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Nordumfahrung: Studie warnt vor Umweltschäden

Saarbrücken. Eine im Auftrag des Landesbetriebs für Straßenbau erstellte Umweltverträglichkeitsstudie verleiht den Gegnern der Nordumfahrung Merzig Rückenwind. Nach dem vom ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD) verbreiteten Gutachten würde sich jede der acht angedachten Varianten der Nordumfahrung stark negativ auf die Tier- und Pflanzenwelt sowie auf den Wasserhaushalt und das Klima auswirken.

Der Landschaftsarchitekt Michael Klein als Autor kommt daher zu dem Ergebnis, dass das Land auf den Bau der Nordumfahrung verzichten und stattdessen die Ortsdurchfahrt Merzig weiter „ertüchtigen“ sollte. Diese Lösung wäre „wirtschaftlicher“ und würde zu „ähnlichen Effekten“ auf die „Verkehrsströme“ führen wie die Nordumfahrung.

Klein verweist darauf, dass sich die Neubau-Varianten im Hinblick auf die schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Natur „nicht sehr stark voneinander unterscheiden“. Jede der acht Varianten führe angesichts der „Vielzahl sich überlagernder hochwertiger bis sehr hochwertiger Schutzgüter“, die betroffen seien, zu „schweren Eingriffen“ in die Umwelt.

Gerade jene Variante, die artenschutzrechtlich noch am ehesten realisierbar wäre, lehne die Bundeswehr ab, da sie den Übungsbetrieb im Standortübungsplatz beeinträchtigen würde, heißt es in der Studie, die vom März datiert.

Die Landesregierung hält dessen ungeachtet an der Nordumfahrung fest. Der Sprecher von Wirtschafts- und Verkehrsminister Heiko Maas (SPD), Wolfgang Kerkhoff, sagte der SZ: „Der Nordsaarlandstraße kommt insbesondere für die Anbindung des ländlichen Raums eine große Bedeutung zu.“ Für ihre Realisierung setze die Umweltverträglichkeitsstudie aber „enge Grenzen“. Die fachlichen Bedenken aus der Sicht des Naturschutzes seien „ernst zu nehmen“. Daher prüfe das Ministerium jetzt jene der acht überprüften Planungsvarianten, der aus naturschutzrechtlicher Sicht Realisierungschancen eingeräumt werden. Dazu werde man „in Kürze mit Vertretern der Bundeswehr reden, weil ja Belange des Truppenübungsplatzes betroffen sind“.

Ulrich Kieborz, Sprecher der Bürgerinitiative Nordsaarlandstraße, monierte, dass die Studie den Schutz der Bürger vor Lärm, Staub und Verkehrsumweltgiften außen vor lasse. Dass 20 000 Autos am Tag durch eine Kreisstadt führen, sei „einmalig im Saarland“. Er schlug vor, Beeinträchtigungen des Übungsbetriebs der Bundeswehr durch Ausgleichsflächen zu mindern.

Auch die Linken-Abgeordnete Dagmar Ensch-Engel deutete Sympathie für eine Trasse durch bisher militärisch genutztes Gelände an. Sie verwies darauf, dass die Verkehrsbelastung zu Stoßzeiten tatsächlich sehr hoch sei. Daher sollten neue Gutachten eine umweltverträglichere Trassenführung durch Militärgelände prüfen.

Grünen-Chef Hubert Ulrich forderte indes, das „Prestigeobjekt“ Nordsaarlandstraße nun zu stoppen. Er verwies darauf, dass die Landesregierung das Gutachten in Auftrag gegeben habe. Der Bau sei „volkswirtschaftlicher Unsinn“ und nicht umweltverträglich umsetzbar.

Der VCD empfiehlt ein Stadtbussystem nach dem Vorbild von St. Ingbert oder Homburg sowie den Ausbau alternativer Verkehrsangebote mit Bahn, Rad und Fußverkehr. Dadurch sei eine starke Entlastung im Straßenverkehr möglich.

MEINUNG

Unsinniger Straßenneubau

Von SZ-Redakteur Wolf Porz

Seit die Ortsdurchfahrt von Merzig optimiert ist, rollt hier der Verkehr besser als bisher. Dauerstaus sind Vergangenheit. Deshalb gehört die von vielen geforderte Nordumfahrung der Kreisstadt auf den Prüfstand. Denn ein Land, das so massiv sparen muss wie das Saarland, kann sich einen unsinnigen Straßenneubau nicht leisten. Aus ökologischer Sicht macht das neue Straßenstück keinen Sinn – zu diesem Schluss kommen die Gutachter. Warum freilich deren Einschätzung vom März erst jetzt öffentlich wird, macht stutzig. Passte etwa die Empfehlung der Null-Variante nicht in den Landtagswahlkampf der späteren Großkoalitionäre, die die Straße stets fest versprochen haben?
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