die heute noch das ZF-Sechs-Gang-Getriebe aus Saarbrücken einbauen. Dies sind unter anderem auch VW, Audi, Jaguar und Landrover. Darüber hinaus liefen bereits weltweit Gespräche mit möglichen weiteren Kunden .

Das Acht-Gang-Getriebe soll innerhalb der kommenden drei Jahre die bisherige Sechs-Gang-Produktion in Saarbrücken komplett ablösen. ZF plane dabei, die komplette Belegschaft von 5300 Mitarbeitern zu halten und die Produktion durch das neue Produkt für die kommenden zehn Jahre abzusichern. Die Kurzarbeit werde voraussichtlich noch bis September weitergehen. Dann werde erneut die Entwicklung auf dem Automobilmarkt geprüft.
Wie ZF-Geschäftsführer Wagner und Betriebsrat Wolfgang Schuler weiter erklärten, wurde am Saarbrücker Standort inzwischen ein Solidaritätsfonds eingerichtet, in den das Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter Geld einzahlen. Damit sollen die Folgen der Kurzarbeit für Härtefä lle abgemildert werden. Auch Tariferhöhungen und bestimmte Gewinnzahlungen fließen mit ein. Der Fonds soll bis Frühjahr 2010 laufen.




Spitzentechnologie auf kleinstem Raum


ZF Saarbrücken schickt Acht-Gang-Automat-Getriebe in Serie – BMW erster Kunde
Nach fünfjähriger Entwicklungszeit ist gestern auf dem Saarbrücker ZF-Gelände das erste Acht-Gang-Automat-Getriebe vom Band gelaufen. Es soll als Weltneuheit für viele Jahre Beschäftigung sichern.

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia


Saarbrücken. Jérome Bernardi (48) aus Stiring-Wendel strahlt übers ganze Gesicht. Er ist mächtig stolz, hat gerade seine Unterschrift geleistet. Auf etwas äußerst Ungewöhnlichem: einem Getriebe. Viele aus der Frühschicht signieren die saarländische Weltneuheit ebenfalls. Alle 5300 Beschäftigten im ZF-Werk Saarbrücken, von den Entwicklern über die Führungsebene bis hin zu den Mitarbeitern am Band, haben dies em Augenblick entgegengefiebert. Auch Betriebsrat Wolfgang Schuler zeigt sich erleichtert: „Die Belegschaft war und ist flexibel. Sie trägt das Projekt Acht-Gang-Automat-Getriebe voll mit.“ Nach fünfjähriger Entwicklungszeit, unzähligen Tests und ausführlichen Qualitäts-Prüfungen geht an diesem Mittwochmorgen endlich das erste Acht-Gang-Automat-Getriebe aus Saarbrücken in Serie. Eine Weltneuheit mit zahlreichen Innovationen. Das Getriebe wird in der kommenden Woche zunächst in den brandneuen BMW 760 I Zwölf-Zylinder eingebaut.

Eine kleine technische Revolution, die vom Saarland aus ihren Anlauf nimmt. Denn die Saarbrücker Tüftler, Techniker und Entwickler haben es geschafft, eine völlig neue Getriebe-Generation auf den Weg zu bringen. Das Acht-Gang-Automat-Getriebe senkt den Spritverbrauch nochmals um über sechs Prozent, verringert den Schadstoff-Ausstoß von CO2 erneut deutlich. Gleichzeitig sind Verbesserungen in der Fahrdynamik, Sportlichkeit, Sicherheit und Geräuscharmut gelungen. Verbesserungen, die auch die Herstellungskosten der Fahrzeuge positiv beeinflussen. Wie von ZF jetzt schon zu hören ist, wollen neben BMW offensichtlich zahlreiche weitere international renommierte Autohersteller rasch von der Saarbrücker Neuheit profitieren (siehe Interview).

Gerhard Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung von ZF Saarbrücken, und Werkleiter Hermann Becker sprechen angesichts des Starts der Serienproduktion übereinstimmend von einem historischen Tag. Auch Jérome Bernardi findet die passenden Worte: „Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir hier in Saarbrücken das weltweit neue Acht-Gang-Automat-Getriebe produzieren. Das bedeutet für mich, meine Familie und meine Kollegen ein Stück gesicherte Zukunft.“

Kaum zu glauben: Das gesamte Getriebe ist gerade mal 65,2 Zentimeter groß. Und enthält auf kleinstem Raum jede Menge Spitzentechnologie. So gibt ein kleines elektronisches Steuergerät, das im Getriebe sitzt, elektronische Impulse an ein weiteres hydraulisches Schaltgerät weiter. Dieses sorgt durch Öldruck dafür, dass die Radsätze, die im Kern des Getriebes sitzen, die gewünschten Gänge au tomatisch einlegen. Das elektronische Steuergerät ist zudem mit zahlreichen Sensoren im Auto verbunden. Es „unterhält sich“ mit dem ganzen Fahrzeug, vor allem mit dem Motor. Dadurch kann sich das Getriebe auf bestimmte Fahrsituationen selbstständig einstellen. Es erkennt automatisch, ob der Fahrer lieber sportlich oder ökonomisch fahren will. Entsprechend passt es sich an. Der Fahrer selbst bekommt von all dem nichts mehr mit. Seit 2006, der Einführung der zweiten Generation der derzeit noch gängigen Sechs-Gang-Automat-Getriebe, schaltet das Fahrzeug nach ZF-Angaben unterhalb der Wahrnehmungsgrenze. Für den modernen Fahrer sei heute ohnehin nicht mehr die Zahl der Gänge relevant, sondern nur noch das Fahrverhalten. Entsprechend modernste Lösungen könne ZF den Autoherstellern jetzt erneut anbieten.
ZF-Geschäftsführer Wagner widerspricht Skeptikern, die glauben, von den neuesten Getrieben profitierten nur Fahrer der Luxusklasse. Sehr schnell folge auch die Mittelklasse. Das Acht-Gang-Automat-Getriebe werde schon 2010 in ein breites Spektrum an Autos eingebaut.



Meinung


Mut zahlt sich auch aus

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Schon 2005 hat ZF mit der Arbeit an den neuesten Acht-Gang-Automat-Getrieben begonnen, die jetzt in Serie gehen. Damals war von der Wirtschaftskrise noch keine Rede. Was besonders zählt: ZF hat auch mit Beginn der Wirtschaftskrise die Neuentwicklung nicht gestoppt.
Allein das verdient schon großen Respekt. Die Unternehmensführung hat sich nicht beirren lassen. In der Chefetage wurde klar und auch mutig erkannt: Es gibt auch eine Zeit nach der Krise. Und in die will ZF nun mit seiner Weltneuheit und auch mit der gesamten Belegschaft starten. Das macht Mut und sollte jetzt auch Anlass für andere saarländische Unternehmen sein, sich wieder mit mehr Optimismus an Neuentwicklungen heranzuwagen. Eine kluge Unternehmenspolitik mit Visionen, die auf den Erhalt der Belegschaften setzt, ist der beste Weg aus der Krise. ZF und Ford, wo vor wenigen Tagen der Zuschlag für die künftige Produktion der gesamten Focus-Modelle erfolgt ist, sind Beispiele, die zeigen: Siegen Klugheit und Beharrlichkeit über hektischen Aktionismus, kann die Lösung der Krise besser gelingen.




„ZF-Standort Saarbrücken auf Jahre abgesichert“
Geschäftsführer Gerhard Wagner: Neues Acht-Gang-Automat-Getriebe spart Sprit


BMW ist der erste Kunde für das weltweit neue Acht-Gang-Automat-Getriebe von ZF, das gestern in Serie ging. Bis Ende 2010 sollen schon rund 200.000 der neuen Getriebe vom Band laufen, betonte der Vorsitzende der Saarbrücker ZF-Geschäftsführung, Gerhard Wagner, im Gespräch mit SZ-Redakteur Thomas Sponticcia.

Was ist die wesentliche Verbesserung, die das weltweit neue Acht-Gang-Automat-Getriebe von ZF aus Saarbrücken bringt?
Wagner: Mit der neuen Getriebe-Generation kann man mindestens sechs Prozent Kraftstoff einsparen und als Autohersteller noch umweltschonendere Fahrzeuge anbieten, die deutlich weniger CO2 verbrauchen. Die neuen Getriebe sorgen auch für noch mehr Fahrkomfort und Dynamik.

Warum nimmt ZF gerade in Krisenzeiten so viel Geld in die Hand, um das Acht-Gang-Getriebe zu verwirklichen?
Wagner: Wir investieren eine hohe dreistellige Millionensumme im Saarbrücker Werk. Unser Ziel ist es, mit den neuen Getrieben die Produktion und den saarländischen Standort für die nächsten zehn Jahre abzusichern. Wir wollen unsere 5300 Beschäftigten halten. Gleichzeitig wollen wir mit unserem neuen Produkt für die Autohersteller auch attraktiv sein in der Zeit nach der Krise.

Wie lange wird die Wirtschaftskrise noch dauern?
Wagner: Einen Aufwärtstrend sehe ich noch nicht, aber ein moderates Wachstum. Wir rechnen damit, dass es bis 2013 dauern wird, um wieder die Auftrags-Zahlen zu erreichen, die wir vor der Krise hatten.

Welche Kunden setzen auf die Acht-Gang-Automat-Getriebe?
Wagner: Wir werden das neue Produkt bei all unseren etablierten Kunden einführen, die heute unser Sechs-Gang-Automat-Getriebe einbauen. Unsere größten Kunden sind BMW, VW, Audi, Jaguar, Landrover. Darüber hinaus führen wir weltweit Gespräche.

In welchen Stückzahlen startet die Produktion?

Wagner: Wir starten mit 20.000 Getrieben. Bis Ende 2010 sind 200.000 eingeplant. Eine riesige Herausforderung. Das Werk ist ausgelegt für maximal eine Million Getriebe jährlich. Denkbar ist, dass diese Produktions-Zahl in den kommenden Jahren erreicht werden kann.

Wann ersetzt das Acht-Gang-Getriebe komplett das heutige Sechs-Gang-Getriebe?
Wagner: In etwa drei Jahren.

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