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Neues Gewühle in Wildschwein-Akte

„Mama schau mal, 'ne Wutz“, freute sich vor Kurzem ein Bub im Saarbrücker Wildpark, als er das ausgewachsene Wildschwein sah, das sich müde in der Sonne räkelte. Diesem Anblick können einige Eigenheimbesitzer wenig Schönes abgewinnen, haben sie doch diese Tiere oft im heimischen Garten. Bilder von „umgegrabenen“ Wiesenflächen, die bisher einem Wembley-Rasen glichen und aufgewühlte Straßenrand-Begrünungen, wie in Rentrisch immer wieder zu sehen, zeugen von der unermüdlichen Futtersuche des Schwarzwildes. Bei Tag und bei Nacht. In Rentrisch aufgestellte Schilder, die vor den wilden „Mitbewohnern“ warnen, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und bekämpfen die Ursache nicht. Immer wieder waren die Schweine Thema in den Ortsratssitzungen.

Auch der einbestellte Jagdaufseher hatte keine Lösung parat. Was also machen die Rentrischer, um Blumen, Rasen und Bäume vor den wilden Waldbewohnern zu schützen? Wie erleben Anwohner des Lottenhammer die Besuche von Wildtieren auf Futtersuche? Exemplarisch sollen die Bemühungen der Besitzer von vier Nachbargrundstücken geschildert werden.

Seit 17 Jahren stehen die Häuser in der Nähe des Höfchens aus dem Jahr 1759 nun schon in der Nähe des ehemaligen Hammerwerks. Eine schöne Lage zwischen dem Tal des Scheidter Bachs und dem Wald am Zigarrenberg. Die Nachbarn auf engstem Raum in Doppel- und Einfamilienhäusern harmonieren, weshalb von den Bewohnern Zäune zwischen den Häusern und auch zum Wald hin anfangs kategorisch abgelehnt wurden. Gegen die Fischdiebe in Nachbars Teich, die sich als Fischreiher und Katzen entpuppten, konnte man wenig tun. Doch als in einem der Gärten nach einer großen Pflanzaktion, die viele Wochen kostete, immer wieder rote Blütenköpfe, bevorzugt von Rosen, fehlten, musste etwas passieren. Verantwortlich damals: Rehe. Sie „bedienten“ sich auch an der Rinde der Bäume, was einige in die Knie zwang.

Der Gingko-Baum ist ein lebendes Fossil, ein Baum, den es seit Jahrmillionen auf dieser Erde gibt. Auf dem Nachbargrundstück überlebte er die Beißattacken nicht. Ärgerlich genug. Und auch die andere Nachbarin zur Linken musste sich nach dem Fischdesaster nun gegen die Rehe wappnen. Zuerst sollte es ein Zaun richten, zirka 1,50 Meter hoch. Doch man hatte die Sprungkraft dieser Tiere unterschätzt, die aus dem Stand solch einen Zaun überspringen können, wie die Anwohnerin selbst beobachtet hat.

Also wurde aus dem eher filigranen Zaun ein metallener „Hochsicherheitstrakt“, dessen Höhe auch Rehe überforderte. Aber sie konnten sich auch schmal machen und quetschten sich durch die Gitter hindurch. Immer die leckeren Knospen im Blick. Irgendwann war der Zaun so hoch, dicht und zugewachsen, dass die kleinste heimische Hirschart das Interesse an diesem Garten verlor.

Bei den Überlegungen zum Zaunbau hatte man die Rechnung allerdings ohne die Wildschweine gemacht, die zwar selten springen, aber dafür um so lieber graben. Sie gruben sich einfach unter dem Zaun hindurch. War dieser abgedichtet, fand sich ein neuer Weg über die Gärten der Nachbarn. Seit einem Jahr haben die Anwohner alles versucht.

Natürliche Hecken, blau blinkende Lichterschläuche, die die Rentrischer störten, aber nicht die Schweine, Elektrozäune, die nachts ticken und den Schlaf erschweren. „Die Schweine kommen extra wegen der tollen Disco-Beleuchtung“, „wir denken über eine Schweineklappe im Zaun nach“ oder die wiederholt ausgesprochene Einladung zum Wildschwein-Essen sind nur einige der ironischen Sprüche der Rentrischer, die in dieser Sache hilflos sind.

Kann man wirklich gar nichts dagegen tun? Doch, man kann: Ein Zaun sollte als Grabschutz rund 50 Zentimeter in den Boden „versenkt“ sein, wie Ralf Blechschmidt empfiehlt.

Angeordnete Zwangsjagden von Stadtjägern bei solch einer Plage seien aber auch denkbar, so der Mitarbeiter der Abteilung Forst der Stadt Saarbrücken, der selbst Mitglied in der Vereinigung der Jäger des Saarlandes ist. Nun scheint also Bewegung in die Wildschwein-Akte zu kommen. Wie vom Rentrischer Ortsvorsteher Dieter Schörkl zu erfahren war, ist ein Gutachten zur möglichen Eindämmung des Wildschwein-Problems auf dem Weg vom zuständigen Ministerium in Richtung Stadt.  
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