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Nimsgern komponiert jetzt für Saar-Tatort

Frank Nimsgern

Frank Nimsgern

Blieskastel. Der Komponist streift vor der Begrüßung rasch noch ein Oberhemd über – nach dem Sonnenbad auf der heimischen Terrasse. Dolce far niente in Lautzkirchen? Ja, so stellt man sich wohl den Après-midi eines Musical-Fauns vor: in der Sonne liegen, und küsst die Muse, flugs mal ein paar Akkorde aufs Notenpapier werfen – fertig ist ein neuer Hit.

Gut, das mit dem Erfolg, trifft bei Frank Nimsgern zu hundert Prozent zu. Für Musestündchen aber bleibt selten Zeit. Zu viel hat der Musiker und Produzent um die Ohren. Mal ausspannen nach den dutzenden Abenden im Saarländischen Staatstheater, wo er vorige Saison bei der „Rocky Horror Show“ musikalisch das Ganze hatte? Nicht drin. Der Erfolg sei nämlich launisch. „Man ist immer nur so gut wie sein letztes Stück“, sagt einer, der sich, wenn eines seiner Musicals fast 90 Prozent Auslastung schafft, anhören muss, „dass das wohl nicht so gut lief“. In den Staats- und Stadttheatern dagegen verlieren sich oft schon in der dritten Vorstellung einer modernen Oper die Gäste im Zuschauerraum. Sorgt das wen?

„Nichts gegen das subventionierte Theater“, betont der 43-Jährige. Dem habe er, gerade der Saarbrücker Bühne, viel zu verdanken, „weil ich mich da ausprobieren konnte“. Aber dass er quer durch die Republik auf Orchestermusiker treffe, „die sekundengenau den Bogen fallen lassen, weil es der Tarifvertrag so vorsieht, damit komme ich immer weniger klar“, sagt der Komponist. Und schafft sich jetzt mit seiner neu gegründeten Firma O.N.stage Möglichkeiten, seine Stücke nach seinen Vorstellungen und Bedingungen zu produzieren.

Ja, das Bild vom unbeschwert im Erfolg badenden Blondschopf, das mancher von Nimsgern hat, und das er in Teilen auch selbst kultivierte, ist wohl nur Fassade. Dabei kann er sich nicht beklagen.

Musik für den „Tatort“

Wo andere noch über „Projekte“ fabulieren, legt er Fix und Fertiges auf den Tisch. So komponiert er für den kommenden SR-„Tatort“ mit Neu-Kommissar Devid Striesow die Musik. Großen Kinosound liefert er für einen Streifen über den schillernden Box-Trainer Werner Papke, den die Berliner Firma ZIF mit prominenter Besetzung (Arbeitstitel „The Winner is“) vorbereitet. Und fürs Theater Chemnitz hat Nimsgern das Talentshow-Musical „Play Me“ arrangiert und musikalisch „bühnenreifer“ gemacht. Vom 22. September an übernimmt er tief im Osten obendrein die musikalische Leitung für „Play me“.

Zwischen den Vorstellungen drüben aber muss er weiter komponieren. Die „Mein Schiff“-Kreuzfahrtdampfer warten halt auf Nachschub. Denn für die TuiCruises schreibt er mittlerweile Tanzshows ensuite. Sein Musical „SnoWhite“ hat er schon dafür gefasst – mit Hannelore Elsner als Erzählerin. „BaRock“ ist ein weiteres Werk für die hohe See betitelt. Von Bach bis Mozart richtet der Sohn aus bestem Klassik-Hause – sein Vater ist der Bassbariton Siegmund – da neu und spritzig ein.

Kreuzfahrtshows, das klingt ja schon nach Traumschiff-Gedudel ohne Tiefgang. Tatsächlich, hält Nimsgern gegen, müssten sich seine Werke Abend für Abend in schwimmenden Groß-Theatern mit 1300 Plätzen bewähren. Fast schon erstaunlich bei diesem Pensum, dass er sich da im November wenigstens Zeit reserviert hat, wenn sein erstes Kind zur Welt kommt, eine Tochter.

Zuvor aber hilft er am 2. September am Theater Bonn einem seiner musikalischen Kinder in den nächsten Lebensabschnitt. „SnoWhite“, sein vor 12 Jahren in Saarbrücken gefeiertes Schneewittchen-Musical, hat dann am Rhein Premiere. „SnoWhite reloaded“ nennt es Nimsgern selbst, weil so vieles neu sei. In Bonn mischen jetzt Rapper und Breakdancer aus der Kölner Szene mit, denen Nimsgern Musik auf den Leib schrieb. Eine Bühne mit feinster Projektion im Look des exzentrischen Kino-Gruslers Tim Burton („Sleepy Hollow“, „Alice in Wonderland“) erwartet die Gäste. Nach wie vor aber singt Aino Laos die böse Königin.

Neu ist auch, dass Nimsgern mit diesem Musical das erste große Projekt seiner Firma O.N.stage startet. Zusammen mit dem Regisseur Elmar Ottenthal und einem weiteren Kompagnon hat er sie gegründet, auch um für seine Werke ideale Produktionsbedingungen zu haben. „Wir wollen Referenzen setzen“, sagt Nimsgern, der auch die Kontrolle behalten will, über das, was mit seinen Stücken passiert.

„SnoWhite“ geht auf Tour

Die Bonner Produktion soll, nach den geplanten 22 Aufführungen, bei denen er auch selbst spielt, auf Tournee gehen – in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Entsprechend mobil ist die gesamte Bühnen-Technik. Da setzt O.N.stage auch dort an, wo es bei vielen staatlichen Bühnen kritisch wird, beim speziellen Know-how fürs Musical. Nimsgern bietet mit seinen Kompagnons quasi schlüsselfertige Lösungen. Wird es gewünscht, liefert O.N.stage vom Casting über die Proben bis zur kompletten Abwicklung alles.

Da drängt beim Blick auf die aktuellen Ambitionen Neunkirchens „Musicalstadt“ zu werden, und Ottenthals und Laos' Engagement dort, sich auch die Frage auf, ob man bald ein Nimsgern-Musical in der neuen Neunkircher Event-Halle sehen wird, die im November öffnen soll? „Für mich hängt der Erfolg der Halle vom Marketing, der Tourismusförderung und den Inhalten ab“, antwortet Nimsgern. So klingt das wohl, das „Schaun mer mal“ eines Unterhaltungs-Profis, der weiß, dass jeder hierzulande beim Schlagwort Musical sofort an Nimsgern denkt, aber nur wenige ermessen können, welcher Einsatz und welches Risiko dahinter stecken.

SnoWhite am Theater Bonn: Premiere am 2. September, 18 Uhr, Karten unter Tel. (02 28) 77 80 08 22.
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