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Neues Buch beleuchtet kritische Straßennamen im Saarland

Zeitzeugnis der 1950er Jahre oder Verklärung der Volksabstimmung 1935? Das Straßenschild der »Straße des 13. Januar

Zeitzeugnis der 1950er Jahre oder Verklärung der Volksabstimmung 1935? Das Straßenschild der »Straße des 13. Januar" an der Saarbrücker Ostspange.

„Alleine die Namensnennung ist ja schon Werbung.“ Gerhard Bungert ist bei der Präsentation seines neuen Buches „Straßen im Saarland“ immer noch verärgert. So unverfänglich der Titel ist, so ernst ist es Bungert: „Wir haben so viele Straßen, die nach Militaristen und Kriegstreibern benannt sind.“

Es mag überraschen, dass sich ausgerechnet Mundart-Autor Bungert dieses Themas angenommen hat. „Typisch saarländisch“ oder „Gudd gess“, unterhaltsam waren seine Bücher allemal, doch für die großen politischen Themen, dafür schien er nie zuständig. „Aber als ich 2010 vorschlug eine Straße nach dem Schriftsteller Manfred Römbell zu benennen, merkte ich, wie schwer das ist. Und gleichzeitig heißen die Straßen immer noch nach Hindenburg oder Moltke.“

Dabei ist das Thema gerade angesichts der wechselvollen Geschichte des Saarlandes durchaus ergiebig. Jeder neuen politischen Situation des Landes folgte auch immer eine neue „Umbenennungswelle“, wie Bungerts Co-Autor Rainer Freyer sagt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren Straßennamen nur Orientierungshilfen. Die Neunkircher Straße wies den Weg nach Neunkirchen, über die Dudweiler Straße ging es nach Dudweiler. „Erst dann wurde es zu einer Ehre für den Namensgeber“, sagt Freyer. Nach wem die Straßen benannt wurden, war aber immer auch eine politische Frage. Und mit jeder neuen politischen Konstellation im Saarland wurden immer wieder auch die Straßennamen hinterfragt. So hieß die Franz-Josef-Röder-Straße bis 1935 Alleestraße, nach der Rückkehr zu Hitler-Deutschland Hindenburgstraße, nach 1945 unter französischer Verwaltung wieder Alleestraße, 1955 wieder Hindenburgstraße, ehe sie 1984 ihren heutigen Namen bekam.

„Die Franzosen haben alle Namen, die mit Nazis oder Militär zu tun hatten, gestrichen. Als das Saarland wieder zu Deutschland gehörte, wurden auch die Namen an das bundespolitische Gedenken angepasst“, erklärt Freyer. Die Diskussionen sind bis heute nicht abgerissen. So tauchen immer wieder Forderungen auf, die Straße des 13. Januar in Saarbrücken umzubenennen. Sie ist nach dem 13. Januar 1935 benannt. Dem Tag, an dem die Saarländer mit 90 Prozent für die Rückkehr zum damals von den Nationalsozialisten regierten Deutschland stimmten.

Gerhard Bungert (Hrsg.): Straßen im Saarland. Nationalisten und Militaristen als Namensgeber. Mit Beiträgen von Patric Bies, Gerhard Bungert, Rainer Freyer, Yvonne Ploetz, Roland Röder. Erschienen im Blattlaus-Verlag in Zusammenarbeit mit der Peter Imandt Gesellschaft. ISBN: 978-3-930771-90-5. 16 Euro.
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