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News: Neue Ausstellung eröffnet

Das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen.

Das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen.

Wadgassen. Im Zeitungsmuseum ist unter einer riesigen chinesischen Fahne der legendäre Sack Reis umgekippt – und niemanden juckt’s. Das hat seine Richtigkeit, denn dieses Malheur steht sprichwörtlich für ein Ereignis ohne jeglichen Nachrichtenwert. So fängt sie an, die Wadgasser Science- Schau „News“, die vom Nachrichten- Generieren bis zum Nachrichten-Manipulieren reicht, legendäre Reporter wie Günter Wallraff und Patrick Leclercq (Nahost-Korrespondent) vorstellt und die Entwicklung der technischen Mittel zur Nachrichten-Übermittlung ebenfalls noch antippt. Zudem ist theoretisch alles relevant, was je in der Zeitung stand, vorzugsweise Epochemachendes wie Mauerfall oder die Mobilmachung des Deutschen Kaisers im August 2014. In Wadgassen erwartet den Besucher auf zwei Etagen und ausladenden 400 Quadratmetern eine wilde, aber anregende Mischung: Titelseiten zum Kennedymord im November 1963, amüsante Film-Ausschnitte, etwa mit dem Klatschreporter Baby Schimmerlos aus Helmut Dietls „Kir Royal“. Nachrichten-Ticker gesellen sich zu Modellen alter Postkutschen, zu Kongo-Trommeln und alten Kameras, mit denen die NS-Propaganda- Kompagnien das Frontgeschehen festhielten, um es anschließend zu schönen. Private Videofilme aus dem Internet zum Tsunami 2004 belegen die These, dass diese Katastrophe einen Einschnitt markiert: In Zeiten globaler Informations- Netze reicht die traditionelle journalistische Nachrichten- Beschaffung nicht mehr aus. Doch wer garantiert für die Korrektheit der Facebook- Twitter- und Blog- Botschaften? Wie glaubwürdig ist die Quelle? Mit diesen Fragen entlässt uns die Ausstellung, die diesmal keine Importware aus anderen Museen ist, sondern als Eigengewächs des Teams von Museumschef Roger Münch entstand. Die Präsentation sollte und durfte so phantasievoll und publikumsorientiert sein wie nur möglich. Sie erhebt nicht den Anspruch eines logisch aufgebauten Rundgangs, Ungleichartigkeit wird selbstbewusst als Tugend verkauft. Auch stehen nicht die Exponate im Mittelpunkt, sondern Ideen, mit denen man vor allem Kinder und Schüler ansprechen will. So wurde beispielsweise ein veritabler Renn-Parcours nachgebaut – Sinnbild für den Hürdenlauf, die eine Nachricht im journalistischen Alltag zu nehmen hat. Über mindestens sieben Hürden muss sie weg, bevor sie relevant wird. Nachrichtenfaktoren sind unter anderem der lokale Bezug, der Überraschungs-/ Neuigkeits- Effekt oder die Anbindung an prominente Personen. Was nach Medientheorie klingt, ist in Wadgassen eine szenische Installation mit einer gemalten Zuschauer-Schar. Das hat Pfiff. Doch ob’s der Besucher versteht? Auf Schilder an den Exponaten wurde nämlich verzichtet. Das geht nicht immer auf. Erklärungen findet der Besucher nur in einem „Reporter- Notizblock“, den er als Führer kostenlos erhält, und in dem er dann aber auch eifrig blättern muss, will er wirklich von der Schau profitieren. Das ist ein ehrgeiziges, unkonventionelles Konzept. Museumsdirektor Münch erklärt es so: „Wir möchten die Besucher nicht mit Informationen abfüllen, sondern wollen, dass sie neugierig und aktiv werden und nachlesen.“ Der Besucher als Informations-Rechercheur? Das mag vergnüglich sein, anstrengend ist es wohl aber auch. 

News. Vom Ereignis zur Nachricht. Am Abteihof 1, bis 24. März, Di-So 10-19 Uhr, Mi 10-20 Uhr; Tel. (0 68 34) 9 42 30.
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