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Neuer e-Personalausweis im Saarland ein Flop



Saarbrücken. Ein Quantensprung sollte die Einführung des neuen Personalausweises am 1. November 2010 sein. Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) schwärmte, der digitale Ausweis sei „100 Mal sicherer“ als der alte. Dank eines Chips im Inneren, der Passfoto sowie Fingerabdrücke speichert, sollten Bürger im Internet Verträge und Urkunden unterzeichnen können. Darüber hinaus sollte der Ausweis im Scheckkartenformat Behördengänge überflüssig machen.



Bislang ist der ePerso jedoch ein Flop – auch im Saarland. „Wir führen darüber zwar keine Statistik, allerdings haben wir festgestellt, dass nur ein geringer Prozentsatz unserer Bürger die Online-Funktionen nutzen will“, sagt Klaus Hoen, Leiter des Bürgerbüros in Saarlouis. Die meisten der gut 3000 Saarlouiser, die den neuen Ausweis bisher beantragt haben, lassen die Zusatzfunktionen sperren und wollen auch keinen Fingerabdruck abgeben.

Ähnlich verhält es sich in Saarbrücken und in Homburg, wo ebenfalls nur wenige der 15.000 (Saarbrücken) und 3700 (Homburg) Antragsteller ihren ePerso im Internet benutzen wollen. Nur Merzig meldet mit 20 Prozent der rund 2500 Anträge einen vergleichsweise hohen, geschätzten Wert. „Offenbar haben die Bürger Sicherheitsbedenken. Sie fürchten, dass ihre Daten im Netz ausspioniert werden könnten“, nennt Jürgen Kruthoff, Sprecher der Stadt Homburg, einen möglichen Grund für die geringe Online-Nutzung des Ausweises.

Doch selbst wenn die Bürger ihre Bedenken über Bord werfen würden – im Netz könnten sie mit dem ePerso nicht viel anfangen: Bundesweit bietet der Personalausweis nur in einer Handvoll Kommunen neue Möglichkeiten, Behördengänge online zu erledigen. In Saarbrücken, Homburg, Merzig und Saarlouis sind für den digitalen Ausweis noch keine speziellen Angebote entwickelt worden – vor allem mangels Nachfrage. Auch die Wirtschaft hält sich zurück: Nur ein paar Dutzend Unternehmen besitzen das notwendige Zertifikat, um den Ausweis in ihre Online-Dienste einzubinden.
Für die Bürger rechnen sich die höheren Kosten des digitalen Ausweises somit nicht: Mit 28,80 Euro ist der neue Ausweis drei Mal so teuer wie der alte. Wer die Online-Funktionen nutzen will, braucht zudem ein Lesegerät. Und sichere, zertifizierte Leser gibt es erst ab 70 Euro.

Für die Kommunen bedeutet der ePerso sowohl personell als auch finanziell einen höheren Aufwand. In Homburg mussten neue Computer angeschafft werden, um die Ausweis-Anträge bearbeiten zu können. Auf 20.000 schätzt Sprecher Kruthoff die Kosten, gibt aber zu bedenken, dass die alten Rechner ohnehin bald ausgetauscht worden wären. Für Saarbrücken beziffert Sprecher Thomas Blug die Mehrkosten auf 15.000 Euro. Hinzu kommen längere Bearbeitungs- und Wartezeiten, so Blug: „Ein vierseitiges Formular muss ausgefüllt, Fingerabdrücke müssen abgegeben werden. Die Online-Funktionen sind zu aktivieren oder deaktivieren. Der Beratungsbedarf ist höher. Insgesamt ist die Bearbeitungszeit ungefähr drei Mal so lang wie früher.“
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