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"Nichts Wert": Merziger greift mit Thermoskanne an

Saarbrücken. Zwei Mal war der Landarbeiter im April 2011 ausgerastet, als er mit seiner Stofftasche nebst Thermoskanne in Merzig unterwegs gewesen war. In einem Büro der AOK hatte er aus heiterem Himmel einen Mitarbeiter mit seiner Thermoskanne angriffen, auf ihn eingeschlagen und ihn zu Boden geworfen. Eine Stunde später war es in der Stadtverwaltung rund gegangen – dort hatte der 49-Jährige sich ohne Vorwarnung einen PC-Bildschirm gegriffen und versucht eine Angestellte zu schlagen. Beide Angriffe gab der Beschuldige vor dem Landgericht unumwunden zu. Auch in einer Bäckerei soll er zum Stuhl gegriffen und ausgetickt sein. Warum? Diese Frage konnte der Mann, der sich freiwillig selbst in ärztliche Behandlung begeben hatte, nicht beantworten. Das taten sein Betreuer, sein behandelnder Arzt und eine psychiatrische Gutachterin.

Sie entwarfen das Bild eines einfachen Mannes, dessen Leben über Jahrzehnte von „dieser Sache“ beherrscht worden ist. „Diese Sache“ passierte im Alter von etwa 13 Jahren. Damals war er mit einem Freund auf dem Fahrrad unterwegs. Er stürzte schwer, der Kumpel ließ ihn angeblich liegen. „Weil ich nichts wert bin“, sagte sich der Mann damals und dann offenbar immer und immer wieder: Auch als er die Schule nicht schaffte, keine richtige Arbeit fand – nur Gelegenheitsjobs. Als er zeitweise anfing zu trinken, zu rauchen, Haschisch zu konsumieren. Der Minderwertigkeits-Komplex wurde zur Wahnvorstellung.

Über die Jahre wurde daraus ein wahnhaftes System des allein stehenden 49-Jährigen. Alle im Ort, in Ämtern, bei Behörden hatten nach seiner Vorstellung etwas gegen ihn und hielten ihn klein. Worauf er sich „wehrte“. Fazit der Richter: Der 49-Jährige sei in solchen Momenten schuldunfähig. Seine Erkrankung sei nicht heilbar, aber bei ständiger Behandlung und Medikamenteneinnahme unter Kontrolle zu halten. Deshalb könne die Unterbringung des 49-Jährigen in der geschlossenen Psychiatrie für gefährliche Straftäter zur Bewährung ausgesetzt werden. So lange der Mann sich an die Vorgaben der Ärzte hält, kann er seine Wohnung behalten, die für ihn als Rückzugsraum sehr wichtig ist. Und er kann sein Hobby pflegen: Heilkräuter sammeln. wi
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