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Neuer Saar-Tatort: Einiges anders, manches besser, am Ende rätselhaft

. „Die folgende Sendung ist für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet.“ So heißt es im deutschen Fernsehen öfters mal, wenn nach 22 Uhr Thriller oder andere Filme mit expliziten Gewalt- und/oder Sexszenen laufen. Beim neuen „Tatort“ des Saarländischen Rundfunks geht es schon gleich am Anfang heftig zur Sache. Während in einem Hotel-Restaurant ein Leichenims abgehalten wird, treffen sich in einem Zimmer ein paar Etagen höher der verheiratete Bauingenieur Georg Weilhammer und seine Ex-Freundin Ruth. Sie reißen sich schon bald die Kleider vom Leib, schlucken Aufputschmittel und ab geht die Post. Bald kommt auch noch ein roter Schal ins Spiel – und plötzlich ist die Frau tot.

Weilhammer ist geschockt, denkt, er habe Ruth zu Tode stranguliert und kümmert sich per Telefon in seinem Wagen vor dem Hotel um die Entsorgung der Leiche. Dabei wird er von dem gehörlosen Ben beobachtet – und bekommt von dem geschickten Lippenleser alsbald eine SMS: „Ich weiß alles. Sie haben eine Frau umgebracht und die Leiche beseitigt.“ Ben fordert Schweigegeld. Damit will er seine ebenfalls gehörlose Freundin Ambra unterstützen, die in die USA reisen möchte. Doch der Traum zerplatz schnell, denn Ambra wird ermordet aufgefunden.

Im neuen SR-„Tatort“ haben Redakteur Christian Bauer, Regisseur Zoltan Spirandelli und Drehbuchautor Peter Probst (Grimmepreis für den Historienfilm „Die Hebamme – auf Leben und Tod“ und zuletzt hochgelobt für den Kinofilm „Luis Trenker – der schmale Grat der Wahrheit“) einiges gewagt. Der Fall spielt im Gehörlosenmilieu und drei Rollen, darunter auch die Hauptrolle des Ben, werden von gehörlosen Darstellern gespielt (Benjamin Piwko, Kassandra Wedel und Jessica Jaks). Zudem wird die Gebärdensprache, die hier ein zentrales Element ist, nicht untertitelt oder übersetzt. Dieses bewusste Spiel mit dem Thema Kommunikation und dem Anliegen, andere zu verstehen und selbst verstanden zu werden, ist durchaus reizvoll. Birgt allerdings auch die Gefahr, dass man als hörender Zuschauer seine Schwierigkeiten haben wird, dem Geschehen zu folgen und die eh schon komplizierte Gemengelage zu verstehen.

In „Totenstille“ ist auch sonst einiges anders und manches durchaus auch besser, als in den bisherigen Krimis mit Hauptkommissar Jens Stellbrink ( Devid Striesow ). Der eigenwillige Ermittler kommt nicht mehr so zerstreut-schusselig daher, ist deutlich seriöser gekleidet, macht allerdings immer noch, was er will. Das aber am liebsten alleine. So taucht seine Kollegin Lisa Marx (Elisabeth Brück) erstmals nach fast 40 Minuten auf und spielt auch in der Folge kaum eine Rolle. Und die zickige Staatsanwältin Nicole Dubois (Sandra Steinbach) hat nur eine einzige kurze Szene. Von einem Ermittler-Team kann also eigentlich keine Rede sein, wäre da nicht die neue Kommissaranwärterin Mia Emmrich (Sandra Maren Schneider), die frischen Wind ins eher lahme Saarbrücker Kommissariat bringt. Sie ist eine Bereicherung. Auch das Lokalkolorit kommt diesmal nicht zu kurz: Saar, Bürgerpark, Osthafen und einige andere Schauplätze werden in stimmungsvollen Bildern gezeigt.

Über das rätselhafte Ende dieses Falls aber wird es Diskussionen geben. Wer eine eindeutige Auflösung erwartet, hat das Nachsehen. Kann sich damit trösten, dass die Kommunikation manchmal eben ein Versuch bleibt. Und überhaupt: Muss man bei einem Krimi immer alles hundertprozent verstehen?

„Totenstille“ läuft im Rahmen des Ophüls-Festivals am Freitag, 22.15 Uhr, im Saarbrücker Kino Cinestar und am Sonntag, 20.15 Uhr, in der ARD

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