A8 Luxemburg Richtung Saarlouis Zwischen AS Merzig und AS Rehlingen Gefahr durch defektes Fahrzeug (01:33)

A8

Priorität: Sehr dringend

14°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
14°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Nie wieder Strom aus Grubengas?

Saarbrücken. Seit mehr als 100 Jahren wird an Ruhr und Saar Grubengas, das beim Steinkohle- Bergbau entweicht, gefördert und genutzt. Diese lange Tradition will das in Saarbrücken beheimatete Unternehmen Steag New Energies auch noch in den kommenden Jahren fortsetzen – wenn der Gesetzgeber der Steag keinen dicken Strich durch die Rechnung macht. Denn ab 2013 sollen alle Grubengas-Anlagen, die eine Feuerungswärme-Leistung von mehr als 20 Megawatt (MW) haben, dem Emissionshandel unterworfen werden. Das Unternehmen muss teure Verschmutzungsrechte kaufen, wenn es diese Anlagen weiter betreiben will.

„Das trifft uns im Saarland voll“, ist Stefan Schneider, Leiter des Kompetenzzentrums Grubengas von Steag New Energies, überzeugt. Während die an der Ruhr betriebenen Anlagen diesen Leistungswert von 20 MW meist unterschreiten, „liegen wir an der Saar überall darüber“. Außerdem verfügt man im Saarland über ein komplettes 110 Kilometer langes Grubengas- Netz, das vom Warndt bis nach Bexbach reicht. Nach derzeitigem Sachstand kosten die Emissionszertifikate zwischen 1,2 und 1,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Da Strom aus Grubengas dem Klimaschutz nützt, wird er über das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) unterstützt, das auch die Verstromung aus Wind- und Sonnenenergie oder Biomasse fördert. Dem neuen EEG zufolge, das gerade die letzten parlamentarischen Hürden nimmt, wir der Strom mit 6,6 Cent pro kWh vergütet – kaum genug, um noch profitabel zu produzieren. Ein politischer Vorstoß, die EEG-Zahlungen zu erhöhen, ist gescheitert.



„Diese Tür ist vorerst zu“, heißt es aus dem Saar- Umweltministerium. „Die Kosten für die Emissionszertifikate schlagen bei uns ganz schön ins Kontor“, sagt Stephan Nahrath, Sprecher der Geschäftsführung von Steag New Energies. Jetzt soll Brüssel helfen. „Wir wollen bei der EUKommission erreichen, dass wir im Zertifikate-System einen sachgerechten Status erhalten“, betont Nahrath. Bei der Durchführungs- Verordnung, die den Zertifikate-Handel ab 2013 regelt, sollte nach der Vorstellung von Steag New Energies der Emissionsfaktor Null stehen. Man will also vollständig von den Kosten der Emissions-Zertifikate befreit werden. Das Unternehmen möchte zwar das Grubengas auch weiter absaugen und verwerten, wenn kein Gewinn mehr anfällt. Doch es könnte auch der Ausstieg drohen. Dann würde das Methangas aus der Tiefe ungenutzt in die Atmosphäre entweichen.

„Das ist ein umweltpolitischer Irrsinn ersten Ranges“, schimpfte Ministerpräsident Peter Müller kürzlich auf einer Veranstaltung. Denn Methangas ist Experten zufolge für das Klima 20 Mal schädlicher als Kohlendioxid (CO2). Die größte Grubengas-Verwertung im Saarland findet in Völklingen-Fenne statt. Dort werden 80 Millionen Kubikmeter Gas pro Jahr in Strom und Wärme umgewandelt. Dadurch wird der Ausstoß von 1,2 Millionen Tonnen CO2 jährlich vermieden. Mit Gas aus dem saarländischen Bergbau werden unter anderem auch das Kraftwerk in Wellesweiler und ein Blockheiz-Kraftwerk in Camphausen betrieben. Insgesamt wird das Grubengas im Saarland an 13 Stationen abgesaugt.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein