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Nowitzki erobert die Herzen der Amerikaner

Saarbrücken/Dallas. Elegant hebt der Spieler mit der Nummer 41 eine halbe Minute vor Schluss einen Korbleger ins Netz, erhöht den Vorsprung seines Teams auf elf Punkte. Die Spieler der Dallas Mavericks fassen sich in der feindselig gesinnten Arena der Miami Heats ungläubig an den Kopf. Sie wissen: Die dicken klobigen Meisterschafts-Ringe sind ihnen sicher. Hoch begehrte Krönungs-Juwelen, die sie vor allem einer Person verdanken: Dirk Nowitzki.

Als David Stern, der Präsident der US-Basketball-Liga NBA, dann auch noch den Hünen als besten Spieler der Finalserie auszeichnet, sind die letzten Zweifel beseitigt. Hier hat sich ein Weißer aus Deutschland in einem Land, in dem der Basketballsport von Farbigen dominiert wird, selbst in den Olymp gehievt. Ein Wunderkind mit Schuhgröße 52, einem seltsam erfolgreichen Regenbogen-Wurf und einem eisernen Willen. „Wir sind nur noch einen Sieg entfernt von meinem Traum, für den ich mein halbes Leben gearbeitet habe“, vertraute Nowitzki vor dem letzten Spiel der Finalserie Reportern an. Auf dem Weg in die Kabine wischte er sich dann verstohlen Tränen aus den Augen. Auch Riesen dürfen einmal weinen.

Denn aus dem Meisterschafts-Traum ist endlich Realität geworden, und der 2,13 Meter große, in Würzburg geborene Einwanderer wird bereits mit den ganz Großen des Basketballsports verglichen: mit Larry Bird, Magic Johnson und natürlich Michael Jordan von den „Bullen“ aus Chicago. An den spielerischen Qualitäten Nowitzkis zweifelte bisher in den USA und Europa niemand wirklich. Doch erst als „World Champion“, wie man in den USA den nationalen Meister mit einer Portion Überheblichkeit gegenüber dem Rest der Basketballwelt nennt, wird der Triumph komplett. In den Finals von 2006 verpasste Nowitzki noch den ultimativen Erfolg. Damals ging es ebenfalls gegen Miami, und die Häme mancher Medien war nach der Niederlage unerbittlich: „No-Win-ski“ nannten sie den Deutschen damals – er sei eben kein Siegertyp. Und: Er sei zu weich.

Doch das ist nun Schnee von gestern, und die Sympathien vieler US-Sportfans gehören einem Deutschen, von dem sie – weil Nowitzki sein Privatleben abschottet – so gut wie nichts wissen, was über seine Leistungen auf dem Hallenparkett hinausgeht. Manche sagen sogar: Er ist so populär, weil bei ihm eben all jene Begleiterscheinungen fehlen, die sonst einen Basketballstar ausmachen. Bekannt ist Nowitzki außerhalb der Sporthallen vor allem für seine Bescheidenheit. In den ersten Jahren in der NBA leistete er sich trotz eines Millionen-Einkommens nicht mehr als eine Wohnung und einen Gebrauchtwagen. Heute fährt Nowitzki einen Mercedes. 2001 gründete er seine „Dirk Nowitzki Foundation“, die sich um Kinder auf der ganzen Welt kümmert. Skandale oder böse Gerüchte sucht man bei ihm, der der nette Nachbarsjunge von nebenan sein könnte, ebenso vergeblich wie jene großflächigen Tattoos, um die kein Afro-Amerikaner in der Liga herumzukommen scheint. Er gilt als Saubermann par excellence, nur ein einziges Mal gab es in den USA Negativschlagzeilen – und eine tiefe persönliche Enttäuschung für den Franken. Das war 2009, als sich seine damalige Verlobte als Trick-Betrügerin entpuppte. Schnell und konsequent beendete Nowitzki diese Beziehung.
Nur ganze 31 Spiele hat der Würzburger in den 13 Jahren seiner NBA-Karriere verpasst, die 1999 begann. Er gilt als Prototyp der Zuverlässigkeit made in Germany, als „Arbeitspferd“ im Training und als vorbildlicher „Team-Player“. Und als Spieler, den auch ein Rückstand oder schwacher Start nicht aus dem Konzept bringen. Am Sonntagabend traf er zunächst nur einen von zwölf Würfen, doch er glaubte unerschütterlich weiter an seine Zielsicherheit, die er regelmäßig beim Sommertraining in einer kleinen Turnhalle in Deutschland mit Hilfe seines Entdeckers, Beraters und Mentors Holger Gschwindner schärft. Im vierten Viertel spielte Nowitzki dann wieder so wie in den vorausgegangenen Spielen: Zehn Punkte in jenen zwölf Minuten, auf die es ankam. „Wie ein Besessener“, lobte die „New York Times“. Doch auch in der Stunde des Triumphes hat er sich das Markenzeichen Bescheidenheit bewahrt – und lobt nicht sich, sondern „die Kameradschaft im Team“.

Solche Worte lieben die Amerikaner. Bill Plaschke, ein Sportanalyst der „Los Angeles Times“, sieht in den Sympathien für Nowitzki aber auch eine rassistische Komponente – und erklärt das so: „Obwohl Nowitzki aus Deutschland stammt, sehen ihn viele hier als Wunschbild des perfekten amerikanischen Spielers und ‚große weiße Hoffnung’: Ohne Allüren, ohne Exzesse – eben ganz normal.“ Kurios, was Plaschke hingegen über Miamis dunkelhäutigen Spielmacher LeBron James sagt: Obwohl dieser Amerikaner sei, werde er als Fremder angesehen – mit seinem starren Blick, der auf dem Feld Angst einflößen soll, und einem großen Mundwerk. Er sei wie Ivan Drago, einer der Film-Gegner von „Rocky“ in den Hollywood-Streifen. Nowitzki stehe für das Licht, James für die Dunkelheit, resümiert der Autor provozierend.

Bürgermeister Dwaine Caraway, ein Afro-Amerikaner, schätzt die Loyalität und Seriosität des Deutschen, der 1999 in die USA kam, seitdem alle seine 1115 NBA-Spiele im Mavericks-Trikot absolviert hat und Dallas längst als „Heimat“ bezeichnet. „Dirk ist eine große, talentierte Persönlichkeit, die respektiert wird und sich respektvoll gibt. Er ist offen, aufgeschlossen gegenüber der Stadt und ihren Menschen und assoziiert sich mit Dallas“, lobt der Bürgermeister.
Nun hat sich „Dirkules“ in den Augen der Bürger von Dallas unsterblich gemacht. Und sich selbst, mit dem Alter auch spielerisch gereift, für seinen anstehenden 33. Geburtstag am 19. Juni das schönste Geschenk bereitet. „Hall of Fame“-Legende Charles Barkley gibt dem Erfolg jedenfalls gleich den richtigen Rahmen. „Es ist eine Ehre, ihn spielen zu sehen“, sagt Barkley, selbst Urgestein der US-Basketballgeschichte. Und: „Man sagt ja gerne, dass Champagner und Mercedes-Autos die wichtigsten Produkte sind, die Europa zu bieten hat. Doch Dirk ist der größte Import aus Europa, den es jemals gegeben hat.“

Meinung
Anerkennung für einen Großen
Von SZ-Redakteur Kai Klankert


Schmeling, Beckenbauer, Becker, Schumacher. . . Nowitzki. Zugegeben, diese Auflistung großer deutscher Sportstars klingt noch gewöhnungsbedürftig. Aber unbestritten ist spätestens seit gestern: Basketballer Dirk Nowitzki gehört genau da rein.
Seit Jahren ist der 32-Jährige in der Profiliga NBA – fernab eines großen Teils der deutschen Öffentlichkeit – ein absoluter Topspieler, einer der ganz Großen. Was ihm fehlte, war der Titel. Und den hat er jetzt – und mit ihm die Anerkennung, die er verdient hat. Er ist kein Mann der markigen Worte, keiner, der provoziert. So, wie es seine Gegenspieler zuletzt getan haben. Nowitzki ist besonnen, bescheiden und ein Champion, wie man sich ihn nur wünschen kann.




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