L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Neues Betreuungsmodell für Senioren: Land will „Späte Hilfen” installieren

Der Sprecher des Landesseniorenbeirates, Gerhard Ballas, will nicht unbescheiden und nicht ungeduldig sein. Viel sei schon geschafft, etwa die gesetzliche Verankerung der Institution kommunaler Seniorenbeiräte . In 18 von 52 Kommunen gibt es das ehrenamtliche Gremium schon, zusätzlich zu 32 Seniorenbeauftragten. Doch die Flüchtlingswelle hat nach Einschätzung von Gerhard Ballas den Prozess verlangsamt, die Kommunen hätten – „verständlicherweise“ – andere Dringlichkeiten als Seniorenpolitik . Dabei wäre es aus seiner Sicht das Vernünftigste, Wohnungsbauförderung für Senioren und Flüchtlingspolitik zusammenzudenken: „Wer jetzt günstigen Wohnraum für Flüchtlinge plant, sollte barrierefrei und altersgerecht bauen“, sagt Ballas und verweist auf die steigende Altersarmut.

Über den demografischen Wandel wird laut Ballas „viel geredet, aber es wird noch zu wenig getan“. In nur 15 Jahren wird der Anteil der über 65-Jährigen im Saarland von 22,1 Prozent auf 31,4 Prozent steigen. Jeder Dritte ist dann ein Senior. Auf einer Fachtagung, die der Landesseniorenbeirat zusammen mit dem Sozialministerium an diesem Donnerstag in Püttlingen veranstaltet, will Sozialministerin Monika Bachmann ( CDU ) über „gesellschaftspolitische Konsequenzen“ der Landesregierung sprechen. Wie das Ministerium der SZ bestätigt, wird sie dort unter anderem das Modell „Späte Hilfen“ vorstellen, das ähnlich wie die bereits etablierten „Frühen Hilfen“ funktionieren soll. Bei letzteren werden junge Familien in ihren Wohnungen von Familienhebammen besucht und von einem Netzwerk beraten und unterstützt. Nun sollen auch ältere Menschen in ihrem Umfeld eine umfassende Versorgungsplanung bekommen, einen Hilfe-Mix.

Der Seniorenbeirat hat noch weitere Punkte auf der Wunschliste. Etwa eine kostenlose Senioren-Wohnungsberatung für altersgerechte Umbauten, getragen von Verbraucherzentrale und Land. Auch sollte das Sozialministerium ein Förderprogramm für neue Wohnformen („Sorgende Gemeinschaften“) auflegen. Für vorrangig hält Ballas einen Eingriff in die Landesbauordnung: „Die Parklücken sind zu schmal für die immer breiter werdenden Autos. Nicht nur für ältere Menschen ist das Aussteigen eine Qual, auch für Eltern mit Kindern in Kindersitzen“, so Ballas. Städteplanerisch ließen sich, so Ballas, durch das Hinzuziehen von Senioren Fehlplanungen verhindern, etwa Kopfsteinpflaster, die nicht nur Menschen mit Rollatoren, sondern auch Mütter mit Kinderwagen strapazierten. Ballas: „Städte wollen doch auch zukünftig belebt bleiben. Dann müssen sie für Alte vorsorgen, Toiletten und Ruhezonen bieten.“

Ballas wirbt darüber hinaus für einen Bewusstseinswandel. Das Altersbild müsse endlich der Realität angepasst werden. Mit einer „Ruh-dich-aus“-Philosophie sei eine auf 30 Jahre verlängerte Ruhestandsphase nicht zu bewältigen. Modelle für ein aktives Alter seien rar. Ballas beobachtet immer noch Vorbehalte bei Lokalpolitikern gegenüber Seniorenbeiräten. Man fürchte ein „Hineinregieren“ und die Verkomplizierung von Abläufen. „Wir müssen eine Zulassungskultur schaffen“, sagt Ballas. Dann sei ein enormer ehrenamtlicher Schatz für die Gesellschaft zu heben. 40 Prozent der Älteren seien bereit, sich im Ruhestand zu engagieren, 15 Prozent würden sogar Verantwortung übernehmen.

Die Tagung am Donnerstag (9.30 bis 12.30 Uhr) in der Stadthalle Püttlingen ist für alle Bürger offen. Anmeldung unter Tel. (06 81) 5 01 34 83 oder per E-Mail: landesseniorenbeirat@soziales.saarland.de
   
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